Todesfall im Landesklassen-Pokal

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10. September 2012, 07:14 Uhr

Güstrow/Saarbrücken | Die Vorrundenspiele des Pokals im Fußballverband Mecklenburg-Vorpommern waren am Wochenende von einem tragischen Todesfall überschattet. In der Zweitrundenpartie des Landespokals West zwischen dem Mulsower SV und dem FSV Dummerstorf aus dem Landkreis Rostock brach ein Spieler der Gastgeber am Sonntag während der Partie ohne gegnerische Einwirkung leblos zusammen. Die sofort eingeleiteten Wiederbelebungsmaßnahmen blieben erfolglos.

Auch der sofort herbeigerufene Notarzt konnte dem 29-Jährigen nicht mehr helfen. Die Todesursache war nach Angaben der zuständigen Polizei-Dienststelle in Güstrow zunächst völlig unklar. Die Staatsanwaltschaft Rostock beantragte eine Obduktion. "Ich gehe davon aus, dass ich ein erstes Ergebnis der Rechtsmedizin am Dienstag vorliegen habe", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Maureen Wiechmann, gestern auf Nachfrage.

Die Begegnung, die zum Zeitpunkt des tragischen Ereignisses 4:0 für die Gäste stand, wurde abgebrochen. "Für die kommenden Tage wird der Fußball in Kirch Mulsow ruhen", teilte der Mulsower SV auf seiner Website mit.

Bezirksklassen-Kicker ebenso gefährdet wie Bundesligastars

Todesfälle im Sport und speziell auch im Fußball kommen weltweit leider immer wieder vor. Bezirksklassen-Fußballer seien laut dem Mannschaftsarzt der deutschen Fußball-Nationalelf, Prof. Dr. Tim Meyer (Saarbrücken), "letztendlich genauso gefährdet" wie die Bundesligastars. Die Unglücksfälle im Lichte der Weltöffentlichkeit würden aber eine besondere mediale Aufmerksamkeit erfahren.

Der bis dato letzte international beachtete Fall war der Tod des italienischen Fußball-Profis Piermario Morosini (Livorno) im Punktspiel gegen Pescara am 14. April 2012. Vor dem 25-Jährigen, der insgesamt 18-mal für die italienische U21-Auswahl aufgelaufen war, sind in den Jahren zuvor zahlreiche weitere Akteure gestorben.

August 2011: Der frühere japanische Nationalspieler Naoki Matsuda (34) erleidet beim Training seines Clubs Matsumoto Yamaga einen Kreislaufkollaps und stirbt zwei Tage später.

November 2009: Mexikos Nationalspieler Antonio de Nigris (31) vom griechischen Erstligisten AE Larisa stirbt nach einem Spiel in seinem Wohnhaus an den Folgen eines Herzfehlers.

August 2009: Der Kapitän des Erstligisten Espanyol Barcelona, Dani Jarque (26), stirbt während eines Trainingslagers in seinem italienischen Mannschaftsquartier an einem plötzlichen Herzversagen.

Dezember 2007: Phil ODonnell (35) vom schottischen FC Motherwell bricht während eines Ligaspiels gegen Dundee United nach einem Herzanfall zusammen und stirbt im Krankenwagen.

August 2007: Der spanische Profi Antonio Puerta (22) kollabiert im Ligaspiel seines Clubs FC Sevilla gegen FC Getafe. Er erleidet mehrmals einen Herzstillstand und stirbt drei Tage später.

Dezember 2005: Der französische Profi David di Tommaso (26) erliegt nach einem Spiel seines Clubs FC Utrecht einem Herzversagen. Ursache waren nach Angaben der Ärzte Herzrhythmusstörungen.

Januar 2004: Der ungarische Nationalspieler Miklos Feher (24) bricht im Spiel der portugiesischen Meisterschaft zwischen Vitoria Guimaraes und Benfica Lissabon zusammen und stirbt wenig später.

Juni 2003: Kameruns Nationalspieler Marc-Vivien Foé (28) kollabiert in Lyon im Halbfinale um den Confederations Cup gegen Kolumbien aufgrund plötzlichen Herzversagens.

Den "Fall Foé" hatte Professor Jiri Dvorak, Medizinischer Leiter der FIFA, als "Weckruf" bezeichnet. Der Weltverband kündigte in der Folge an, eine Untersuchung von Herzstillstand-Fällen durchführen zu wollen. "Wir haben die Mannschaftsärzte aller Nationalteams aufgefordert, am Aufbau einer weltweiten Datenbank mitzuarbeiten. Darauf aufbauend können wir dann eine Analyse der Risikofaktoren vornehmen", so Dvorak.

