ARD-Kommentator Robert Hunke im Interview : Beachvolleyball-WM 2019: "Fünf Minuten auf der Anlage und Du hast Lust aufs Leben"

TV-Mann Robby Hunke berichtet für die ARD-Sportschau von der Beachvolleyball-WM 2019 aus Hamburg.
TV-Mann Robby Hunke berichtet für die ARD-Sportschau von der Beachvolleyball-WM 2019 aus Hamburg.

Im Interview gibt Robert Hunke unter anderem einen Ausblick auf die Chancen der deutschen Teams.

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28. Juni 2019, 09:19 Uhr

Hamburg | Das Karriereende von Kira Walkenhorst im vergangenen Jahr verursachte ein wahres Erdbeben in der deutschen Beachvolleyball-Szene. Ihre damalige Partnerin Laura Ludwig stand auf einmal alleine da – und so entwickelte sich eine Rotationswelle bei den deutschen Teams. Die Weltmeisterschaft in Hamburg im Tennisstadion am Rothenbaum (28. Juni bis 7. Juli) ist die erste große Bühne für die neu zusammengewürfelten Mannschaften.

TV-Sportreporter- und Kommentator Robert Hunke kennt sich in der deutschen Beachvolleyball-Szene bestens aus, für die öffentlich-rechtlichen TV-Sender kommentiert er die Weltmeisterschaft bereits zum zweiten Mal. Im Interview spricht der 35-Jährige über die Folgen des Walkenhorst-Rücktritts, die aktuelle Situation bei den deutschen Teams sowie die besondere Atmosphäre bei Beachvolleyball-Events.

Herr Hunke, wie schätzen Sie bei der heute startenden Beachvolleyball-WM die Chancen der deutschen Duos ein?

Robert Hunke: "Schwierig. Die deutschen Teams haben eher geringe Chancen. Laura Ludwig, die vor zwei Jahren Weltmeisterin geworden ist, hat mit Margareta Kozuch mittlerweile eine neue Partnerin. Die beiden haben sich allerdings sportlich nicht qualifiziert, sind nur über die Wild Card ins Feld gekommen. Gerade bei den Frauen hat eine Rotationswelle durch das Karriereende von Kira Walkenhorst eingesetzt. Ich glaube, dass es bei dieser WM aus deutscher Sicht sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen höchstens über den Heimvorteil gehen kann, im Turnier weit zu kommen."

Margareta Kozuch (links) und Laura Ludwig hatten sich nicht sportlich für die WM qualifiziert.
imago images / Beautiful Sports
Margareta Kozuch (links) und Laura Ludwig hatten sich nicht sportlich für die WM qualifiziert.

Sie haben das Karriereende von Kira Walkenhorst und die damit einhergehende Kettenreaktion bei den Damen-Duos angesprochen. Wie haben diese Entwicklungen das deutsche Team beeinflusst?

Hunke: "Das Karriereende war ja abzusehen. Als ich nach dem WM-Finale 2017 in Wien zum Interview runtergegangen bin zu Walkenhorst und Laura Ludwig, da konnte Kira kaum noch laufen. Insofern war ich persönlich eigentlich darüber überrascht, dass die Kettenreaktion wiederum bei vielen Fans und Beobachtern des Sports eine solche Überraschung hervorgerufen hat. Da sind dann auch Dinge gelaufen, die auf menschlicher Ebene schwierig waren."

Beispielsweise rund um Chantal Laboureur, die unserer Redaktion vor einiger Zeit im Interview ihre Situation schilderte…

"Chantal Laboureur und Julia Sude waren jahrelang DAS Team! Und plötzlich geht Sude hin und sagt: 'Sorry, ich verlasse dich.' Natürlich war das total schwierig für Laboureur, sie war eine Weltklasse-Spielerin. Auf einmal musste sie eine gute Blockspielerin finden, und die sind in Deutschland Mangelware. Ihre neue Partnerin Sandra Ittlinger ist eine junge sympathische Frau mit Talent, aber sie spielt ihre erste WM. Ich wiederhole mich, aber auch aufgrund dieser Kettenreaktion ist an der Spitze mit den deutschen Teams nicht zu rechnen – wobei ich mich natürlich im Laufe der kommenden Woche gerne vom Gegenteil überzeugen lasse."

