Wahnsinns-Saison 2010/11 als Vorbild

<strong>Matthias Holst mit dem Goldstern</strong> über dem Herzen. Er war schon 2010/11 dabei, damals  jedoch auf Grund einer langwierigen Knieverletzung zum Zuschauen verurteilt. Nach seiner Genesung wurde Holst  zum  Stamm- und Führungsspieler. <foto>Georg Scharnweber</foto>
Matthias Holst mit dem Goldstern über dem Herzen. Er war schon 2010/11 dabei, damals jedoch auf Grund einer langwierigen Knieverletzung zum Zuschauen verurteilt. Nach seiner Genesung wurde Holst zum Stamm- und Führungsspieler. Georg Scharnweber

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19. Juli 2012, 08:31 Uhr

Rostock | Morgen (14 Uhr DKB-Arena) startet der FC Hansa, Absteiger aus der 2. Fußball-Bundesliga, gegen die Stuttgarter Kickers in die Saison 2012/13 der 3. Liga. Und das mit Optimismus. Mancher mag sich - gerade angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Clubs - gewundert haben, mit welchem Selbstbewusstsein frühzeitig das Ziel sofortiger Wiederaufstieg ausgegeben wurde. Auch Trainer Wolfgang Wolf verbreitete Zuversicht: Er habe (nachdem er in der 2. Halbserie 2011/12 nicht mehr die Kurve weg vom Abstieg kriegte) noch etwas gut zu machen.

Was jedoch in der Vorbereitung folgte, war die Peinlichkeit einer 2:3-Niederlage gegen die sechst- bis neuntklassigen Kicker einer bunt zusammengewürfelten Stadtauswahl in einem freundschaftlichen Vergleich über zweimal 30 Minuten. Danach aber wuchs die neue Mannschaft mit acht externen Zugängen gut zusammen. Höhepunkt ihrer bisherigen Entwicklung war das 1:1 zur Generalprobe gegen den Erstligisten und Europa-League-Teilnehmer VfB Stuttgart. "Wir wollen diese Partie nicht überbewerten", sagte Wolf, merkte aber auch erfreut an: "Unser Kader ist ziemlich ausgeglichen. Ich habe viele Alternativen und denke, wir kriegen eine Truppe auf das Feld, die in der 3. Liga wirklich oben mitspielen kann."

Als Wiemann auf dem Dach des Buswartehäuschens feierte

Am besten so wie 2010/11, in jener Saison, in der die Rostocker erstmals in der Vereinsgeschichte nur noch drittklassig waren. Da gelang den Blau-Weißen mit 24 Siegen aus den 38 Spielen ein Durchmarsch. Wenn 78 Punkte damals auch "nur" zu Rang zwei reichten (der Erste Eintracht Braunschweig holte unfassbare 85), was normalerweise den Titel bedeutet. 2011/12 genügten dem SV Sandhausen 66 (!) Zähler für Platz eins…

Seinerzeit sah es zunächst finster aus für die Zukunft des Rostocker Profi-Fußballs: Ganze 17 (!) Spieler waren zum Trainingsauftakt zugegen; eine Woche vorher hatten gar nur acht unter Vertrag gestanden. Und doch formte der neue Trainer Peter Vollmann (nach der Hinrunde der zurückliegenden Zweitliga-Serie beurlaubt, jetzt beim SV Wehen Wiesbaden) in kürzester Zeit ein exzellent aufeinander abgestimmtes Winner-Team, das er mit dem seinerzeit eher unbekannten Björn Ziegenbein im August 2010 nachträglich noch perfekt verstärkte. Hansa war sogar "Herbstmeister", was allerdings auf Grund des zerstückelten Terminplans (Unmengen wegen Unbespielbarkeit der Plätze verlegte Partien) fast unterging…

So oder so war es ein unbeschwertes Jahr: Bereits drei Wochen vor Saisonschluss stand fest, dass die Rostocker "Zurück aus dem Urlaub" sind, wie es später auf den Aufstiegs-Shirts zu lesen war. Manch lustige Anekdote blieb haften. So wie die von Defensivspieler Michael Wiemann. Der feierte inmitten glücklicher Fanmassen auf dem Dach eines Buswartehäuschens, als die Mannschaft zu nächtlicher Stunde vom 0:0 bei Bayern München II (nach dem die Rückkehr in die 2. Liga unumstößlich war) zurückkehrte.

Symbolisch soll der über dem Emblem der Hansa-Kogge auf den Trikots eingestickte Goldstern den Weg in eine wieder lichtere Zukunft weisen. Dieses "Schmuckelement" für den Gewinn der Ost-Meisterschaft 1991 trugen die FCH-Profis bereits in den letzten neun Runden der damaligen Saison, ab dem 2:1 gegen den FC Carl Zeiss Jena am 2. April 2011.

In der 2. Liga war mit der neuen "Sitte" vorerst wieder Schluss, denn im Bundesliga-Bereich gibt es Sterne allein für die hier erkämpften Meisterschaften - und erst ab drei Titeln…

Wenn man bei Hansa auch liebend gern auf den nunmehr zurückgekehrten Stern verzichtet hätte, soll mit der jungen Tradition auch der Erfolg gewissermaßen wieder "aufgegriffen" werden, der am 24. Juli, fast auf den Tag genau vor zwei Jahren, ebenfalls mit einem Heimspiel und -sieg gegen einen Aufsteiger begann. Der VfR Aalen, seinerzeit mit 3:0 bezwungen, ist übrigens in seinem erst zweiten Drittliga-Jahr frisch in die 2. Bundesliga aufgestiegen…

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