Begeisterung während der WM : Warum sind eigentlich so viele Deutsche Handball-Fans?

Deutsche Fans bei der Handball-Weltmeisterschaft 2019.
Deutsche Fans bei der Handball-Weltmeisterschaft 2019.

Millionen Menschen schauen sich die WM-Spiele der deutschen Handballer im TV an. Woher kommt diese Euphorie?

von
21. Januar 2019, 18:10 Uhr

Köln | Deutschland ist wieder einmal im Handball-Fieber. Das Team von Bundestrainer Christian Prokop begeistert bei der Heim-WM die Massen und zieht auch die Prominenz aus anderen Sportarten in ihren Bann. Für Skirennfahrer Felix Neureuther ist es die körperliche Härte, die den Handball zu einer "der absolut coolsten Sportarten" mache. Trainer Niko Kovac vom Fußball-Rekordmeister FC Bayern München schätzt die Dramatik bei der WM in Deutschland, "weil es rauf und runter geht". Und sein Kollege Julian Nagelsmann von der TSG 1899 Hoffenheim glaubt sogar, dass sich der Fußball vom Handball einiges abschauen kann: "Man versucht zu spielen und nicht so viel zu labern, das würde uns auf dem Fußballfeld auch gut zu Gesicht stehen."

"Du siehst Kerle, wie sie zusammenrummsen"

Die Endrunde begeistert weit über die Grenzen ihrer Sportart hinaus. Aber warum ist das so? Die Gründe dafür sind weitaus vielfältiger, als die Aussagen ihrer prominenten Fans vermuten lassen. Körperlichkeit, Robustheit, Kompromisslosigkeit - all das fasziniert beim Handball schon lange. "Du siehst Kerle, wie sie zusammenrummsen. Und wie sie dann aufstehen und keiner muckt", sagte Trainer Christian Streich vom SC Freiburg.

Handball-Weltmeisterschaft: So kommt Deutschland ins Halbfinale

All das ist aber auch das ganze Jahr über in den Hallen der Handball-Bundesliga oder beim TV-Sender Sky zu sehen. Doch mit den Übertragungen in ARD und ZDF bietet sich den Handballern nun die seltene Bühne, ein Millionenpublikum zu erreichen. Zumal das Turnier Anfang Januar startete, als der deutsche Fußball noch in der Winterpause war. Zudem können die Fans in den Handball-Arenen in Berlin und Köln die deutschen Nationalspieler nicht nur sehen, sondern auch anfassen. Trotz enger Spieltaktung und teils extremer Belastung schrieben Finn Lemke, Uwe Gensheimer und ihre Kollegen manchmal noch über eine halbe Stunde nach Abpfiff Autogramme. In den Augen von Ski-Ass Neureuther sind die Handballer "noch sehr, sehr nahbar, das macht sie auch so sympathisch. Deswegen steht auch ein ganzes Land hinter den Jungs, muss ich sagen."

Das machen die Handball-Weltmeister von 2007 heute

Tatsächlich zeigt sich nicht nur an den bei deutschen Spielen bisher stets ausverkauften Arenen, sondern auch an den TV-Einschaltquoten die derzeitige Euphorie. Der Durchschnitt der fünf Vorrunden-Partien lag bei mehr als 7,1 Millionen Zuschauern. Selbst das bedeutungslose letzte Vorrundenspiel vergangene Woche gegen Serbien schauten sich im Schnitt mehr Leute an als den vom ZDF übertragenen Rückrunden-Auftakt der Fußball-Bundesliga zwischen Hoffenheim und Bayern. "Die Menschen finden unsere Handballer cool, weil sie eine hohe Bodenhaftung haben und nahbar sind", sagte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann.

"Rumbrüllende Sportkommentatoren nerven total": Eine Chat-Debatte

Trotzdem nahm die Aufmerksamkeit für den Handball selbst nach erfolgreichen Großturnieren in der Regel sehr schnell wieder ab. Nachhaltig anhaltende Begeisterung gab es weder nach dem Erfolg bei der Heim-WM 2007 noch im Anschluss an den EM-Triumph 2016. Das von der ARD live übertragene Bundesliga-Topspiel zwischen den Rhein-Neckar Löwen und dem THW Kiel schauten sich im Oktober 2018 beispielsweise nur 1,36 Millionen Zuschauer im Schnitt an.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

DHB-Vizepräsident Bob Hanning hofft, dass die Begeisterung dieses Mal länger anhält. "Wir müssen Gesichter kreieren, die unsere Sportart in den nächsten zehn Jahren repräsentieren", sagte der 50-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. "Wenn ein Andreas Wolff beispielsweise abends zu Markus Lanz in die Talkshow gehen kann, dann verlege ich das Training eben auf den Morgen. Das Management muss jetzt lernen, anders zu denken, um diese Chance auch zu nutzen."

Handball-Expertin Anett Sattler: Das sind meine Tops und Flops der WM

Dabei soll aber stets die Bodenhaftung gewahrt bleiben. "Wir wollen kein goldenes Steak essen, sondern wir wollen nahbar bleiben", betonte Hanning zuletzt mit Blick auf den Goldsteak-Wirbel um Fußballstar Franck Ribéry.

Nach Ansicht von Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar müsse der Handball aber auch neue Wege gehen, um vor allem das junge Publikum zu gewinnen. "Wir müssen das Image unserer Sportart verändern. Das heißt, wir müssen jünger werden, interessanter für die Kids", sagte Kretzschmar der Deutschen Presse-Agentur. Sein Vorschlag: "Es ist zwingend notwendig, in den nächsten fünf, sechs Jahren ein Spiel zu entwickeln, das die Kids an der Playstation spielen können und von dem sie sagen: Das ist super."

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

Etwa 65.000 Schüler und Lehrer allein in unserem Verbreitungsgebiet erhalten in einem gemeinsamen Projekt der Zeitungsverlage und des MV-Bildungsministeriums bis zum Jahresende kostenlosen Zugang zu den Newsportalen. Fragen Sie an den Einrichtungen ihrer Kinder nach den Bedingungen und Login-Daten, die Sie auch in der Familie nutzen können.
Was bewegt die Schüler ab Klasse 5 bis hinauf in die Gymnasien und Berufsschulen unseres Landes? Was passiert in ihrem Umfeld, in Deutschland und der Welt? Wie können seriöse Nachrichten von Fake News unterschieden werden?
Die Schweriner Volkszeitung und die Norddeutschen Neuesten Nachrichten bieten den Schülern die aktuellsten Berichte, liefern in einem speziellen Dossierbereich "Diskussionsstoff" für den Unterricht und möchten mit ihnen in Austausch kommen.
 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen