Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte : Nach jahrelangem Rechtsstreit: Claudia Pechstein scheitert vor Gericht

Claudia Pechstein ist mit ihrer Klage gescheitert. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-zentralbild/dpa
Claudia Pechstein ist mit ihrer Klage gescheitert. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-zentralbild/dpa

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein kassiert eine Niederlage vor Gericht, wird aber dennoch finanziell entschädigt.

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02. Oktober 2018, 10:37 Uhr

Straßburg | Der Internationale Sportgerichtshof CAS geht gestärkt aus einem Verfahren um die Doping-Sperre von Eisschnellläuferin Claudia Pechstein hervor. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte attestierte dem CAS am Dienstag in dem Fall keinen Mangel an Unabhängigkeit und Unvoreingenommenheit (Beschwerdenummer 67474/10). Damit hat Pechstein mit ihrer Beschwerde vor dem Straßburger Gericht eine Teilniederlage erfahren.

In einem anderen Punkt gaben die Richter Pechstein jedoch recht: Der CAS hätte ihr ein öffentliches Verfahren gewähren müssen. Durch die fehlende Öffentlichkeit sei Pechsteins Recht auf ein faires Verfahren verletzt worden. Daher stehen der Sportlerin nun 8000 Euro Entschädigung zu. Das Urteil kann noch innerhalb von drei Monaten angefochten werden.

Pechsteins Anwalt Simon Bergmann wertete den Richterspruch als Erfolg. "Es ist eine Menschenrechtsverletzung festgestellt worden", sagte Bergmann der Deutschen Presse-Agentur. Das Urteil des CAS wäre seinen Worten zufolge möglicherweise anders ausgefallen, wenn die Öffentlichkeit beteiligt gewesen wäre. Das Straßburger Urteil könnte demnach auch Einfluss auf Pechsteins Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht haben.

Pechstein will zu Olympia 2022 – mit dann knapp 50 Jahren

Die fünfmalige Olympiasiegerin hatte sich im Jahr 2009 vor dem CAS gegen eine zweijährige Sperre wegen auffälliger Blutwerte beschwert, die Pechstein auf eine geerbte Blutanomalie zurückführt. Der CAS bestätigte die Strafe jedoch. Pechstein machte in Straßburg geltend, dass der Sportgerichtshof CAS weder unabhängig noch unparteiisch sei. Den Vorwurf begründete die 46-Jährige laut dem Gericht unter anderem mit der Art und Weise, wie die Richter des CAS ernannt werden.

Wie es nun mit Pechstein weitergeht, ist offen. Die Berlinerin hatte nach den Olympischen Spielen Anfang dieses Jahres angekündigt, ihre Karriere bis zu den nächsten Olympischen Spielen 2022 in Peking fortsetzen zu wollen. Dann wäre Pechstein knapp 50 Jahre alt. Für die ehrgeizige Sportlerin ist das Alter jedoch kein Problem: „Wenn ich dann noch gesund bin und mich qualifiziere, wird das kein Problem.“

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