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Olympische Spiele : 1000 Tage bis Olympia 2020 in Tokio

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2020 ist in Japan in aller Munde. Nach einem verkorksten Start gehen die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele in Tokio voran. Die «aufregendste Spiele aller Zeiten» versprechen die Organisatoren. Doch bis es in 1000 Tagen los geht, gibt es noch Herausforderungen.

svz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 16:52 Uhr

Bei vielen japanischen Wirtschaftsführern dürfte ein Gefühl von Nostalgie mitschwingen, wenn die Olympischen Spiele in 1000 Tagen nach Tokio zurückkehren.

Das mag auch die enorme Summe an Sponsorengeldern in Höhe von 300 Milliarden Yen (2,2 Mrd Euro) erklären, die die Wirtschaft für 2020 aufbringt, weitaus mehr als bei früheren Olympischen Spielen und drei Mal mehr als anfangs erwartet.

Die Olympischen Sommerspiele in Tokio 1964 signalisierten die Wiederauferstehung Japans als Industrienation nach den Verwüstungen des Zweiten Weltkrieges. Für Japan war es eine Zeitenwende. Viele der heutigen Wirtschaftslenker der inzwischen drittgrößten Volkswirtschaft der Welt erlebten damals als Kinder mit, wie der berühmte Shinkansen am 1. Oktober 1964 rechtzeitig zu den Spielen die Ära der Hochgeschwindigkeitszüge einläutete. Wie moderne Autobahnen aus dem Boden schossen, westliche Toiletten aufkamen und die Eröffnungsfeier und Schlusszeremonie der Spiele in Farbe übertragen wurden - Alles Symbole für Japans Wirtschaftswunder.

Mit Olympia 2020 werden in Japan denn auch fast naiv hohe Erwartungen an einen Effekt wie 1964 geknüpft. Vor allem die gegen scharfe Konkurrenz aus Südkorea und China kämpfenden Elektronikriesen hoffen, Japans Ruf als Hightech-Nation wiederherzustellen - auch wenn die guten alten Zeiten für Sony & Co kaum wiederkommen dürften. Ob Brennstoffzellen-Fahrzeuge, Roboter, die Erfrischungsgetränke bedienen oder Hightech-Befeuchtungsanlagen gegen Tokios extrem schwüle Sommerhitze - Japans Elektronik-Konzerne scheuen keine Kosten, um die Spiele für eine Marketing-Kampagne zu nutzen.

Es sollen die «aufregendsten Spiele aller Zeiten» werden, versprechen die Organisatoren. Mehr als 10 Millionen Besucher aus aller Welt werden erwartet. Schätzungen zufolge wird Tokio zum Olympia-Jahr mit rund 25 000 zusätzlichen Hotelzimmern aufwarten, rund 26 Prozent mehr als 2016. Nicht nur inländische Hotelbetreiber, sondern auch ausländische wollen von der wachsenden Nachfrage profitieren, zumal das Inselreich schon jetzt einen Touristenboom erlebt.

Bis es in 1000 Tagen los geht, gibt es noch andere Herausforderungen. Zum Beispiel die Kosten. Seit Tokio den Zuschlag für 2020 erhielt, haben sich die Schätzungen verdoppelt: Anfangs lagen sie bei 730 Milliarden Yen, derzeit liegen sie bei rund 1,4 Billionen Yen (rund 10,5 Milliarden Euro). Zwar wurden unter anderem durch Nutzung bestehender Anlagen die Kosten teils gesenkt, doch hält das Internationale Olympische Komitee (IOC) weitere Kürzungen für nötig.

Wegen der stark gestiegenen Kosten musste auch der Plan für das neue Nationalstadion überarbeitet werden. Inzwischen geht der Bau emsig voran. Doch Geld ist nicht das einzige Problem der Organisatoren: Nach Plagiatsvorwürfen musste ein neues Logo gewählt werden.

Kopfschmerzen bereitete auch der Streit um den Umzug des weltberühmten Tokioter Fischmarkts Tsukiji, wodurch die Baupläne für die geplante Ringstraße 2, der Hauptverkehrsader zwischen dem Olympischen Dorf und den Austragungsorten, durcheinander gerieten.

Gesundheitssorgen kamen auf, als kürzlich bei Wasserproben am Austragungsort für die Triathlon-Wettbewerbe im Odaiba Marine Park von Tokio E.Coli-Bakterien in einer Konzentration vom bis zum 20-Fachem des erlaubten Wertes gemessen wurden. Die Stadtverwaltung führte dies auf Rekordregenfälle zurück. Sport-Direktor Koji Murofushi versicherte jedoch, dass Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität ergriffen würden, eine Verlegung sei nicht nötig.

Um die extreme Sommerhitze für die Sportler und Besucher etwas erträglicher zu machen, wird erwogen, die Straße für die Marathon-, Geh- und Rad-Wettbewerbe mit einer speziellen Beschichtung zu versehen, die die Temperatur der Straßenoberfläche senkt.

Er sehe die weiteren Aussichten «sehr positiv», auch wenn es noch Herausforderungen gebe, sagte Cheforganisator Toshiro Muto. Auf die Frage nach dem Schutz vor möglichen Erdbeben und Tsunami vor oder während der Spiele erklärte er, Japans Hauptstadt gehöre zu den Städten der Welt, die am besten auf Katastrophen vorbereitet seien.

Im März 2011 war der Nordosten von einem verheerenden Erdbeben und einem gewaltigen Tsunami heimgesucht worden, in dessen Folge es in dem 240 Kilometer von Tokio entfernten Atomkraftwerk Fukushima zu Kernschmelzen kam. Um zur wirtschaftlichen Wiederbelebung der Region beizutragen, werden die Auftaktspiele des Olympia-Gastgebers Japan im Baseball und Softball 2020 in der Provinz Fukushima stattfinden.

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