Sein Leben in Bildern : Trauer um Formel-1-Legende Niki Lauda: "Mutigster Mann, den ich je kennenlernte"

Niki Lauda startete in der Formel 1 im Jahr 1971, einen Unfall auf dem Nürburgring 1976 überlebte der Österreicher. Nach seiner aktiven Karriere blieb er der Formel 1 treu.
Niki Lauda startete in der Formel 1 im Jahr 1971, einen Unfall auf dem Nürburgring 1976 überlebte der Österreicher. Nach seiner aktiven Karriere blieb er der Formel 1 treu.

Niki Lauda war ein Mann klarer Worte. Kuschelkurs kannte der Österreicher nicht. Nun ist Lauda gestorben.

svz.de von
21. Mai 2019, 18:05 Uhr

Wien | Aufgeben war für Niki Lauda nie eine Option. Trotz schwerer Verbrennungen und einer verätzten Lunge überstand die Formel-1-Legende am 1. August 1976 nur wie durch ein Wunder einen Horrorunfall auf dem Nürburgring. Im Krankenhaus gab dem Weltmeister ein Priester damals sogar schon die letzte Ölung. "Ich wollte aber nicht sterben, ich wollte weiterleben", betonte Lauda 40 Jahre nach dem Flammeninferno auf der Nordschleife.

Im Kreise seiner Familie

Von dem Unfall schwer gezeichnet kämpfte sich der Österreicher zurück ins Leben – und sogar wieder in ein Formel-1-Auto. Lauda leistete Widerstand, der streitlustige Mann mit der roten Mütze ließ sich einfach nicht unterkriegen. Nun ist Lauda am Montag im Alter von 70 Jahren im Kreise seiner Familie gestorben.

"In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unser geliebter Niki am Montag, den 20.05.2019 im Kreise seiner Familie friedlich entschlafen ist", teilte die Familie in einer E-Mail, die das Portal "Die Presse" veröffentlichte, in der Nacht auf Dienstag mit. "Seine einzigartigen Erfolge als Sportler und Unternehmer sind und bleiben unvergesslich. Sein unermüdlicher Tatendrang, seine Geradlinigkeit und sein Mut bleiben Vorbild und Maßstab für uns alle. Abseits der Öffentlichkeit war er ein liebevoller und fürsorgender Ehemann, Vater und Großvater. Er wird uns sehr fehlen."

"Mit ihm gelacht, geweint, gehofft und gelitten"

Lauda ist "im Kreise seiner engsten Familie in der Universitätsklinik in Zürich friedlich eingeschlafen". Das teilte die Familie Lauda am Dienstagvormittag in einem weiteren Statement mit, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete. "In den letzten zehn Monaten waren wir jede Minute an seiner Seite. Wir haben mit ihm gelacht, geweint, gehofft und gelitten, aber schlussendlich verließen Niki gestern seine Kräfte."

Für Mediziner Walter Klepetko vom Wiener Allgemeinen Krankenhaus kam der Tod Laudas nicht unerwartet. "Niki Lauda hat gekämpft. Er war ein toller Mann. Aber es war seit einiger Zeit klar, dass wir ihn nicht mehr auf die "Rennstrecke" zurück bringen können", sagte Klepetko gegenüber APA. "Es gibt keine Todesursache. Es war ein langer Prozess, an dessen Ende der Patient gegangen ist."

Man wird ihn immer mit dieser roten Kappe in Verbindung bringen, die seinen schwer vernarbten Kopf bedeckt hat. Man wird ihn auch immer mit diesem Unfall in der "Grünen Holle" in Verbindung bringen. Mit seinem Ferrari krachte Lauda mit über Tempo 200 gegen einen Fangzaun, der 312T2 ging in Flammen auf:

Nach 55 Sekunden wurde Nikolaus Andreas Lauda aus dem Wrack gezogen. "An den Unfall habe ich keine Erinnerung. Der Aufprall war so hart, dass mir dabei der Helm vom Kopf gerissen wurde", erinnerte er sich.

42 Tage nach Unfall wieder im Cockpit

Seine damalige Frau Marlene erzählte Lauda, dass die Ärzte damals nicht damit rechneten, dass er die erste Nacht überstehen würde. Sie irrten – Lauda kämpfte. Nur 42 Tage später saß er in Monza wieder im Rennwagen und wurde Vierter. "Wie kann der Depperte wieder fahren, wenn er gerade verbrannt ist?", fragte Lauda einmal stellvertretend für alle Kritiker und Zweifler. Die Erklärung lieferte er gleich hinterher. "Die schnelle Rückkehr gehörte zu meiner Strategie, nicht lange daheim zu sitzen und darüber nachzugrübeln, warum und wieso mir das Ganze widerfahren ist."

Nach 1975 wurde Lauda noch 1977 und 1984 Weltmeister. "Ich war ein unglaublicher Egoist damals", sagte er über seine Motorsportlaufbahn. Von 171 Grand Prix entschied der Sohn einer wohlhabenden Wiener Industriellenfamilie 25 für sich, 54 Mal raste er in der Formel 1 auf's Podium. 1985 beendete Lauda seine Karriere, sechs Jahre zuvor hatte er aber schon seine eigene Fluglinie Lauda Air gegründet.

