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Für Schweriner Kampfabend vom April bis jetzt nichts bezahlt : Universum droht der K.o.

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Der einst größte Boxstall Europas steht offenbar vor dem endgültigen K. o.. Nicht nur Ex-Weltmeister Sebastian Zbik hat seinen Chef Kluch verklagt. Für den Kampfabend in Schwerin hat Universum jede Menge Außenstände.

svz.de von
erstellt am 31.Aug.2012 | 10:02 Uhr

Hamburg | Der einst größte Boxstall Europas steht offenbar vor dem endgültigen K. o.. Nicht nur Ex-Weltmeister Sebastian Zbik hat - wie wir gestern berichteten - seinen Chef Waldemar Kluch verklagt, weil der seine Börse in Höhe von 250 000 Euro aus dem Mitte April erfolgten Kampf gegen Felix Sturm zurückhält.

Auch im Hinblick auf den Universum-Kampfabend am 21. April in Schwerin hat Universum jede Menge Außenstände. "Bei uns haben die Boxer damals gewohnt. Die fälligen 8000 Euro hat Universum bis heute nicht gezahlt", sagt zum Beispiel Valentin Resetarits, Chef des Schweriner Hotels "Crown Plaza". Rund 20 Mal habe er versucht, Universum-Chef Kluch telefonisch zu erreichen. "Aber nichts. Inzwischen haben wir - genau wie Herr Zbik - einen Anwalt eingeschaltet. Und ich weiß, dass es anderen ebenso geht wie uns."

"Nicht anderen, sondern allen", präzisiert Burkhardt Tiedt, der als Sportveranstalter mit seiner E.M.-Promotion den damaligen Kampfabend organisierte. Außer Jürgen Brähmer, der gleich einen Anwalt mit im Boot hatte, habe kein Boxer Geld erhalten, ebenso nicht die Kongresshalle, keines der involvierten Hotels und auch nicht der Caterer für das VIP-Buffet.

Unter diesen Umständen hat Tiedt alle Pläne, den für Ende September in Rostock ins Auge gefassten Universum-Kampfabend zu organisieren, selbstverständlich auf Eis gelegt. "Es ist schade, dass nach so vielen guten Jahren, in denen wir gemeinsam mit Universum in unserer Region viel geschafft haben, jetzt alles offenbar auf diese unerfreuliche Art und Weise zu Ende gehen muss", bedauert er.

Doch so schmerzhaft das Ganze für die Schweriner Unternehmen ist, gemessen an den gesamten "schwarzen Löchern" im Universum sind das Peanuts. So muss der einstmals erfolgreichste Profi-Boxstall der Welt unter seinem neuen Besitzer die Zwangsversteigerung seines Trainingsdomizils in Hamburg-Lohbrügge hinnehmen. Das Anwesen von Kluchs Sportcenter Dima war vor einigen Jahren auf rund fünf Millionen Euro taxiert worden.

Ex-Chef Kohl im Clinch mit Besitzer Kluch

"Seit dem 6. August gibt es den Gerichtsbeschluss zur Zwangsversteigerung", sagt der frühere Universum-Chef Klaus-Peter Kohl und ergänzt: "Ich warte bis heute auf 80 Prozent der Kaufsumme für Universum."

Promoter Kohl hatte seinen Boxstall nach 25 Jahren verkauft. Das Geschäft mit Kluch im Juli 2011 beklagt er jetzt als Fehler: "Ich habe mich getäuscht wie nie in meinem Leben." Er hoffe, dass Kluch nicht auch seine Investoren im gleichen Stil wie ihn belogen habe, meinte Kohl.

Kluch, ein in Kasachstan geborener und 1971 in die Heimat seiner Vorfahren übergesiedelter Deutscher, bezeichnete Kohl in der Öffentlichkeit als Betrüger. Der 68 Jahre alte Hamburger habe ihm beim Verkauf wichtige Unterlagen nicht ausgehändigt.

Der Betrieb bei Universum stockt. Mit den beiden Schwerinern, Ex-Weltmeister Jürgen Brähmer und Cheftrainer Michael Timm, haben zwei sportliche Eckpfeiler das Unternehmen bereits verlassen.

Die Kaufsumme für den Universum-Stall soll bei rund 1,5 Millionen Euro liegen. Zunächst habe Kluch um Zahlungsaufschub bis März dieses Jahres gebeten. "Seit April hat er nie wieder mit mir gesprochen", sagt Kohl. Den Geschäftsmann, der über Immobilien, Spielhallen und gastronomische Einrichtungen verfügt, erregt zudem Kluchs Behauptung: Kohl wollte den russischen Boxer Dennis Boytsov für 2,5 Millionen Euro an den amerikanischen Stall Golden Boy verkaufen. "Im Gegenteil, ich habe mit Boytsov einen festen Fünfjahresvertrag ohne die angeprangerte Optionsklausel gemacht." Deshalb steht für Kohl fest: "Der Mann ist ein Lügner."

Kluch wollte aufgrund seiner Kontakte zum russischen Markt sowohl Großinvestoren als auch gleich mehrere TV-Partner besorgen. Geschehen ist bislang nichts. Kohl hatte Universum verkauft, weil das ZDF im Sommer 2010 den Fernsehvertrag mit dem Boxunternehmen nicht verlängerte und kein neuer Partner gefunden wurde. "Der Name Universum war gut. Jetzt gerät er ins schlechte Licht", sagt Kohl. "Wenn nicht ein Wunder geschieht, ist das das endgültige Aus für Universum."

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