Wie ein Drehbuch à la Hollywood

Mit Sohnemann Max-André und Siegerpokal: der Gewinner des Championats von Redefin, André Thieme aus Plau:  Hellmann
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Mit Sohnemann Max-André und Siegerpokal: der Gewinner des Championats von Redefin, André Thieme aus Plau: Hellmann

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06. Mai 2012, 10:06 Uhr

Redefin | Solche Geschichten schreibt nur der Sport! André Thieme - Mecklenburgs Derby-Held Nr. 1, der bereits dreifache Gewinner des schwersten Springens der Welt, in Hamburg-Klein Flottbek ist auf Abschiedstour mit seinem Derby-Pferd Nacorde. Am 20. Mai soll der inzwischen 17-jährige niederländische Wallach noch einmal über den Großen Wall und Pulvermanns Grab gehen - dann ist endgültig Schluss, darf der Vierbeiner auf die Rentner-Koppel.

"Das hier wird sein letzter großer Auftritt in Mecklenburg", verkündete Thieme als Parcours-Erklärer für die Fans vor dem samstäglichen "Championat von Lübzer" im Rahmen des 12. Redefiner Pferdefestivals. Für den Mann aus Plau am See, dessen Elternhaus einen Steinwurf entfernt vom Rasenparcours auf dem Alten Paradeplatz des Landgestüts steht und der hier in die Lehre gegangen ist, war es ein besonderer Moment.

Und es sollte ein ganz besonderer werden… Denn Thieme und sein "Opi" (Lebensalter Mensch - Pferd im Verhältnis von 3:1), wie der Seestädter seinen edlen Vierbeiner Nacorde liebevoll nennt, gewannen dann tatsächlich das Championat. "Es ist einfach eine perfekte Inszenierung. Als ob er es wirklich merkt, um was es geht. Dieses Pferd ist in seiner Liga was ganz, ganz Besonderes!", bekennt André. In der Tat: Hollywood hätte es nicht besser inszenieren können. Jetzt noch der vierte Derby-Triumph am 20. Mai - das wäre das i-Tüpfelchen!

"Eigentlich wäre bereits 2011 mit dem dem dritten Derbysieg der perfekte Moment gewesen, Nacorde in den Ruhestand zu verabschieden. Doch im letzten Moment war ich so sicher, dass er noch so frisch ist. Und der Wallach beweist es. Doch einmal muss Schluss sein", beantwortet Thieme alle Fragen, ob er nach den Leistungen nicht doch noch die Nacorde-Karriere um ein weiteres Jahr verlängern will. Hatte der Plauer doch mit seinem Niederländer bereits im April den "Großen Preis von Moritzburg" gewonnen.

Und jetzt der Coup von Redefin, bei dem Thieme und Nacorde bei der Siegerrunde in 37,73 Sekunden den ebenfalls dreifachen Derby-Champion Toni Haßmann (Lienen) und dessen Vinchester auf Rang zwei verwiesen (38,53). Gemeinsame Dritte in 39,18 wurden bei der 15er-Entscheidung mit Heiko Schmidt (Neu Benthen) und seine Stute Cassiopeia ein weiterer Top-reiter aus der Region sowie Hilmar Meyer aus Morsum bei Verden auf Animous.

"Der Beste soll gewinnen, und am besten ein Mecklenburger!", sagte Wilfried Horn, der Geschäftsführer der Lübzer Brauerei und Sponsor dieser Prüfung. Als dann Thieme und Nacorde einritten, zückte Horn die Kamera mit den Worten: "Jetzt kommt der Sieger." Horn als Prophet - diese Seite vom Freund des Pferdesports war bisher unbekannt.

Nr.1 der Welt die Nr. 1 im Großen Preis

Beim gestrigen großen DKB- Preis waren die Mecklenburger gute Gastgeber, keiner sechs der sechs MV-Starter kam ins Stechen. Am dichtesten dran war Thieme, der mit der erst achtjährigen Holsteiner Stute Contagna mit 73,21 die Richtzeit von 72 Sekunden verfehlte. "Ich bin trotzdem super zufrieden. Es war das erste Mal, dass Contanga solch ein Drei-Sterne-Springen ging", sagte der Plauer. Holger Wulschner (Groß Viegeln) mit Cavity sowie der Gadebuscher Thomas Kleis auf Questa Vittoria hatten im Normalumlauf je einen Pechfehler.

Am Ende kamen zehn Reiter ins Stechen. Und da zeigte Rolf-Goran Bengtsson, warum er die Nr. 1 der Weltrangliste ist. Auf dem Weg zur Zweifachkombination wählte der Schwede den mit Abstand kürzesten Weg, sein zehnjähriger Hengst Carusso La Silla ging aus dem Stand über den Kombi-Einsprung. Am Ende hatte Bengtsson mit 46,65 fast fünf Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Andreas Kreuzer (Mühlen) auf Chintan (51,18).

"Ich bin zwar nicht ganz optimal zur Zweifachen hingekommen, aber es hat geklappt. Erste Prämisse für das Wochenende war die Global Champions Tour in Valencia, doch Ninja war mit Fieber vom Global-Tour-Auftakt aus Doha zurückgekommen und Casall ist gerade beim Weltcupfinale in sHertogenbosch gegangen. Und mit Carusso passte es gut mit der Prüfung hier", so Bengtsson, der Superstilist im Sattel. Und außerdem komme er gerne nach Redefin, "es ist ein gemütliches, sehr gut organisiertes Turnier". Vor Jahresfrist Zweiter auf Kiara in Redefin, jetzt umjubelter Sieger. Und dazu Thiemes Triumph im Championat mit Nacorde - ein besseres Drehbuch konnte es fürs 12. Pferdefestival nicht geben!

Die Qualifikation zum Nürnberger Burgpokal, der wichtigsten Prüfung für sieben- bis neunjährige Dressurpferde, entschied Dorothee Schneider aus Framersheim auf St. Emilion mit 1507 Punkten für sich, vor der Vielseitigkeits-Olympiasiegerin Ingrid Klimke (Münster) auf Dresden Mann (1493) und der Weltcupzweiten von s’Hertogenbosch, Helen Langehanenberg auf Cote dAzur (1437).

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