Volleyball : Multi-Kulti-Weihnachten beim SSC

Sportliche Weihnachtgrüße: Diese Collage verschickte der SSC an Freunde, Förderer und Sponsoren.
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Sportliche Weihnachtgrüße: Diese Collage verschickte der SSC an Freunde, Förderer und Sponsoren.

Volleyballerinnen können erstmals seit Jahren das Fest der Feste in Ruhe zu Hause bei ihren Familien begehen und feiern traditionell

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23. Dezember 2013, 12:00 Uhr

Das gab es schon lange nicht mehr: Die Bundesliga-Volleyballerinnen haben über den Jahreswechsel eine dreiwöchige Pflichtspielpause. Anders als in der Vergangenheit, wo „zwischen den Jahren“ zumeist Liga- und Pokal-Verpflichtungen warteten, können die Spielerinnen des Schweriner SC diesmal vier Tage lang bei ihren Familien verbringen, bevor es am 2. Weihnachtstag ab ins schweizerische Basel geht zum dreitägigen internationalen Turnier „Top Volley International“. Der SSC trifft dort am 27. auf den russischen Vertreter Dinamo Krasnodar und tags darauf auf Volero Zürich. In der Parallelgruppe treten RC Cannes, eine Auswahl der besten Schweizer Volleyballspielerinnen als „Team Suisse“ sowie der Banana Boat Praia Clube aus Brasilien an.

Vorher aber können die Spielerinnen die Beine hochlegen. Am Sonnabendvormittag war die letzte Trainingseinheit in der heimischen Halle für dieses Jahr angesetzt, danach zerstreuten sich die Mannschaftsmitglieder, die immerhin aus acht verschiedenen Nationen stammen, in alle Winde.

„Ich freue mich schon total auf Weihnachten!“ sagte Außenangreiferin Pauliina Vilponen vergangene Woche. Samstagabend ist sie zusammen mit Mittelblockerin Laura Pihlajamäki nach Finnland geflogen, wo sich ihre Wege trennten. Beide verbringen die Feiertage bei ihren Eltern zu Hause. Pauliina meint, dass das finnische Weihnachtsfest im Prinzip genauso wie in Deutschland gefeiert wird: „Es ist sehr traditionell. Am 24. gehe ich mit meiner Familie in die Kirche. Mittags essen wir jedes Jahr Milchreis und abends gibt es einen großen Schinken und verschiedene Aufläufe. Unser Weihnachtsbaum ist bestimmt vier Meter groß! Die Decke in unserem Wohnzimmer ist so hoch, daher passt er da rein.“ Pauliina besucht am 24. tagsüber ihre Großeltern, abends ist sie zu Hause. „Und am 25. sind wir alle zu Hause und machen gar nichts, sondern genießen einfach nur, alle zusammen zu sein.“

Ähnlich sehen der Ablauf und vor allem auch der Speiseplan bei Laura Pihlajamäki aus, die die Festtage vor allem nutzen will, um die letzten Reste ihrer hartnäckigen Erkältung loszuwerden.


Ivana Isailovic könnte gleich zweimal feiern


Eine ähnlich weite Reise hatte Ivana Isailovic vor sich. Die serbische Mittelblockerin war „schon über neun Monate nicht zu Hause. Den ganzen Sommer war ich mit der Nationalmannschaft unterwegs, und nach der Europameisterschaft ging es sofort nach Schwerin.“ Anders als für ihre Mannschaftskameradinnen haben die kommenden Tage für sie keine so immense Bedeutung: „Wir gehören der serbischen orthodoxen Kirche an. Unser Weihnachten ist erst am 7. Januar.“ Dennoch freut sich die noch 27-Jährige, die am 1. Januar Geburtstag hat, auf das Wiedersehen mit Familie, Freunden und Bekannten. „Meine Mutter ist eine sehr gute Köchin, ich liebe ihr Essen. Und ich werde ganz bestimmt viel mit meinen Freunden unterwegs sein.“

Die Familie der slowakischen Mittelblockerin Veronika Hroncekova tischt zu Weihnachten traditionell Kohlsuppe und Kartoffelsalat auf. „Dazu gibt es eigentlich Fisch, aber wer das nicht mag, kann auch Fleisch essen“, erklärt die 23-Jährige. Für sie ist Weihnachten ganz etwas ganz Besonderes. „Ich bin seit Jahren zum Fest nicht mehr zu Hause gewesen. Weihnachten ist die einzige Zeit im Jahr, in der ich Zeit mit meiner Familie verbringen kann.“ Sie wird allerdings nicht am 26. mit nach Basel fahren, denn für sie ist die Pflichtspielpause deutlich kürzer. Noch bis zum 5. Januar tritt sie mit der slowakischen Nationalmannschaft in der Weltmeisterschafts-Qualifikation an.

Für Co-Trainer Davide Carli geht es in die italienische Heimat. „Ich freue mich schon sehr auf Venedig, ich war seit zwei Jahren nicht mehr da. Den Sommer über bin ich mit der Nationalmannschaft unterwegs, und die letzten Jahre hatten wir über Weihnachten und Neujahr immer Spiele mit dem Verein. Vier Tage sind zwar etwas wenig, aber ich werde das schöne Wetter an der Adria genießen, viel bei meiner Familie sein und noch mehr mit meinen Freunden unternehmen.“

Außenangreiferin Carina Aulenbrock hat es nicht ganz so weit nach Hause. Bei gutem Wetter und freier Autobahn sind es rund drei Stunden Fahrt bis nach Bad Laer bei Osnabrück. „Ich habe noch nicht alle Geschenke. Zwar schon ein paar, aber nicht alle!“

Die aus Schwedt stammende Zuspielerin Denise Imoudu freut sich dieses Jahr noch mehr auf das Fest als früher: „Seit ich in Schwerin bin, verbringe ich weniger Zeit mit meiner Familie als sonst. Das vermisse ich schon. Jetzt sehe ich alle wieder.“ Auch ihren kleinen Bruder. „Mein kleiner Bruder ist Schwimmer und geht auf die Sportschule in Potsdam, den sehe ich Weihnachten endlich wieder.“


Festessen: Raclette oder Ente mit Rotkohl und Klößen


Familie ist auch für die dauerverletzte Mittelblockerin Anja Brandt und Libero Janine Völker in diesen Tagen das beherrschende Thema. „Bei uns gibt es Heiligabend traditionell Raclette“, erzählt die Elmshornerin Brandt. Und die Parchimerin Völker freut sich, den Abend im Familienkreis mit gutem Essen („Am 1. Weihnachtstag gibt es Ente mit Klößen und Rotkohl.“), Spielen und natürlich viel Erzählen zu verbringen.

Klöße spielen auch für den aus Suhl stammenden Athletik-Trainer Michael Döring, der über Weihnachten Skifahren will, eine wichtige Rolle: „Die Thüringer Klöße von meiner Mutter sind einfach klasse. Und wenn ich wieder nach Schwerin fahre, habe ich einen Jahresvorrat Thüringer Rostbratwurst im Gepäck!“

Und was macht der Chef? „In Italien waren wir mal an Heiligabend mit dem Trainerteam in der Pizzeria, und in Suhl gab es das Weihnachtsessen auch schon mal aus dem Schnellrestaurant. Aber diesmal kann ich Weihnachten wieder bei meinen Großeltern verbringen. Ich war so viele Jahre zum Fest nicht zu Hause“,verrät Trainer Felix Koslowski. „Aber erst einmal muss ich noch Geschenke kaufen…“


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