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Volleyball: Deutschland - Türkei : Guru gegen kleiner Bruder

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Aus der Onlineredaktion

Das Volleyball-Länderspiel Deutschland - Türkei führt mit den Trainern Koslowski und Guidetti zwei alte Freunde zusammen

svz.de von
erstellt am 01.Sep.2017 | 12:00 Uhr

Wenn heute Abend um 19 Uhr in der Schweriner Palmberg-Arena die deutschen Volleyballdamen zum Länderspiel gegen die türkische Nationalmannschaft antreten, stehen sich im Trainerrang auch zwei gute alte Bekannte gegenüber: Bundestrainer Felix Koslowski hat fast zehn Jahre bei Giovanni Guidetti gelernt, als der heutige Chefcoach der Türkinnen noch die deutsche Auswahl zu Erfolgen führte. Was sie noch heute verbindet, erzählen sie im Doppelinterview.

Felix Koslowski, Giovanni Guidetti – was schätzen Sie aneinander?
Koslowski: Giovanni ist ein sehr besonderer Mensch mit einer unglaublichen Ausstrahlung, ich hege einen riesengroßen Respekt für ihn. Er ist der beste, kompletteste Trainer, den ich kenne, weil er alles – das Sportliche wie das Menschliche – in Perfektion macht. Er ist praktisch mein Guru.
Guidetti: Felix ist vor allem ein sehr vertrauenswürdiger Freund, sogar mehr als das, eher wie der kleine Bruder, den ich nie hatte. Er hat ein wirklich sehr großes Herz, will als Trainer immer besser werden und neue Dinge ausprobieren. Ich verfolge seine Arbeit natürlich, er macht da einen tollen Job, das Team entwickelt sich hervorragend.

Können Sie da einander als Trainer in Ihrer Taktik noch überraschen?
Koslowski: Die Frage ist, wie sehr man sich angesichts der Tiefenanalysen und detaillierten Spielerprofile, die man heute im Volleyball hat, überhaupt noch groß überraschen kann, und bei uns beiden wird das sicher noch schwerer. Vielleicht hab ich den kleinen Vorteil, dass ich weiß, wie Giovanni als Cheftrainer arbeitet, er aber nicht von mir.
Guidetti: Wenn wir so gute Trainer sind, wie ich glaube, passen wir unsere Strategie immer unseren Spielerinnen und dem Gegner an und machen nie das Gleiche. Da können wir uns sicher noch überraschen.

Wo sehen Sie die Stärken Ihres Gegners heute Abend?
Koslowski: Die Türkinnen sind einfach grundsätzlich sehr, sehr stark, vor allem im offensiven Bereich, im Angriff und Block, taktisch und athletisch, in Kraft und Ausdauer. In allen physischen Elementen sind sie überlegen.
Guidetti: Die größte Stärke des deutschen Teams ist Felix! Die Mannschaft ist sehr organisiert, spielt mit viel Leidenschaft, gibt nie auf, ist ein sehr guter Mix aus jungen und erfahrenen Spielerinnen. Louisa Lippmann (2013 von Guidetti erstmals in die Auswahl berufen – d. Red.) hat einen unglaublichen Schritt nach vorn gemacht.

Ein Fußball-Länderspiel sehen sich Millionen im Fernsehen an – was macht ein Volleyball-Länderspiel wie das heutige genauso sehenswert?
Koslowski: Diese Athletinnen präsentieren wirklich einen tollen Sport auf allerhöchstem Niveau. Dazu kommt, dass wir hier in Schwerin praktisch nie Länderspiele haben, auch nicht in anderen Sportarten. Wer also ein bisschen Interesse und Spaß an Sport hat, der muss heute einfach in die Halle kommen.
Guidetti: Fußball kann jeder, Volleyball nur wenige. Es ist besonders, nicht leicht zu spielen und zu verstehen. Das macht es schwer, mit Fußball zu konkurrieren. Aber wenn man sieht, dass über 60  000 Leute zu einem EM-Spiel der Männer in Polen gekommen sind, dass sich in den USA 20  000 Leute das Finale der College-Liga anschauen, dass über 12  000 Menschen das Finale der Champions League live sehen wollen, dass Volleyball bei den Olympischen Spielen in Rio die Sportart mit den meisten Zuschauern war… dann scheint sich da doch was zu ändern.

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