Sylvia Roll: Ein Leben für und mit dem Sport : Volleyball eine Herzensangelegenheit

<fettakgl>Eine der ganz Großen des deutschen und Schweriner Volleyballs: </fettakgl>Die 253fache Nationalspielerin Sylvia Roll wurde von SSC-Präsident Johannes Wienecke (r.) und Hubert Getzin verabschiedet. <foto>Dietmar Albrecht</foto>
Eine der ganz Großen des deutschen und Schweriner Volleyballs: Die 253fache Nationalspielerin Sylvia Roll wurde von SSC-Präsident Johannes Wienecke (r.) und Hubert Getzin verabschiedet. Dietmar Albrecht

"Rolly, Rolly"-Rufe sowie stehende Ovationen für die 253fache Nationalspielerin Sylvia Roll: Vor dem Play-off-Halbfinal-Hinspiel ihres SSC verabschiedete SSC-Präsident Johannes Wienecke die 37-Jährige nun auch offiziell.

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12. Mai 2011, 07:56 Uhr

Schwerin | "Rolly, Rolly"-Rufe sowie stehende Ovationen für die 253fache Volleyball-Nationalspielerin Sylvia Roll: Vor dem Play-off-Halbfinal-Hinspiel ihres Heimatvereins Schweriner SC gegen die Roten Raben Vilsbiburg verabschiedete SSC-Präsident Johannes Wienecke die 37-Jährige nun auch offiziell. "Ich bin unheimlich gerührt. Wenn ich es noch könnte, würde ich immer noch Volleyball spielen. Aber ich bin immer noch mit dem Herzen dabei", freute sich die gebürtige Schwerinerin angesichts des riesigen Applaus. Den erhielt nach abwechslungsreichen 111 Spielminuten dann auch die Mannschaft von Trainer Tore Aleksandersen. Die SSC-Damen meisterten die erste Hürde und wiesen den Titelverteidiger mit 3:1 (20, -24, 14, 19) in die Schranken.

Sylvia Roll sah wie die weiteren 1345 Zuschauer in der Arena am Lambrechtsgund eine Partie, die in den ersten beiden Sätzen von "Fehlern durch mangelnde Konzentration oder auch nur ein bisschen Schusseligkeit auf beiden Seiten geprägt war. Wer davon weniger machte, gewann den Satz", meinte eine der Großen des deutschen Volleyballsports, die mit den meisten der aktuellen SSC-Spielerinnen 2009 ihre letzte deutsche Meisterschaft gefeiert hatte. Allerdings erstaunlich, wie sich die Gastgeberinnen auch bei einem 13:20 im zweiten Satz reinknieten und diesen nur knapp verloren. "Da war klar, dass der dritte Satz deutlich weg geht, wenn die ersten beiden Sätze so hart umkämpft sind. Dass das Schwerin gelang, um so schöner. Im vierten Satz hatte Vilsbiburg nichts mehr entgegenzusetzen", so Sylvia, die in ihrer Karriere viele interessante Stationen durchlebte - über Brasilien, nach Italien, zurück zum SSC, in die Türkei und wieder zurück zum SSC. Die aktuellen Spielerinnen aus Schwerin zogen in den Durchgängen drei und vier gnadenlos durch. Der Block - allen voran Berit Kauffeldt - packte zu wie noch nie in dieser Saison: 20 Punkte (!). Und die Angreiferinnen setzten die von ihrem Trainer vorgegebene Taktik hervorragend um. Ebenso hatten die Roten Raben mit den wuchtigen wie variablen Aufschlägen der SSC-Damen ihre liebe Müh und Not. Damit verschafften sich die Schwerinerinnen eine super Ausgangsposition für das Rückspiel morgen Abend in Vilsbiburg. "Ich denke, dass das Spiel ein ganz anderes wird. Vilsbiburg wird die Fehler analysieren und daraus lernen. Die Play-offs zeigen - das war schon immer so - welche Mannschaft Charakter hat und in den entscheidenden Phasen voll da ist." Und da drückt Rolly natürlich morgen ihrem SSC ganz kräftig die Daumen, dass er den Final-Einzug perfekt macht.

Wenn man mit ihr darüber redet, kommt es einem so vor, als ob sie selbst noch gern mitmischen wollte. "Das Spielen fehlt mir schon. Es ist ein tolles Gefühl auf dem Feld zu stehen und mit den Fans Punkte zu feiern und zu genießen", so die 37-Jährige, die im vergangenen Frühjahr abrupt wegen einer schweren Schulterverletzung mit anschließender OP ihre Karriere beenden musste. "Ich habe ziemlich lange gebraucht, darüber hinwegzukommen. Es war die Hölle. Das wünsche ich keinem. Hätte ich meine Familie und Freunde nicht gehabt, ich weiß nicht, ob ich das psychisch geschafft hätte", gibt sie ehrlich zu. Sie ist ein Mensch, der sich nicht verbiegen lässt und seinen Weg konsequent geht.

Einen Meistertitel und zwei Pokalsiege holte sie mit dem SSC unter Tore Aleksandersen. "Rolly, Hut ab! Sie ist eine große Spielerin und Persönlichkeit. Meine erfolgreichste Zeit in Schwerin habe ich mit ihr erlebt. Sie hatte großen Anteil an den Titeln. Es tut mir leid, dass sie ihre Karriere beenden musste", so der Norweger.

Die sympathisch, locker auftretende junge Frau widmet sich jetzt voll ihrer neuen Aufgabe: als zweite Übungsleiterin bei der U16 (mit Trainer Ingo Achtelik) und U20 (mit Trainer Michael Lehmann) des Schweriner SC. Ihr Motto: einmal Volleyball, immer Volleyball. "Nächsten Monat fange ich mit der Ausbildung zum A-Trainer an. Die dauert zwei Jahre", berichtete die einstige Weltklasse-Spielerin, die die B-Lizenz besitzt. Ist es denkbar, Sylvia Roll einmal auf der Bank eines Bundesligisten zu sehen? "Da will ich hin. Ich habe aber noch einiges zu lernen. Zum Traineramt gehört auch viel Organisatorisches."

Als ehemalige Aktive kann sie dem Nachwuchs eine Menge weitergeben. "Ich nehme mir Tore als Vorbild. Er war für mich nicht nur Trainer, sondern auch ein Freund. Man sollte auf seine Spielerinnen eingehen. Kritik muss natürlich sein, aber sie sollte immer etwas Positives bewirken", erklärt die sehr Heimatverbundene, die mit ihren Freunden im Ausland über facebook kommuniziert. "Ich habe während meiner Karriere so viele nette Leute überall kennengelernt. Ich bereue nicht einen Schritt, keine der vielen Entbehrungen, einfach nichts. Ich würde alles noch einmal genauso machen." Sicher gab es auch Tiefen in der über 20 Jahre dauernden sportlichen Laufbahn, aber die machten sie nur stärker. "Das ist ein Lernprozess. Du musst begreifen, wie du aus schlechten Phasen herauskommst, musst lernen, Verantwortung für dich selbst zu übernehmen. Das brauchst du auch in deinem späteren Leben, ansonsten kommst du nicht weit." Und weit kam sie. Auch mit ihrem Lebensmotto: "Ohne Spaß geht nichts. Und man muss mit dem Herzen dabei sein."

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