Langjähriger Wegbegleiter : Florian Königs Abschied von Niki Lauda: "Solche Leute findet man viel zu selten"

RTL-Moderator Florian König arbeitete mehr als 20 Jahre mit Niki Lauda zusammen.
RTL-Moderator Florian König arbeitete mehr als 20 Jahre mit Niki Lauda zusammen.

Mehr als 22 Jahre standen Florian König und Niki Lauda gemeinsam für RTL bei Formel-1-Rennen vor der Kamera.

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21. Mai 2019, 19:27 Uhr

Köln | Noch vor wenigen Wochen äußerte sich RTL-Moderator Florian König im svz.de-Interview zu einem möglichen Comeback von Niki Lauda. Damals zeigte sich König optimistisch, glaubte daran, dass der Österreicher bald wieder in der Formel 1 zu sehen sein wird. Doch am Montagabend starb Lauda im Alter von 70 Jahren in Zürich.

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Mehr als 20 Jahre begleiteten er und König Seite an Seite die Rennen der Königsklasse des Motorsports. Während die Welt um die Formel-1-Legende trauert, wird Florian König die knapp vierstündige Sondersendung "Servus, Niki! Abschied von einer Legende" moderieren, in der RTL ab 20:15 Uhr Abschied von seinem langjährigen Kollegen nimmt.

Florian König erinnert sich an gemeinsame Zeit mit Niki Lauda

Im RTL-Interview äußerte sich König vor der Sendung ausführlich zum Tode seines langjährigen Moderationskollegen und sprach über die gemeinsame Arbeit, ihr Verhältnis und an welche Momente mit dem Österreicher er sich erinnern wird. Im Folgenden die wichtigsten Aussagen des von RTL am Abend bereitgestellten Interviews im Wortlaut:

Florian König und Niki Lauda im Jahr 2002. Foto: imago images / Weckelmann
imago images / Weckelmann
Florian König und Niki Lauda im Jahr 2002. Foto: imago images / Weckelmann

Florian König, wann und wie haben Sie vom Tod Niki Laudas erfahren?

Wie die meisten Menschen wahrscheinlich heute Morgen durch die Nachrichten. Ich bin aufgestanden, habe das Handy angemacht und es quoll über von WhatsApp-Nachrichten, Telefonanrufen und Social-Media-Posts. Es war ein Schock, aber nach der ganzen Krankheitsgeschichte hatte ich im Hinterkopf natürlich schon mal durchgespielt, dass er diesen Kampf nicht gewinnt. Leider Gottes war es jetzt so.

Von 1995 bis 2017 sind Sie und Niki Lauda Kollegen gewesen. Wie war Ihr Verhältnis?

Unser Verhältnis war sehr, sehr vertrauensvoll, offen und ehrlich. Niki ist ja so ein Typ, der ohne Umwege, ohne Zwischentöne, klar heraus, immer geradeaus aufs Tor zumarschierend auch Beziehungen pflegt. Ich war am Anfang natürlich ziemlich nervös, den großen Niki Lauda kennenzulernen, ich war noch völlig unbeleckt in der Formel 1.

Und da kam die Legende um die Ecke und sagte, "Servus, ich bin der Niki und wer bist du?“. Ab dem Moment war es eigentlich sehr einfach.

Wir haben so einen Modus Operandi gehabt: ich stelle die Fragen, er ist der Experte, er weiß alles und antwortet auf alles. Ich habe nie versucht, ihm irgendwie die Show zu stehlen oder selbst mein wachsendes Formel-1-Wissen vor mir herzutragen. Und insofern haben wir sehr, sehr angenehm miteinander gearbeitet.

Auf Außenstehende konnte Niki Lauda manchmal etwas schroff und unnahbar wirken. Wie haben Sie ihn auf der professionellen Ebene erlebt?

Er war völlig unkompliziert im Umgang, ist immer ans Telefon gegangen. Da musste man keinen Umweg über irgendein Vorzimmer nehmen, sondern das ging alles immer direkt übers Handy. Selbst wenn er im Cockpit seiner Privatmaschine saß, war er empfangsbereit: "Du, ich starte gleich. Sag schnell, ich hab keine Zeit“. Alles war easy, er brauchte keine Fragen vorab, also ein absoluter Traum für einen Moderator. Einer, der undiplomatisch und klar direkt seine Meinung sagt, auch wenn sie unbequem ist. Solche Leute findet man leider viel zu selten.

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Lauda selbst hat ja mal von sich behauptet, er habe keine Freunde. Würden Sie sich dennoch als eine Art Freund bezeichnen?

Weil er das so gesagt hat, bin ich natürlich auch kein Freund, aber wir haben schon über den Job hinaus eine sehr gute private Verbindung gehabt. Wenn ich in Wien war, habe ich ihn besucht, wir waren zusammen essen. Er hat mich sogar zum Essen eingeladen, was ja so ziemlich der größte Liebesbeweis von Niki Lauda ist, denn er hatte einen riesengroßen Igel in der Tasche und war nicht dafür bekannt, dass er gerne Geld ausgab. Bis zuletzt haben wir immer viel geschrieben und uns ausgetauscht. Wir haben auch nach seiner Lungentransplantation noch ein paar Mal telefoniert, aber natürlich habe ich gemerkt, dass ihn das Sprechen eine Zeit lang angestrengt hat.

Wo konnte Niki Lauda Sie auf Ihrem Weg inspirieren?

Natürlich hatte er auf mich beruflich einen Rieseneinfluss gehabt. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass er mich auch getragen hat. Gerade am Anfang, als ich ein junger, unerfahrener Moderator war, wusste ich, dass mir mit dem an meiner Seite erstmal nix passiert. Aber viel beeindruckender finde ich, wie er mit seinem persönlichen Leben und all diesen Schicksalsschlägen umgegangen ist. Mit seinem Feuerunfall, mit der Nierentransplantation, mit dem Absturz seiner LaudaAir-Maschine, den vielen, vielen Toten und jetzt zuletzt auch mit der Lungentransplantation. Nie war er weinerlich und klagte "warum ausgerechnet ich?“.

Stattdessen ging er in die klare Analyse: Das und das ist das Problem. Was machen wir? Wer ist der beste Arzt. Was ist dann der nächste Schritt usw. So hat er das in seinem Formel-1-Leben gehalten und so hat er das auch privat durchgezogen.

Das klang manchmal, wenn man ihn nicht gut kannte, hart und brutal, aber ich fand es unheimlich pragmatisch und faszinierend. Die Nase in den Wind und geradeaus in Richtung Sturm marschieren – Niki ging mit einer wahnsinnigen Härte gegen sich selbst vor und war dabei immer optimistisch.

Gibt es einen speziellen Moment, an den Sie besonders zurückdenken?

Keinen, den ich jetzt auf eine Begebenheit zurückführen könnte. Es waren mehr so die Begegnungen auf Augenhöhe, auf menschlicher Ebene: Espresso Macchiato trinken, zusammen das freie Training schauen und Blödsinn reden. Mit Niki konnte man ja auch unglaublich viel Quatsch machen. Er hatte einen wahnsinnigen Spaß, einen reinzulegen. "Den ham wa g’zupft", sagt er dann und lachte wie ein kleiner Bub. Diese normalen Begebenheiten fand ich eigentlich viel eindrucksvoller für mich als die großen emotionalen Momente.

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