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Radsport-Weltverband (UCI) reformierte seinen Modus : TCT MV muss tief in die Tasche greifen

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Für die Bahnradsportler geht die Wettkampfsaison los. Diese wird es für die Elitefahrer des Track Cycling Teams Mecklenburg-Vorpommern in sich haben. Die Qualifikationstortur für die WM ist härter denn je.

svz.de von
erstellt am 22.Apr.2013 | 10:22 Uhr

Schwerin | Für die Bahnradsportler geht die Wettkampfsaison los. Diese wird es für die Elitefahrer in sich haben, die nur ein Ziel haben: Im nächsten Frühjahr bei der WM zu starten. Die Qualifikationstortur dafür ist härter denn je. Der Radsport-Weltverband (UCI) reformierte in kürzester Zeit seinen Modus. "Wir wurden von der UCI im Herbst informiert, wie es ab dieser Saison laufen soll. Die Zeit reicht aber nicht, um alles für eine vernünftige Wettkampfsaison in die Wege zu leiten", meint Ronald Grimm, Trainer des Track Cycling Teams Mecklenburg-Vorpommern.

Ausschließlich die Ergebnisse der drei noch nicht örtlich benannten Weltcups ab Herbst 2013 zählen für eine WM-Teilnahme. Die Qualifikationsplätze der Einzelwettbewerbe (Sprint, Keirin, 1000 Meter, Omnium, etc.) sind im Gegensatz zu früher jetzt namentlich und jeder Athlet muss an mindestens zwei der drei Weltcups teilgenommen haben. Da fängt die Leidensgeschichte an. Über den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) sind nur vier Sprinter bei jedem Weltcup startberechtigt. Bei der Fülle an Top-Fahrern in Deutschland würde ein Großteil auf der Strecke bleiben. Doch da gibt es auch die Startberechtigung durch eigenständige Teams wie das TCT MV oder Erdgas aus Chemnitz.

Das TCT MV, dass dem Schweriner SC angegliedert ist, ist mit Tobias Wächter, Marc Schröder und Daniel Rackwitz bei der UCI gemeldet. Allein das verursachte eine enorme Kostensteigerung. Im Vorjahr betrug die Anmeldegebühr fürs Team 1500 Euro, jetzt 4500 Euro. Auch der BDR will seit diesem Jahr Geld sehen und erhebt eine Gebühr von 500 Euro. Hinzukommt bei der UCI noch die Fahrerlizenz-Gebühr für die drei in einer Gesamthöhe von 1800 Euro. "Du zahlst erst einmal 7000 Euro und es ist noch nichts passiert", so Grimm, der anfügt: "Wir streben an, auch Stefan wieder zu integrieren. Er soll definitiv im Juli die deutsche Meisterschaft fahren, dann werden wir sehen, wie es mit ihm weitergeht." Teamsprint-Olympiasieger Nimke absolviert derzeit ein zehnwöchiges Praktikum für seine Ausbildung zum Polizeimeister und kann nur eingeschränkt trainieren.

Wenn Grimm mit seinen Fahrern, sofern sie nicht über den BDR nominiert werden, an den Weltcups teilnehmen will, dann kommen noch mal pro Wettkampf 20 000 Euro hinzu. "Damit bist du auf der sicheren Seite", so der Trainer.

Zudem erweist sich bereits die Weltcup-Teilnahme künftig schwieriger. Jeder Fahrer muss fünf Qualifikations-Rennen in eine Wertung einbringen. Die besten 45 Fahrer dieser internationalen Rangliste sind dann bei den Weltcups startberechtigt. Deutschland als starke Nation im Kurzzeitbereich kann über den BDR vier Fahrer und über private Teams fünf melden.

Auch diese fünf Qualifikations-Rennen muss das TCT MV erst einmal finanziell stemmen. Zu Gute kommt da, dass einige Wettbewerbe der höchsten Kategorie in Deutschland stattfinden. Und Tobias Wächter hat schon zwei Rennen in Russland im Kalender stehen, die er dort für den BDR fährt. So macht Grimm für diese Saison eine einfache Rechnung auf: "Rund 100 000 Euro brauchen wir. Vergangenes Jahr sind wir mit rund 35 000 ausgekommen."

Geld, das das Track Cycling Team MV nicht hat. Die angestammten Sponsoren wie die Stadtwerke Schwerin, die Sparkasse, Landesmarketing MV tut gut und Materialsponsoren können diesen Betrag allein nicht stemmen. "Wir sind bestrebt, einen größeren Sponsorenpool aufzubauen, aber im Radsport ist das nicht einfach", bemerkt der Trainer und stellt fest: "Wenn es uns nicht gelingt, unseren Sportlern die Möglichkeit zu bieten, an Rennen und Weltcups teilzunehmen, dann werden sie weggehen. Für uns würde es bedeuten, dass wir den Nachwuchs ausbilden und die Früchte ernten andere."

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