Volleyball-Damen : Unglaubliche Sehnsucht nach Olympia

Bundestrainer  Felix Koslowski (r.) steht mit der DVV-Auswahl ein hartes Turnier für ein Olympia-Ticket bevor.
Bundestrainer Felix Koslowski (r.) steht mit der DVV-Auswahl ein hartes Turnier für ein Olympia-Ticket bevor.

Nach 16 Jahren wollen sich deutsche Volleyballerinnen wieder für Olympia qualifizieren. In Apeldoorn kämpft die Mannschaft von Felix Koslowski gegen sieben andere Teams um das letzte Ticket für Tokio. Für den Bundestrainer ist Eile geboten - auch privat.

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06. Januar 2020, 12:00 Uhr

Felix Koslowski und seine Frau sind ein eingespieltes Team. So bezeichnet es der Bundestrainer der Volleyballerinnen. Drei Kinder hat das Paar schon, das vierte ist fast da. Bisher sei er bei der Geburt immer dabei gewesen, erzählte der mit 35 Jahren immer noch junge Trainer. „Sehr gern“ wolle er seiner Frau wieder beistehen. Dem Paar könnte aber die Olympia-Qualifikation dazwischenkommen.

Nur der Gewinner darf nach Japan reisen

Während die deutschen Männer in Berlin um das letzte Ticket für Tokio kämpfen, bestreiten die Frauen ihre Knallhart-Partien in Apeldoorn in Holland. Auch für Koslowskis Mannschaft gilt: Nur der Gewinner des Achterturniers darf nach Japan reisen.

Letztmals spielten deutsche Volleyballerinnen 2004 beim größten Sportereignis der Welt. „Jede hat die unglaubliche Sehnsucht“, Olympia zu erleben, erzählte der Vereinstrainer des SSC vor dem Auftakt morgen gegen den EM-Zweiten Türkei um Koslowskis früheren Lehrmeister und Bundestrainer Giovanni Guidetti. „Olympia in Tokio ist unser größter Traum“, beteuert auch Zuspielerin und Käpt’n Denise Hanke.

Fünf Partien in sechs Tagen warten im Idealfall

Nach der Türkei stehen Kräftemessen mit Belgien und Kroatien an. „Die Türkei wird nicht unser Do-or-Die-Spiel, Kroatien und Belgien werden es“, meinte der Bundestrainer über die wegweisenden Partien der Vorrunde. „Wenn man es ins Halbfinale schafft, und das ist unser Ziel, dann hat jede Mannschaft die Chance, die Olympia-Qualifikation zu schaffen“, sagte Koslowski weiter. Der niederländische Olympia-Vierte von 2016 sei „wahrscheinlich Topfavorit, dann kommt die Türkei, danach vier oder fünf Teams, die auf sehr gutem, sehr hohem Niveau spielen.“

Koslowski zählt seine Mannschaft dazu, die im Angriff auf die überragende China-Legionärin Louisa Lippmann sowie Jennifer Geerties – beide bekanntlich einst für den SSC am Netz – und Hanna Orthmann setzt. Die Außenangreiferin aus Monza hatte bei der EM 2019 verletzt gefehlt. Dennoch stürmten die Deutschen mit sechs Siegen in Folge – unter anderem gegen Großmacht Russland – ins Viertelfinale. Erst dort war gegen Co-Gastgeber Polen (2:3) Endstation. Können Lippmann & Co. eine Leistung wie gegen Russland abrufen, ist Tokio greifbar.

Koslowski kennt den Druck einer Olympia-Quali

Vor vier Jahren hatte er erst kurz vor dem Turnier in Ankara zusammen mit Andreas Vollmer die Nachfolge des beurlaubten Luciano Pedulla angetreten. Trotz zweier Vorrundensiege verpasste das DVV-Team aber den Sprung ins Halbfinale und zu Olympia in Rio.

„Ich bin viel ruhiger, damals war sehr viel Hektik“, erinnerte sich Koslowski. Diesmal kann er es kontrollierter angehen. Gestern legte er sich auf seinen endgültigen 14er-Kader fest, strich Mittelblockerin Lea Ambrosius (19) und Außenangreiferin Nele Barber (25) vom SSC aus dem Aufgebot. „Beide sind noch jung und werden ihre Chance bekommen. In Apeldoorn sind wir fast mit dem gesamten Team dabei, das auch die EM gespielt hat“, erklärte Koslowski.

Olympia-Quali

Der Weg  zum Olympia-Ticket im Volleyball führt über Qualifikationsturniere. Eine Übersicht über die Turniere seit 1996:

BREMEN 1996 Erstmals findet ein Quali-Turnier in Deutschland statt. Die Niederlande (3:0) und Kroatien (3:0) sind kein Problem für die Truppe von Bundestrainer Siegfried Köhler. Im letzten Gruppenspiel unterliegen die bereits fürs Endspiel qualifizierten DVV-Frauen Russland mit 0:3. Tags darauf gelingt erneut gegen Russland (3:2) die sensationelle Qualifikation. In Atlanta wird das DVV-Team Achter.

BREMEN 2000 Die Mannschaft von Bundestrainer Hee Wan Lee sichert sich mit Erfolgen gegen die Ukraine (3:0), Rumänien (3:0), die Niederlande (3:0) und Kroatien (3:2) die Reise nach Sydney. Die DVV-Frauen können sich am Ende sogar eine Niederlage gegen Italien (1:3) leisten. Rang sechs springt bei Olympia  heraus.

BAKU 2004 Dem Auftakt-3:0 über Gastgeber Aserbaidshan folgt ein 2:3 gegen Polen. Das 3:2 gegen Russland ebnet den Weg ins Halbfinale, wo ein grandioses 3:2 nach 0:2-Satzrückstand gegen Italien glückt. Ein imponierendes 3:0 im Finale über die Türkei sichert Lees Team den Sprung nach Athen, wo es auf Rang neun kommt.

HALLE/W. 2008 Giovanni Guidettis Team startet mit einem 3:0 gegen die Türkei ins Turnier. Trotz Niederlagen gegen Polen (2:3) und die Niederlande (1:3) gelingt der Einzug ins Halbfinale. Die Russinnen zerstören dann mit einem 3:0 alle deutschen Hoffnungen auf Peking.

ANKARA 2012 Mit 3:0-Siegen gegen Kroatien   und Bulgarien sowie einem 1:3 gegen die Türkei glückt Guidettis Team der Sprung ins Halbfinale. Die Hürde Polen (1:3) ist dann zu hoch.

ANKARA 2016 Diesmal steht Felix Koslowski an der Seitenlinie – der Sprung ins Halbfinale gelingt aber trotz eines 3:2 gegen den EM-Zweiten Niederlande und eines 3:0 gegen Kroatien nicht. Ein 1:3 gegen Gastgeber Türkei kostet Deutschland die Olympia-Teilnahme.

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