Laudas schlimmstes Ereignis

Am 26. Mai 1991 ereignete sich erneut ein Unglück. In Thailand stürzte eine von Laudas Maschinen ab. Alle 223 Insassen der "Mozart" starben. Für Lauda war es das schlimmste Ereignis in seinem bewegten Leben. "Ich war tief erschüttert", erzählte er. Lauda fühlte sich schuldig. Erst nach mehreren Monaten wurde herausgefunden, dass es sich um einen technischen Defekt handelte.

Lauda stieg später vorübergehend wieder aus dem Airline-Geschäft aus. Zwischen 1993 und 1995 beriet er Ferrari, wurde TV-Experte für RTL – mit unverblümter Meinung – und dann Teamchef bei Jaguar.

Im September 2012 stieg Lauda zum Mercedes-Teamaufsichtsratschef auf und erlebte mit den Silberpfeil-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg ein Hoch, das seinesgleichen suchte. "Rote Kappe, klare und direkte Worte", benannte Motorsportchef Toto Wolff Schlagworte, die ihm zuerst zur Charakterisierung seines Landsmanns in den Sinn kamen.

Film über Lauda und Hunt

2013 verfilmte Hollywood-Regisseur Ron Howard die Rivalität aus den 70ern zwischen Lauda und dem Engländer James Hunt. "Rush" ist das Dokument einer vergessen geglaubten Zeit. "Wir haben am Limit gelebt", erzählte Lauda. Die damalige Generation konnte gar nicht anders, weil sie nicht gewusst habe, "wann unser Leben vorbei sein würde". Lauda mochte diesen Film:

Daniel Brühl und Chris Hemsworth spielten die Hauptrollen in 'Rush'. Foto: imago images/Prod.DB
imago images/Prod.DB
Daniel Brühl und Chris Hemsworth spielten die Hauptrollen in "Rush". Foto: imago images/Prod.DB

Die Sportwelt trauert um die Formel-1-Legende. Der Rennstall McLaren erinnert unter anderem an Lauda und bezeichnet ihn als "Freund" und "Kollegen":

Rennstall Ferrari spricht auf Twitter von einem "traurigen Tag. Er wird auf ewig in unseren Herzen und in denen der Fans bleiben.":

Daniel Brühl (Schauspieler, der Lauda im Film "Rush" dargestellt hatte): "Er war der mutigste Mann, den ich je kennengelernt habe, nicht nur als Formel 1-Pilot, sondern auch im Umgang mit den Menschen, immer ehrlich und direkt."

Nico Rosberg (Formel-1-Weltmeister 2016): "Ich habe soviel von dir gelernt. Deine Leidenschaft, dein Kampfgeist, niemals aufzugeben, dein Glaube daran, dass man sich immer zweimal im Leben begegnet, und selbst deine Geduld mit uns Youngsters. Ich und all die 100 Millionen Fans auf der ganzen Welt, die du ebenfalls stark inspiriert hast, in den härtesten Zeiten niemals aufzugeben, denken an dich und an deine Familie und wünschen, dass du in Frieden ruhst."


David Alaba (österreichischer Fußball-Nationalspieler vom FC Bayern München): „Sehr traurig zu hören, dass er so früh verstorben ist. Niki Lauda, Du warst die Definition von Sportlichkeit und Kampfgeist."

Arnold Schwarzenegger (Schauspieler und ehemaliger US-Gouverneur): "Niki war ein Champion. Er war eine Ikone. Er war ein österreichischer Schatz. Er war einer meiner liebsten Freunde. Ich werde diesen großzügigen, wegweisenden Helden von ganzem Herzen vermissen."

Jenson Button (Formel-1-Weltmeister 2009): "Eine Legende hat uns verlassen."

Hans Sarpei, seines Zeichens ehemaliger Fußball-Profi (u.a. bei Bayer Leverkusen und Schalke 04) ist sich sicher: "Jetzt drehst du im Himmel deine Runden."

Laudas Landsmann und Skifahrer Hannes Reichelt postete ein gemeinsames Foto auf Instagram. "Es war mir eine Ehre, dich kennengelernt zu haben", schreibt der Wintersportler:


Die Formel 1 wird Lauda "für immer in unseren Herzen" tragen. "Die Motorsport-Gemeinde trauert heute um den verheerenden Verlust einer wahren Legende":

Formel-1-Experte Kai Ebel (RTL) trauert um einen langen Wegbegleiter:

Auch Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz trauert um den ehemaligen Formel-1-Weltmeister. "Niki, du wirst uns fehlen", schrieb Kurz auf Twitter. Dabei spricht er von einer "herausragenden Persönlichkeit":

Niki Lauda war ein wahres Stehaufmännchen. Nach Rückschlägen feierte er in aller Regelmäßigkeit Comebacks, ließ sich nicht unterkriegen. Neben seiner sportlichen Leistung verstand sich der Österreicher als erfolgreicher Geschäftsmann, der mit seiner Meinung nie hinterm Berg hielt – seine Leben in Bildern:


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