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Sport

22. August 2017 | 15:05 Uhr

Stefan Nimke : Tandem-WM als Abenteuertrip

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Stefan Nimke fliegt Samstag als „Schrittmacher“ für sehbehinderten Kai Kruse nach Mexiko / Gestern kam das Rad – fertig ist es noch nicht

Sechs Titel und weitere acht Medaillen zwischen 1997 und 2012: Man sollte meinen, in Sachen Weltmeisterschaften hätte der Schweriner Bahnrad-Olympiasieger Stefan Nimke alles, aber auch alles erlebt. Doch weit gefehlt! Wenn der jetzige „Schrittmacher“ auf dem paralympischen Tandem mit seinem stark sehbehinderten Hintermann Kai Kruse am 11. April im mexikanischen Aguascalientes an den WM-Start rollt, dann haben beide 1000 Meter vor sich, aber schon einen wahren Abenteuertrip hinter sich. Wenn sie denn in dem weltrekordträchtigen Ort in in 1800 Meter Höhe an den Start rollen können…

„Ich bin gerade mit Trainer Ronald Grimm auf dem Weg von Hamburg nach Berlin“, meldete sich der 36-jährige Stefan Nimke gestern am Telefon. Während ein in Spanien bestelltes und von Stefan bereits zur Hälfte abgezahltes Tandem noch auf sich warten lässt, hatten er und sein Trainer im Transporter gestern endlich, endlich ein Wettkampftandem mit dabei.


Bahntraining bislang nur submaximal


Für dessen Fertigstellung hatte Nimkes langjähriger Hamburger Ausrüster Stevens einzelne Teile sogar aus Fernost kommen lassen müssen. „Bei den Kräften, die wir auf die Bahn bringen, können wir keine Maschine sozusagen von der Stange nehmen. Das muss schon eine Spezialanfertigung sein“, erklärt Nimke.

Welche Kräfte er und Kai Kruse, der bei den Paralympics 2012 als Ruderer Silber gewann, tatsächlich auf die Bahn bringen, das wissen beide selbst noch gar nicht so genau. Bislang stand ihnen lediglich ein Leih-Tandem zur Verfügung, mit dem sie auf der Bahn aber auch nur das Anfahren sowie die erste Runde üben konnten. „Und das auch nicht maximal, weil das zumindest sowohl die Gabel als auch die Ketten (beim Tandem braucht es zwei – eine lange und eine kurze) überfordert hätte“, sagt der Teamsprint-Olympiasieger von 2004.

Gestern noch wollten Nimke/Kruse mit der neuen Maschine in Berlin erstmals auf die Holzbahn, „wenn wir rechtzeitig fertig werden, denn wir müssen ja noch ordentlich daran herumschrauben, damit es passgerecht ist“.

Dass alles so offenbar planlos und holterdipolter daherkommt, hat vor allem zwei Gründe. „Im Gegensatz zur quasi Rundumversorgung für Olympiakader hinsichtlich Material und Organisation wirst du im paralympischen Sport deutlich weniger unterstützt und bist weitgehend auf dich allein gestellt“, hat Nimke festgestellt.

Zum anderen kam auch der WM-Termin recht überraschend. Erst sollten die Titelkämpfe im Februar stattfinden. „Da hätte ich ohnehin passen müssen“, sagt Schwerins Rad-Ass. Beim Wechsel vom olympischen zum paralympischen Sport gilt es eine zweijährige Sperre abzusitzen, damit nicht die gleichen Athleten nahtlos in beiden Bereichen Titel und Medaillen abräumen. Nimkes letzter internationaler Start waren die Weltmeisterschaften im März 2012 in Australien. „Ich wäre also noch gesperrt gewesen.“

Als dann die Para-Cycling Track-WM auf Oktober verlegt wurde, sagten sich das Duo und der Trainer: „Okay, das wird zwar eng. Aber wir gehen es trotzdem an.“ Weil bei der WM bereits Punkte für Paralympics-Startplätze 2016 in Rio vergeben werden, brauchten sie dafür auch nicht lange zu überlegen.


Eine Woche Vorbereitung statt der üblichen sechs


Das war auch der Grund dranzubleiben, als aus Oktober dann plötzlich April wurde. „Eine Woche Wettkampfvorbereitung statt der üblichen sechs, das habe ich auch noch nicht erlebt“, sagt Trainer Grimm, kann sich aber ein Grinsen nicht verkneifen.

Warum auch? Nach zwei gemeinsamen Jahrzehnten mit Stefan Nimke erschüttert den Coach nichts mehr. Er weiß, was sein Schützling kann und vor allem, dass der allen Widerständen zum Trotz immer wieder auf den Punkt genau eine Top-Leistung abruft.

Stefan selbst gibt sich zurückhaltend. „Man sollte die Erwartungen nicht zu hoch schrauben“, warnt er. „Wenn wir unter die ersten acht kommen, dann haben wir ’ne Menge erreicht, dann dürfen wir echt zufrieden sein.“

Was wird aber eigentlich, wenn das neue Tandem doch nicht passt? „Dass die Spanier noch rechtzeitig liefern, haben wir uns längst abgeschminkt, zumal wir jenes Tandem dann ja auch noch wettkampfbereit machen müssten“, sagt Stefan. „Also bliebe nur das Leihtandem – mit einer Gabel, die wir noch nicht haben, und speziellen Ketten, auf die wir auch noch warten…“

Übrigens: Abflug nach Mexiko ist am Sonnabend.

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erstellt am 02.Apr.2014 | 11:58 Uhr

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