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Schwerin : Box-Talent Viktor Jurk ist der Längste und der Größte

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schwergewichtler Viktor Jurk vom BC Traktor Schwerin ist in der U19 klar die deutsche Nummer eins

von
erstellt am 01.Jul.2017 | 16:00 Uhr

Dass er der längste deutsche Jugend-Schwergewichtler ist, ist augenfällig. Dass Zweimetermann Viktor Jurk vom BC Traktor Schwerin national aber auch der Größte seines Limits in der U19 ist, das hat der Schützling von Trainer Sebastian Zbik Experten und Fans jüngst bei den deutschen Meisterschaften in Velbert eindrucksvoll vor Augen geführt. Im Finale bezwang er mit Titelverteidiger Fabian Thiemke aus Berlin einen, der im Nachwuchs zweimal Europameister war. „Und das deutlicher, als es das offizielle Resultat von 4:1 Richterstimmen aussagt“, legt sich sein Trainer fest.

Damit ist Viktor Top-Kandidat für einen Start bei der U19-EM im Oktober in der Türkei. Vorausgesetzt, dass bis dahin die Kapselverletzung an seiner linken Hand nur noch eine blasse Erinnerung ist. Die hatte sich der Rechtsausleger kurz vor der Meisterschaft bei einem Turnier in Ungarn eingefangen, als er im Finale den Dritten der letzten U19-EM aus Finnland besiegte.

Dass er seine Schlaghand in Velbert nur sparsam einsetzen konnte, wertet den Titel zusätzlich auf. Denn welch gefährliche Waffe das ist, verdeutlicht der Coach: „Neben der sehr guten Führungshand zeichnet sich Viktor durch einen tollen linken Haken aus – technisch, aber auch von einer Härte, die man diesem Schlaks nie zutrauen würde.“ Bei einem Schlaghärtetest hätte Viktor das Gerät sogar voll ausschlagen lassen. „Sowas habe ich noch nicht gesehen“, staunt selbst Profi-Exweltmeister Zbik, der im Boxen jede Menge erlebt hat.

Den Brandenburg-Cup als eigentlichen EM-Nominierungswettkampf Anfang August darf Viktor dank seines DM-Auftrittes weglassen, einen Gesundheitsnachweis wird er vor den kontinentalen Titelkämpfen aber erbringen müssen. „Ich bin zuversichtlich, dass das klappt. Es ist ja noch Zeit“, sagt der junge Mann, der später Profi werden und auch danach im Sport arbeiten will. „Da möchte ich mir etwas Eigenes aufbauen“, weiß er schon jetzt.

Im Sommer 2016 war er von Flensburg in die 10. Klasse des Schweriner Sportgymnasiums und zum BC Traktor gekommen, nach nur zwei Jahren Boxtraining schon mit dem deutschen Meistertitel der U17 im Gepäck. „Ich hatte mich vorher bei der SG Flensburg im Handball versucht. Aber das Boxen hat mehr Spaß gemacht. Da sind die Leute sozialer, beim Handball waren viele ganz schön arrogant“, sagt Viktor, dessen Eltern weit vor seiner Geburt als Russland-Deutsche nach Flensburg gekommen waren, wo sie als Betonbauer und Altenpflegerin arbeiten.

Natürlich ging der Weggang von zu Hause nicht ganz reibungslos vonstatten. „Mein Vater war dafür, meine Mutter zuerst dagegen und mein fünfjähriger Bruder Konstantin vermisst mich immer noch sehr“, sagt Viktor, der sich auch noch gut an sein anfängliches Heimweh erinnert: „Aber das dauerte zwei Monate, dann war ich voll in die Truppe integriert und hatte Freunde gefunden.“

Wenn er mal nicht mit Boxen befasst ist, spielt der 17-Jährige leidenschaftlich gern Schach. „In unserem Familienkreis habe ich schon alle abgezogen“, sagt er – und findet nun in seinem Trainer einen neuen Gegner. „Ich wusste ja gar nicht, dass du spielst. Aber deine Siegesserie wird ein Ende haben“, prophezeit der grinsend und will seinem Schützling gleich noch Backgammon beibringen.

Beider Hauptaugenmerk aber liegt natürlich auf der U19-EM. „Und die soll nur Durchgangsstation sein zu den Olympischen Jugendspielen. Die gibt es alle vier Jahre – und Viktor hat das Zeug dazu, dort dabeizusein“, sagt Zbik, der neben dem Talent auch den Ehrgeiz seines Athleten hervorhebt: „Selbst wenn es nach Klischee klingt: Viktor ist der Erste in der Halle und geht als Letzter. Das, was er erreicht hat, ist wohlverdient. Und er hat noch viel Potenzial.“

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