Volleyball - SSC : Scharfer Blick, flinke Hände

Michael Döring an seinem Arbeitsplatz als Scout während der Spiele
Michael Döring an seinem Arbeitsplatz als Scout während der Spiele

Michael Döring dokumentiert als Volleyball-Scout für den SSC jeden einzelnen Zug eines Spiels

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13. Januar 2016, 12:00 Uhr

Wenn am Ende eines Volleyball-Matches die Trainer entscheiden, welche Spielerin des Gegners die Tagesbeste war, ist häufig der Blick auf ein Blatt voller Zahlen der entscheidende Faktor: „Die meisten haben zwar ein Gefühl dafür, wer auf der anderen Seite gut war, sichern sich mit der Statistik des Match Reports aber noch einmal ab“, erklärt Michael Döring.

Der Co-Trainer des Schweriner SC ist als Scout für eben jene Statistik verantwortlich, in der festgehalten wird: Wer hat die meisten Punkte gemacht? Wer zeigte die effizienteste Annahme? Wer beherrschte den Block am besten? Über das gesamte Spiel muss Döring dafür jeden Zug, jeden Ball, jeden Punkt, jeden Fehler per Nummern- und Buchstabencodes notieren und in ein Programm eingeben, das zum Schluss besagtes Blatt voller Zahlen ausspuckt.

Wie geht das bei einem Spiel, von dem es heißt: Das ist wie Schach mit 120 km/h? „Erfahrungssache“, sagt Michael Döring schlicht. „Letztlich sind alle Spiele relativ ähnlich, da bekommt man einfach einen Blick dafür. Man muss nur einen Platz haben, von dem aus man alles sehen kann.“

Der Athletiktrainer scoutet seit 2004. Anfangs tippte er seine Beobachtungen in Excel-Tabellen ein, rechnete in Spielpausen aus, wie das Team stand. Jetzt übernimmt das eine Software, übermittelt SSC-Chefcoach Felix Koslowski live aufs Tablet alles, was der über seine Mädels oder die Stärken und Schwächen des Gegners wissen will, um die nächsten Züge zu planen.

Trotzdem: Nur gute Technik macht noch keinen guten Scout. „Halbwegs den Computer beherrschen ist wichtig, und natürlich muss man sich konzentrieren, nebenbei quatschen geht nicht.“

Das, was für den Zuschauer das Spiel ausmacht, geht am Scout allerdings vorüber: „Von Emotionen und Spannung kriegt man wenig mit. Man ist wie im Tunnel, arbeitet die Aktionen ab, bewertet sie nach vorgegebenen Kriterien. Alles andere ist außen vor.“

Wär aber nicht schlimm, jedenfalls nicht für ihn, meint Döring, „wenn man so viele Spiele gesehen hat wie ich, wird es eh erst nach dem zweiten Satz interessant. So habe ich eine Aufgabe und bin beschäftigt.“

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