Was hat das Ministerium geritten?

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18. Januar 2010, 12:20 Uhr

Schwerin/Hamburg | Hohe Wellen schlägt das abgesagte internationale Reitturnier (CSI) Redefin. Für die Region geht damit ein großer Imageträger verloren. Das Pferdefestival war nicht nur die NDR-Sportveranstaltung aus Mecklenburg-Vorpommern mit der meisten Sendezeit. Das CSI Redefin hatte sich auch über die Jahre den Stellenwert erarbeitet, die höchsten Einschaltquoten im NDR-Sendebereich in Sachen Pferdesport vorweisen zu können. Und ohne TV - das weiß mittlerweile jeder - läuft im Premiumsport längst nichts mehr.

Beim CSI Redefin gab es jedoch immer mehr ein Problem mit Zuschauern und Sponsoren, denn das Gestüt liegt nicht gerade im Zentrum. "2008 sind die Sponsoren regelrecht weggebrochen. Und aus der Region gibt es so gut wie keinen Sponsor", bekannte der bisherige Turnierveranstalter Herbert Ulonska. Im Vorjahr schrieb sich der Hamburger, der seine "Kohle" mit einer Vermögensgesellschaft verdient, "fürs CSI Redefin selbst eine Rechnung von 35 000 Euro. In den Jahren zuvor waren es schon mal 50 000 oder 60 000. Insgesamt habe ich in MV für mein professionelles Hobby seit 1990 Werte in der Höhe von 800 000 Euro reingesteckt."

Doch das Redefiner Landgestüt muss mehr denn je Geld erwirtschaften, soll es weiter in Landesbesitz bleiben. Bisher zahlte Ulonska 16 000 Euro fürs CSI ans Gestüt. Im Juli 2009 akzeptierte er eine Erhöhung auf 23 500. Zudem wurde über ein neues Konzept mit mehr Preisgeld sowie mehr Ausstellern beraten, um das CSI Redefin zukunftssicher zu machen. Dazu holte Ulonska mit der engarde Marketing (Gesellschafter: Derby-Veranstalter Volker Wulf und Paul Schockemöhle) zwei ausgewiesene Topleute ins Boot. Diese wollten allerdings Planungssicherheit über 2010 hinaus. So lange lief der CSI-Vertrag zwischen Ulonska und dem MV-Landwirtschaftsministerium.

Es schien alles auf dem rechten Weg zu sein. Doch bis November bekam Ulonska einfach keinen Termin im Ministerium. Am 11. 11. offerierte Dr. Gerhard Rudolphi, Abteilungsleiter im Agrarministerium, dass man zum jetzigen Zeitpunkt mit Hinweis auf die Landeshaushaltsordnung einer Vertragsverlängerung nicht zustimmen könne.

In den vergangenen Tagen überschlugen sich die Ereignisse. Am Mittwoch trafen sich Minister Dr. Till Backhaus, wegen seiner so geliebten Ehrenrunde im Vierspänner vor der Großen-Preis-Siegerehrung auch "Sonnenkönig von Redefin" genannt, und Ulonska im Schweriner Ministerium. Zwecks Wahrung des Gesichtes wurde eine gemeinsame Erklärung vereinbart, nach der man 2010 eine Pause macht, um dann im Jahr darauf wieder richtig loszulegen. "Ich habe mich vom Minister per Handschlag verabschiedet", so Ulonska. Aber tags darauf ging Rudolphi hinter seinem Rücken auf die großen Sponsoren zu, sie mögen in Redefin bleiben und nicht mit Ulonska gehen. So rief die DKB-Bank verwundert bei ihrem gesponsorten Reiter Holger Wulschner an, was denn da bloß los sei. Das zog natürlich Kreise. Ulonska sah das Vorgehen des Ministeriums als "absoluten Vertrauensbruch an. Ich will, dass die Wahrheit auf den Tisch kommt."

Hallen-CSI Rostock im Oktober in Groß Viegeln

Während man in der Backhaus-Behörde nun nach einem neuen Redefin-Ausrichter mit einem neuen Fünfjahresvertrag ab 2011 sucht - unter Szene-Kennern fragt man sich, wo der denn herkommen soll -, macht Ulonska unterdessen Nägel mit Köpfen: "Im Oktober findet auf der Wulschner-Anlage in Groß Viegeln ein Hallen-CSI** statt. Das CSI Rostock lebt damit wieder auf." Vor dem Wechsel nach Redefin gab es in den 90ern in Rostock-Dummerstorf schon über Jahre ein CSI Rostock.

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