André Greipel bei der Tour de France : Alles oder nichts zum Tourauftakt

Super-Duo: Wenn Marcel Sieberg (r.) als Anfahrer seinen Kapitän richtig in Stellung bringt, ist der Sieg für Sprintass André Greipel (l.) nur noch Formsache – so sieht es wenigstens aus.
Super-Duo: Wenn Marcel Sieberg (r.) als Anfahrer seinen Kapitän richtig in Stellung bringt, ist der Sieg für Sprintass André Greipel (l.) nur noch Formsache – so sieht es wenigstens aus.

Tour de France startet mit einer Flachetappe. Favoriten auf Tagessieg und Gelbes Trikot sind die deutschen Topsprinter Greipel und Kittel

svz.de von
28. Juni 2016, 21:00 Uhr

Auf der Straße der Alliierten in Utah Beach am französischen Atlantik geht es für die deutschen Topsprinter André Greipel und Marcel Kittel um alles oder nichts. Kein Weg dürfte zum Auftakt der 103. Tour de France nach 188 km an ihnen vorbeiführen. Die Generalprobe in Erfurt hatte Greipel am Sonntag mit dem Gewinn des dritten deutschen Meistertitels für sich entschieden. Kittel war im Schlussspurt eingebaut und musste mit Rang drei zufrieden sein.

Doch am Samstag werden die Karten neu gemischt. Und anders als Greipel kennt Kittel das berauschende Gefühl, das „Maillot Jaune“, das Gelbe Trikot des Tour-Führenden, zu tragen. Er holte es 2013 und 2014, als die Tour ebenfalls mit einer Flachetappe und nicht wie sonst mit einem Prolog begann.

„Ich versuche, da entspannt reinzugehen – wie 2013 oder 2014. Klar ist auch im Team die Erwartungshaltung da, aber ich will locker bleiben“, sagte Kittel, der nach einem Jahr Tour-Zwangspause mit seiner neuen Etixx-Quickstep-Mannschaft an der Seite von Tony Martin ins Rennen geht. Zehn Saisonsiege – zuletzt zwei beim Giro d'Italia – sprechen dafür, dass er die Turbulenzen des Vorjahres mit langer Krankheit und einem geräuschvollen Teamwechsel verarbeitet hat.

Greipel hatte Kittel im Vorjahr beim Saisonhöhepunkt in Frankreich mehr als würdig vertreten. Der bullige Rostocker war mit vier Etappensiegen bei den hektischen Massensprints nahezu unschlagbar. Am Samstag will der 33-Jährige endlich Gelb. „Eine solche Chance für uns Sprinter kommt nicht oft. Wir haben uns die letzten 40, 50 Kilometer der Etappe schon angeschaut“, sagte Greipel, der in seinem Lotto-Soudal-Team in den Massensprints ähnlich kompetente Unterstützung erhält wie Kittel beim belgischen Konkurrenten.

Bei der DM in Erfurt funktionierte das Tandem Kittel/Martin – auch wenn das Happyend ausblieb. „Tony ackert für zehn. Er wird in unserem Sprintzug einer der letzten Anfahrer sein“, erklärte der achtfache Tour-Etappensieger Kittel die Taktik für die letzten Kilometer.

Greipels wichtigster Bodyguard in den oft chaotischen Massensprints ist sein Freund und Trauzeuge Marcel Sieberg, der ihn auch in Erfurt zur erneuten Meisterschaft pilotiert hatte. „Die Teamstärke wird bei den Sprints der Tour mitentscheidend sein. Da gehören wir mit Greipels Lotto-Soudal sicher zu den Stärksten“, meinte Kittel, der im Oktober mit Greipel auch um die Kapitänsrolle der deutschen Equipe bei der Rad-WM in Katar streiten wird.

Die deutschen Starter:

  • Marcus Burghardt (33/BMC Racing/Zschopau): Der Spezialist für Klassiker gewann 2008 schon einmal eine Tour-Etappe.
  • Emanuel Buchmann (23/Bora-Argon 18/Ravensburg): Hat tolle Kletterfähigkeiten, eine Rarität im deutschen Radsport.
  • Andreas Schillinger (32/Bora-Argon 18/Kümmersbruck): Der Inbegriff eines Helfers. Ist sich für keinen Dienst zu schade.
  • Paul Voss (30/Bora-Argon 18/Rostock): Auf mittelschweren Etappen könnte er auf einen Ausreißersieg spekulieren.
  • Tony Martin (31/Etixx-Quick Step/Cottbus): Setzt auf das Zeitfahren der 13. Etappe. Ist Teil des Sprintzuges für Marcel Kittel.
  • Marcel Kittel (28/Etixx-Quick Step/Arnstadt): Je vier Etappensiege 2013 und 2014, aber 2015 kam er nicht zurecht.
  • John Degenkolb (27/Giant-Alpecin/Gera): Nach dem furchtbaren Trainingsunfall im Januar nähert er sich seiner Bestform.
  • Simon Geschke (30/Giant-Alpecin/Berlin): Sein Aufstieg gipfelte 2015 im Tour-Etappensieg in den Alpen nach Pra Loup.
  • Paul Martens (32/LottoNL-Jumbo/Rostock): Gilt als fähiger Klassikerfahrer, hat vorwiegend Helferaufgaben zu erfüllen.
  • Robert Wagner (33/LottoNL-Jumbo/Magdeburg): Mit 33 kommt der deutsche Ex-Meister zu einem späten Tour-Debüt.
  • André Greipel (33/Lotto-Soudal/Rostock): Greipel, im Vorjahr vier facherEtappensieger, wirkt wieder auf den Punkt topfit.
  • Marcel Sieberg (34/Lotto-Soudal/Castrop-Rauxel): Wie immer der wichtigste Helfer Greipels.
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