Sandra Ittlinger und Chantal Laboureur bilden ein emotionales Duo.
imago images / Beautiful Sports
Sandra Ittlinger und Chantal Laboureur bilden ein emotionales Duo.

Direkt betroffen sind wie angesprochen Borger/Sude und Ittlinger/Laboureur – welchem Team trauen Sie im Wettbewerb mehr zu?

Hunke: "Aufgrund der Weltklasse von Laboureur werden es Ittlinger und Laboureur schon machen. Das ist ein emotionales Duo, insbesondere Laboureur ist eine extrem emotionale Spielerin. Sude, ihre Ex-Partnerin, war hingegen stets das Gegenteil – überspitzt gesagt: Ihr Gesichtsausdruck während eines Matchs ließ eher darauf schließen, dass sie gerade Excel-Tabellen ausdruckt. Und nicht Beachvolleyball spielt. Jetzt hat Laboureur mit Ittlinger eine Partnerin dazubekommen, die genauso brennt wie sie. Das ist positiv und die beiden pushen sich gegenseitig. Sowohl bei den beiden als auch bei Borger/Sude kann es über diese emotionale Ebene – die durch den angesprochen Heimfaktor und die möglicherweise von außen dazu kommende Euphorie noch mehr getragen werden kann – weit gehen. Sportlich und spielerisch haben die neu zusammengewürfelten Teams die Routine jedoch nicht, so dass man sie keinesfalls vorab in den erweiterten Favoritenkreis zählen sollte."

Beachvolleyball-Events sind auch immer ein Stück weit Party: Laute Musik, Sonne, Getränke. Was macht in Ihren Augen darüber hinaus diese Sportart aus?

Hunke: "Ein Teil davon sind die Beats. Du bist fünf Minuten auf der Anlage und hast Lust aufs Leben. Ich finde es überragend. Mit Julius Brink (Hunkes Co-Kommentator, Anm. d. Redaktion) habe ich bei der WM 2017 tatsächlich immer mal wieder getanzt in der Kommentatoren-Kabine. Gerade für mich, der auch die Fußball-Bundesliga und Champions League kommentiert, ist es ein völlig anderes arbeiten. Man muss da teilweise echt aufpassen, nicht mitgerissen zu werden. (lacht)

Während der WM 2017 in Wien feierten die Fans ausgelassen.
imago images/HochZwei
Während der WM 2017 in Wien feierten die Fans ausgelassen.

Beachvolleyball hat alles ein bisschen: Es ist eine Partykultur. Es sind wahnsinnig viele schlaue Menschen als Fans auf der Anlage. Der Sport ist nicht so schwer zu verstehen. Und diejenigen, die Beachvolleyball konsumieren, haben Lust auf ein buntes Miteinander, auf das Spiel und darauf, gemeinsam eine gute Zeit zu haben. Beachvolleyball ist komplett positiv besetzt."

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Sie sprachen es gerade an: Sie sind bei der breiten Masse eher aufgrund Ihrer Einsätze im nationalen und internationalen Fußball bekannt – wie sind Sie selbst zum Beachvolleyball gekommen? Gibt es eine besondere persönliche Verbindung zur Sportart?

Hunke: "Es ist ein relativ junger Sport, und mit 35 Jahren bin ich auch ein recht junger Kommentator. Das entwickelte sich vor der Beachvolleyball-WM 2017. Die Redaktionsleitung des WDR Fernsehens kam damals auf mich zu und fragte mich, ob ich Interesse hätte. Ich habe sofort zugesagt. An der Sporthochschule in Köln, wo ich studiert habe, hatte ich eine Menge über Beachvolleyball gelernt. Dort habe ich beispielsweise auch den technisch-taktisch-methodischen Bereich der Sportart kennengelernt, das ist ein großer Vorteil.

Ich bin übrigens auch der Auffassung, dass man den Sport, den man kommentiert, auch selbst mal gemacht haben sollte. Beim Beachvolleyball fällt das – zumindest mir persönlich – übrigens auch nicht so schwer, wie bei anderen Sportarten: Ich habe ja auch schonmal Bouldern kommentiert… Das hatte ich zuvor nur unter extremen körperlichen Schmerzen gemacht."

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