Hansa-Fans stellen Mannschaft zur Rede : Trainer mit Ganzkörper-Gänsehaut

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Überraschender Besuch vor dem Abschlusstraining in Vorbereitung der heutigen Partie beim VfL Osnabrück: Etwa 50 Anhänger des FC Hansa verschafften sich gestern Zutritt zur DKB-Arena und stellten die Spieler zur Rede.

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29. März 2013, 05:20 Uhr

Rostock | Unverhoffter, wenn auch nicht völlig überraschender Besuch gestern beim Fußball-Drittligisten FC Hansa vor dem Abschlusstraining in Vorbereitung der heutigen Partie beim VfL Osnabrück: Etwa 50 angesichts der prekären Situation ihrer Mannschaft besorgte Anhänger verschafften sich unterhalb der Südtribüne Zutritt zur DKB-Arena und stellten die Spieler zur Rede.

"Das lief aber alles vernünftig und in sachlichem Ton ab. Es ist auch kein Monolog gewesen. Eine ungewöhnliche Situation, auf die flexibel reagiert wurde", schätzte das anwesende Aufsichtsratsmitglied Torsten Völker ein.

Matthias Holst: Wir sind in der Bringepflicht

Ziehen die Kicker des Tabellendreizehnten aus der "Zusammenkunft" zusätzliche Motivation für die heutige Begegnung beim Vierten oder könnte sie sie sogar eher verunsichert haben?

Innenverteidiger Matthias Holst, der gegenüber den Besuchern auch selbst das Wort ergriff, sprach von "einer absolut guten Aktion. Bedrohlich war das nicht. Die Fans kamen sachlich rüber. Das ist alles ruhig und mit Niveau abgelaufen. Man hat deutlich gemerkt, dass sie sich Sorgen machen, aber an uns glauben und hinter uns stehen, auch wenn es gerade nicht so läuft. Wir haben uns ausgetauscht. Es war für beide Seiten ein gelungenes Ding."

Auch Trainer Marc Fascher fühlte sich keineswegs in seiner Arbeit gestört: "Ich fand das super, und das meine ich ernst. Die Fans haben ein Signal gesetzt, ihre Gefühle, Ängste und Sorgen zum Ausdruck gebracht. Sie haben sich sehr gut artikuliert. Es fiel kein böses Wort. Das war richtig großes Kino. Ich hatte Ganzkörper-Gänsehaut, hätte mir sofort ein Trikot anziehen und losspielen können. So einen Auftritt hat man nicht jeden Tag."

Und mit großem Nachdruck fügte der Fußball-Lehrer hinzu: "Also, ich habe verstanden, was sie uns zu sagen hatten. Ob ihre Worte auch in den Köpfen der Spieler hängen geblieben sind, werden wir morgen (heute - d. Red.) sehen. Ich sage dazu nur: Wer das nicht begriffen hat, der muss die Sportart wechseln oder den Beruf."

Bei Matthias Holst jedenfalls ist die Botschaft angekommen: "Hauptvorwurf an uns war, dass aus den zurückliegenden Spielen zu wenig Zählbares herauskam. Die Fans wollen mehr das Gefühl haben, dass wir alles dafür tun, die Punkte zu holen. Wir sind in der Bringepflicht!"

Ob zusätzlich angespornt oder nicht, heute wird sich so oder so zeigen, ob die beiden torlosen Unentschieden zuletzt gegen VfB Stuttgart II und Darmstadt in Sachen Defensivstabilität wirkliche Errungenschaften waren oder ob es auch irgendwo der Harmlosigkeit der Gegnerschaft zu verdanken war, dass bei den Rostockern hinten die Null stand. Und es ist an der Zeit, nach mittlerweile 250 torlosen Minuten endlich mal wieder zu treffen!

Die Partie wird heute ab 13.45 Uhr live im NDR-Fernsehen gezeigt.

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