Dezember 2002: Der Mazedonier Stefan Toleski (23) bricht während eines Meisterschaftsspiels mit seinem Club FK Napredok zusammen und stirbt an den Folgen einer Herzattacke.

Oktober 2000: Der rumänische Nationalspieler Catalin Haldan (24) von Dinamo Bukarest erleidet während eines Freundschaftsspiels einen Gehirnschlag und stirbt.

April 1998: Nach dem Training hat Jenas Zweitliga-Profi Axel Jüptner einen Herzinfarkt und stirbt. Ursache ist eine unerkannte Herzmuskelentzündung.

Februar 1993: Bei einem Trainingslauf bricht der Rumäne Michael Klein vom Bundesligisten Bayer Uerdingen zusammen und stirbt an Herz- und Kreislaufversagen.

Risiko zwischen den Geschlechtern ungleich verteilt

Auch in anderen Sportarten gibt es Herztote. Dabei ist das Risiko zwischen den Geschlechtern ungleich verteilt, rund 90 Prozent der Betroffenen sind Männer. So verstarb Handballspieler Sebastian Faißt als 20-Jähriger bei einem Spiel der deutschen U21-Auswahl in Schaffhausen gegen die Schweiz. Faißt, der das deutsche Team als Kapitän führte und auch das erste Tor erzielte, brach nach einem Angriff beim Zurücklaufen ohne gegnerische Einwirkung zusammen. Trotz Wiederbelebungsmaßnahmen durch Mannschaftsarzt Kurt Steuer und einen Notarzt konnte er nicht gerettet werden und verstarb eine Stunde später. Bei der Obduktion in Zürich wurde Herzversagen als Todesursache festgestellt. Faißt galt als eines der größten deutschen Handballtalente.

Und das sind zwei spektakuläre Fälle aus diesem Jahr: Norwegens Schwimm-Weltmeister Alexander Dale Oen (23), Goldfavorit für die Olympischen Spiele über die 100-m-Brust-Strecke, sackte am 20. April im Höhentrainingslager in Flagstaff/US-Bundesstaat Arizona tot unter der Dusche zusammen - Ursache Herzversagen. Starbootsegler Timo Jacobs (29) wachte am Morgen nach einem Wettkampf am 13. Mai einfach nicht mehr auf. Offenbar war hier eine Herzmuskelentzündung die Todesursache .

Frühjahr 2012 in England: das "Wunder Muamba"

Glück im Unglück hatte der englische Fußballer Fabrice Muamba von den Bolton Wanderers, dessen Herz 78 Minuten lang nicht mehr schlug. Der 24-Jährige war am 17. März 2012 im FA-Cup-Spiel gegen Tottenham Hotspur einfach kollabiert. Doch wie durch ein Wunder konnte Muamba reanimiert werden.

Am 16. April 2012 wurde Muamba aus dem Krankenhaus entlassen; einige Ärzte bezeichneten diese schnelle Genesung als "medizinisches Wunder". Am 15. August schließlich gab Muamba dann bekannt, dass er seine aktive Karriere beendet.

"Was mir widerfahren ist, ist mehr als ein Wunder", sagte der frühere englische U21-Nationalspieler. Er habe mittlerweile zahlreiche Tests absolviert. "Aber es ist immer noch nicht genau klar, was meinen Kollaps verursacht hat. Vielleicht werden wir es nie wissen", so Muamba. Er habe bei dem Zusammenbruch keine Schmerzen gespürt, "nur ein seltsames Gefühl, das schwer zu erklären ist".

Prof. Tim Meyer war bei der Nationalmannschaft auch über Jahre direkt mit der Problematik konfrontiert. Der 43-malige Nationalspieler Gerald Asamoah, heute beim Erstliga-Aufsteiger Greuther Fürth unter Vertrag, lebt und spielt mit dem Risiko eines verdickten Herzmuskels. Ein Defibrillator ist seit Asamoah bei jedem Profispiel in einem deutschen Stadion vorhanden. Überhaupt sei der Fußball "führend" bei Vorsorge und Vorbeugung, betonte Meyer. Eine jährliche Ultraschalluntersuchung des Herzens ist Voraussetzung für jeden Profi der 1. und 2. Bundesliga, um die Spielberechtigung der Deutschen Fußball Liga (DFL) zu erhalten.

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