Profiboxer Sebastian Zbik : "Vielleicht ergibt sich was in Amerika"

Prominente Unterstützung für Amateurboxer Clemens Busse  durch Profi Sebastian Zbik  (r.) beim Zweitligakampf zwischen dem BT Hanse Wismar und dem BC Cottbus in Dorf Mecklenburg.  Dirk maronn
Prominente Unterstützung für Amateurboxer Clemens Busse durch Profi Sebastian Zbik (r.) beim Zweitligakampf zwischen dem BT Hanse Wismar und dem BC Cottbus in Dorf Mecklenburg. Dirk maronn

Der Profiboxer Sebastian Zbik fliegt im Dezember nach Amerika. Wie schon Anfang des Jahres will er einige Box-Gyms in Las Vegas und in Los Angeles besuchen und erhofft sich insgeheim einen Karriereschub.

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07. November 2012, 08:37 Uhr

Wismar | Zu seinen besten Zeiten hat Sebastian Zbik vor Tausenden von Zuschauern in großen Hallen rund um den Globus geboxt. Am Sonnabend war der Ex-Weltmeister der Profis beim Saisonauftakt der Wismarer Zweitligaboxer in Dorf Mecklenburg zu erleben. In jener Halle, in der er selbst sich zu Anfang des Jahrtausends in mitreißenden Bundesliga-Kämpfen das Rüstzeug für seine spätere erfolgreiche Profi-Karriere geholt hatte.

Diesmal allerdings war sein Platz nicht im, sondern am Ring. Als aufmerksamer Beobachter, aber auch als Unterstützung für Halbweltergewichtler Clemens Busse, mit dem er seit gut sechs Wochen in Rostock gemeinsam trainiert, und dem er aus der Ecke für dessen Sieg über den Chemnitzer Chris Förster so manchen wertvollen Tipp geben konnte. War das etwa schon ein Vorgriff auf die Zukunft?

"Gut möglich", sagt Sebastian Zbik lächelnd und verrät: "In Rostock kümmere ich mich neben meinem eigenen Training auch ein bisschen um die Nachwuchsboxer. Mit denen werde ich am 17. November zum Wettkampf nach Stralsund fahren. Das wird sozusagen mein Trainer-Debüt."

Seit gut einem Jahr ist der 30-Jährige gemeinsam mit MV-Landestrainer Christian Morales, zugleich sportlicher Chef beim Hanseatischen SV Rostock, an der Potsdamer Uni in einem dualen Trainer-Studium. Zbik: "Das läuft gut. Vor kurzem standen Prüfungen an. Die habe ich alle bestanden. Aber ich musste mich dafür ganz schön auf den Hosenboden setzen. Das hätte ich mir so schwer gar nicht vorgestellt."

Zeit zur Vorbereitung hatte er genügend, mehr sogar, als ihm lieb sein konnte. Bekanntlich ist die Profi-Karriere des früheren WBC-Weltmeisters im Mittelgewicht momentan gezwungenermaßen auf Eis gelegt. Zwar führt ihn die Universum Box-Promotion nach wie vor als Kämpfer auf ihrer Internetseite, aber dass er für den Hamburger Stall von Promoter Waldemar Kluch noch einmal in den Ring steigen wird, ist nahezu ausgeschlossen. Noch immer schuldet ihm Kluch die vertraglich vereinbarte Börse aus dem (verlorenen) Kampf gegen Felix Sturm. Und das bereits seit Mitte April. "Mal sagt Herr Kluch, das Geld gehöre Universum und als dessen Besitzer könne er damit machen, was er wolle. Dann wiederum will er es bereits überwiesen haben. Aber für das eine gibt es wasserdichte Verträge, das andere ließe sich nachweisen", sagt Zbik. Weil er statt dessen glaubt, dass Kluch seine Kampfbörse genutzt habe, um anderweitig Finanzlöcher zu stopfen, hat er über seinen Anwalt Peter-Michael Diestel kürzlich Klage einreichen und die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gegen die Universum Box Promotion beantragen lassen. "Aber Kluch hat bislang nicht einmal darauf reagiert", sagt der in Reinberg bei Neubrandenburg aufgewachsene Boxer und kann nur den Kopf schütteln. "Ich verstehe den Mann nicht. Er hätte die ihm als Promoter zustehenden 35 Prozent aus der Kampfbörse herausziehen können - und gut. Was soll der ganze Ärger?"

Abschreiben will Zbik seine Karriere trotz der aktuellen Talsohle aber nicht. "Ich halte mich in Rostock fit - ernsthaft fit, nicht nur so für den Hausgebrauch. Wobei ich auch von unserem gemeinsamen Training ebenso profitiere wie Clemens Busse", sagt er.

Und wenn es ein Angebot von einem anderen Stall gäbe? "Dann würde ich mir das natürlich anhören. Aber nicht vordergründig des Geldes wegen. Ich will weiter boxen. Aber das will ich, weil ich immer noch Spaß dran habe. Und ich denke, eine bessere Motivation kann es nicht geben."

Doch Zbiker, wie er in Boxerkreisen seit Urzeiten genannt wird, wartet nicht darauf, dass sich vielleicht irgendwann irgendetwas ergeben könnte. "Hier in Deutschland geht da wohl momentan wenig", ist er sich sicher. Deshalb zieht es den Dritten der Amateur-EM von 2002 nach Übersee.

"Im Dezember fliege ich für einige Wochen nach Amerika. Wie schon Anfang des Jahres will ich einige Box-Gyms in Las Vegas und in Los Angeles besuchen", erzählt Zbiker und erhofft sich insgeheim einen Karriereschub. "Vielleicht ergibt sich ja etwas in Amerika. Seit meinem WM-Kampf gegen Julio Chavez jr., den ich im Juni 2011 in Los Angeles äußerst umstritten verlor, habe ich in den Staaten einen Namen. Und inzwischen kenne ich dort auch selbst eine Menge Leute aus dem Profiboxen. Und anders als letzten Winter bin ich ja jetzt ungebunden und für alles offen. Mal sehen, ob sich daraus nicht etwas machen lässt."

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