Fecht-Olympiasiegerin : Abschied im goldenen Kleid: Heidemann ist jetzt Funktionärin

Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann (l) gibt beim Ball des Sports ihren Rücktritt bekannt.
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Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann (l) gibt beim Ball des Sports ihren Rücktritt bekannt.

Der Übergang von der aktiven Karriere in die Sportpolitik war bei ihr fließend. Beim «Ball des Sports» in Wiesbaden verabschiedete sich die Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann endgültig vom Leistungssport.

svz.de von
04. Februar 2018, 12:41 Uhr

Das Outfit war passend gewählt für den letzten großen Auftritt als Olympiasiegerin. In einem goldenen Kleid verabschiedete sich Britta Heidemann am Samstagabend beim «Ball des Sports» in Wiesbaden vom aktiven Leistungssport.

«Gold passt heute irgendwie», sagte die 35 Jahre alte Fechterin, die 2008 in Peking Olympiasiegerin und 2007 in Sankt Petersburg Weltmeisterin wurde. «Aber cool bin ich heute Abend nicht. Hier ist heute die gesamte Sportfamilie versammelt. Und in der fühle ich mich sehr wohl.»

Der «Ball des Sports» war ein passender Rahmen für diesen Auftritt. Die Benefizgala der Stiftung Deutsche Sporthilfe bringt die großen Namen des Spitzensports, der Sportpolitik und der Wirtschaft zusammen - und auf all diesen Ebenen ist Heidemann sehr gut vernetzt.

Ihr Übergang von der aktiven Karriere in die Funktionärslaufbahn war fließend. Heidemann gehört schon länger der Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees, dem Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes und dem Aufsichtsrat des 1. FC Köln an. Als sie ihr Karriereende am Freitag - beinahe zwei Jahre nach dem letzten Wettkampf - offiziell machte, waren viele allein deshalb überrascht, weil sie sich dachten: Wieso? War sie denn überhaupt noch aktiv?

«Ich habe einen anderthalb Jahre langen Entnabelungsprozess hinter mir», erzählte Heidemann in Wiesbaden. «Mir ist das schwer gefallen. Aber dann habe ich mir gedacht: Irgendwann muss ich das Ding jetzt mal durchziehen.»

Was sie jetzt tun will, ist klar: «Ich will mich weiter für den Sport engagieren», sagte sie. Und etwas «für kommende Generationen bewegen». Die Frage, die sich viele in ihrer Position stellen müssen, ist nur: Wo kann man dabei am meisten erreichen? Innerhalb der Verbände, des Systems? Oder von außen, als kritische Stimme?

Heidemann hat sich für die Funktionärskarriere entschieden. Für sie habe sich eine Tür geöffnet - und sie sei dort voller Überzeugung durchgegangen, sagte sie einmal. Jetzt muss sie auch damit leben, dass es nicht nur Beobachter gibt, die sich von ihr einen «frischen Wind» innerhalb des IOC erhoffen. Sondern auch Kritiker, die ihr ihre Nähe zum IOC-Präsidenten Thomas Bach vorhalten.

Die Parallelen liegen auf der Hand. Auch Bach war einst Olympiasieger im Fechten. Und auch ihm gelang über die Athletenkommission des IOC der Einstieg in die Sportpolitik.

Ob sie irgendwann einmal die erste Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees werden wolle, wurde Heidemann am Samstag in einem Interview der Tageszeitung «Die Welt» gefragt. Und sie sagte: «Ich bin ehrlich gesagt kein Mensch für Zehn-Jahres-Pläne.»

Ihr Verhältnis zu Bach beschrieb Heidemann ähnlich diplomatisch. «Ich hatte zum Glück immer Menschen um mich herum, die mich motiviert haben, neue Herausforderungen anzunehmen. Die mich auch gut und ehrlich beraten haben, worin sie meine Stärken sehen und wie ich sie einsetzen könnte», sagte sie. «Ich tausche mich sehr gern mit Menschen aus, die mehr Lebenserfahrung haben als ich. Dazu gehört natürlich auch Thomas Bach. Er hat viel erlebt, er weiß unheimlich viel, das ist für mich spannend. Ich frage gern nach, ich bin sehr neugierig und meist ziemlich direkt.»

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