Legendärer Kampf gegen Ali : Deutscher Boxsport trauert um früheren Champion Karl Mildenberger

Karl Mildenberger wurde 80 Jahre alt. Foto: Werner Baum/dpa
Karl Mildenberger wurde 80 Jahre alt. Foto: Werner Baum/dpa

"Mit dem Kampf gegen Ali hat er sich einen Platz in der Box-Geschichte gesichert": Mildenberger wurde 80 Jahre alt.

svz.de von
06. Oktober 2018, 12:30 Uhr

Kaiserslautern | Der Bund deutscher Berufsboxer (BdB) hat mit Bestürzung auf den Tod des früheren Europameisters Karl Mildenberger reagiert. "Das ist sehr traurig. Ein Großer ist gegangen. Mit dem Kampf gegen Ali hat er sich einen Platz in der Box-Geschichte gesichert", sagte BdB-Präsident Thomas Pütz der Deutschen Presse-Agentur und bestätigte damit Berichte mehrerer Zeitungen über den Tod des 80-Jährigen.

Mildenberger starb am Freitag in seiner Heimatstadt Kaiserslautern. Damit verlor das deutsche Boxen innerhalb von nur einer Woche eine weitere Legende. Erst am Montag war der ehemalige Weltmeister Graciano Rocchigiani bei einem Verkehrsunfall auf Sizilien ums Leben gekommen.

1966 forderte Mildenberger Muhammad Ali heraus

In seinem berühmtesten Kampf forderte Mildenberger am 10. September 1966 die Box-Legende Muhammad Ali heraus – und verlor nach einer herausragenden Leistung im Frankfurter Waldstadion erst in der 12. Runde durch einen Abbruch des Ringrichters. Wer Karl Mildenberger sagt, denkt an Muhammad Ali und diesen einen Kampf. "Wohl selten wurde ein k.o.-geschlagener Boxer im Triumphzug auf den Schultern aus dem Ring getragen", schrieb die "Frankfurter Neue Presse" damals und attestierte dem deutschen Außenseiter eine "Bravourleistung".

Mildenberger starb am Freitag in einem Hospiz. Nach Informationen der FNP war er nach einer Knie-Operation auf einen Rollstuhl angewiesen. Erst im November 2017 hatte er seinen 80. Geburtstag gefeiert. Er habe einen Platz in den Herzen der Boxer sicher, würdigte Pütz damals den früheren Schwergewichts-Boxer und erinnerte an den Ali-Kampf.

Dass der Lauterer dem übermächtigen Ali bis in die zwölfte Runde der damals noch über 15 Runden ausgetragenen Titelkämpfe Paroli bot, hatte die Fachwelt überrascht. Experten sagten einen K.o.-Sieg des Weltmeisters in den ersten drei Runden voraus. Was Ali aber nicht mochte: Mildenberger war Rechtsausleger. Damit hatte er Probleme.

Eine Szene aus dem Kampf um die WM im Schwergewicht zwischen Karl Mildenberger (r) und Muhammad Ali. Foto: Willi Gutberlet/dpa
Willi Gutberlet/dpa
Eine Szene aus dem Kampf um die WM im Schwergewicht zwischen Karl Mildenberger (r) und Muhammad Ali. Foto: Willi Gutberlet/dpa

Mildenberger setzte mehrere Treffer, gewann zwei Runden, konnte dem Druck letztlich aber nicht standhalten. Ali adelte den Deutschen und meinte, er sei "der zweitschnellste Schwergewichtler der Welt und der am besten aussehende weiße Boxer". Wer der Schnellste und Schönste war, stand für Ali natürlich außer Frage. Es sei sein "schwerster Kampf seit dem Titelgewinn gegen Sonny Liston" gewesen, meinte er. Am Ring saßen in Frankfurt unter anderem Ex-Weltmeister Max Schmeling sowie die Schauspieler Jean-Paul Belmondo und Ursula Andress.

Europameister im Schwergewicht

War Mildenberger Jahre zuvor wegen einer Erstrunden-Niederlage gegen den Briten Dick Richardson als "Karl der Flache" verspottet worden, so stieg er nach dem Kampf gegen Ali in den Zeitungen zu "Karl der Große" auf. "Ich bin stolz darauf, mit Muhammad Ali im Ring gestanden zu haben. Das war die Krönung meines Lebens", sagte Mildenberger.

Der Pfälzer war aber nicht nur Ali-Gegner. Er hatte sich 1964 den Europameistertitel im Schwergewicht erkämpft. 1967 setzte er sich sogar an die Spitze der Weltrangliste. Er bestritt 62 Profi-Kämpfe, von denen er 53 gewann und sechs verlor. Drei Kämpfe endeten unentschieden. 1968 trat er mit 31 Jahren zurück. Sein Weggefährte Jürgen Blin aus Hamburg, später ebenfalls Europameister, meinte über Mildenberger: "Der Mann war eine Granate."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen