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Box-Profi Jürgen Brähmer : Suche nach Licht im Universum

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Jürgen Brähmer macht sein eigenes Ding. Als einer der ersten Universum-Profis wird der Ex-Weltmeister nächsten Samstag im Hamburger Grand-Elysee-Hotel seinen ersten Kampf seit mehr als 21 Monaten bestreiten.

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erstellt am 20.Jan.2012 | 08:09 Uhr

Hamburg | Jürgen Brähmer macht sein eigenes Ding. Als einer der ersten Universum-Profis hat der Ex-Weltmeister im Halbschwergewicht seine Sparringsrunden für diesen Tag abgespult, jetzt steht noch eine halbe Stunde Laufband auf dem Programm. Auslaufen bei 10 km/h - nichts also, was den Box-Profi, der nächsten Samstag im Hamburger Grand-Elysee-Hotel seinen ersten Kampf seit mehr als 21 Monaten bestreiten will, sichtlich in Anstrengung versetzen könnte.

Wenn man ihn denn sieht auf seinem Trainingsgerät ganz hinten in der Ecke des neuen Universum-Gyms. Die riesige Halle auf dem Gelände des Dima-Sportcenters in Hamburg-Lohbrügge, ursprünglich für einige Tennis-Courts konzipiert, ist mindestens drei Mal so groß wie das alte Universum-Domizil. Nach den Vorstellungen von Waldemar Kluch, dem neuen Chef des Boxstalls, soll sie als Heimstätte künftiger Universum-Kampfabende bis zu 3000 Zuschauern Platz bieten.

Seit letztem Sommer sitzt der 53 Jahre alte Kluch in der Universum-Geschäftsleitung, seit September als alleiniger Chef. Geholt worden war er von Promoter und Universum-Gründer Klaus-Peter Kohl, der den Russland-Deutschen, der Anfang der 70er Jahre mit seinen Eltern aus Kasachstan in die Bundesrepublik eingewandert war, schon 30 Jahre aus der Spielautomatenbranche kannte. Auch in Sachen Sport war der umtriebige Kluch kein unbeschriebenes Blatt. So hatte sich der einstige EM-Dritte im Karate bereits Anfang der 90er Jahre als Vertrauter der russischen Tennis-Elite um deren Nr. 1, Jewgeni Kafelnikow, einen Namen gemacht.

Milliardenschwere Investoren und TV-Vertrag noch nicht in Sicht

Und offenbar setzte Kohl, dessen Lebenswerk seit dem Ausstieg des ZDF Ende Juli 2010 wie eine Seifenblase zu zerplatzen drohte, auf finanzkräftige Kontakte Kluchs. Der düst dem Vernehmen nach auch gern mal im Privatjet nach Moskau, um dort seinen Geschäften nachzugehen. "Unsere neuen Investoren sind milliardenschwer. Es ist nicht die Frage, ob wir einen neuen TV-Partner finden, sondern welchen wir uns aussuchen", hatte der denn auch bei seiner Inthronisierung am 28. Juni vollmundig verkündet.

Inzwischen ist in dieser Sache Ernüchterung eingekehrt. Die Geldgeber, die sich beim Kampfabend im September vorstellen sollten, lassen ebenso auf sich warten wie ein lukrativer TV-Vertrag. Zudem sollen die Kämpfer vom September ihre Börsen erst im November erhalten haben - aber immerhin erhalten haben.

Ebenfalls überlebt hat sich eine weitere Ankündigung aus Kluchs Antrittsrede: "Es ist vertraglich fixiert, dass Herr Kohl noch mindestens zwei Jahre dabei bleibt. Ohne ihn ginge es auch gar nicht."

Seit September muss es das aber, nachdem Kohl nach heftigem Streit gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Dietmar Poszwa, dem Dritten aus dem Universum-Führungstrio, doch das schlingernde Schiff verlassen hatte. Inzwischen haben sich die Wogen offenbar geglättet. Kohl ist zumindest wieder als Berater tätig, Poszwa hält weiter die Verbindung zu den maßgeblichen Profi-Verbänden.

Kluch seinerseits versucht, in seinem Boxstall zu punkten. Den Kontakt zu Trainern - das sind nur noch Brähmer-Coach Michael Timm und Artur Grigorian, der Sebastian Zbik unter seinen Fittichen hat - und Sportlern wolle er intensivieren, hatte er ebenfalls versprochen. Und anders als Kohl, der sich nur selten in die Halle verirrte, kommt Kluch häufig aus seinem Büro im Dima-Fitnesscenter herüber. Auch heute wieder. Mit kleinen, energischen Schritten ist er ruhelos unterwegs. Ein paar Worte hier, ein aufmunterndes Schulterklopfen da, und weiter geht es. Man sieht, der Mann hat nicht viel Zeit. Er hat zu tun - in wievielen Branchen, das weiß aber wohl nur er genau.

Die gleichen Sparringspartner wie vor dem Cleverly-Kampf

Man spürt, seine Leute wollen Vertrauen fassen, wollen Licht am Ende des Tunnels oder sozusagen Licht im Universum erspähen. Auch wenn sie auf Fragen nach der Zukunft nach wie vor fast generell zweifelnd den Kopf wiegen.

Schon im März soll der übernächste Kampfabend stattfinden. Dann, so Kluch zuletzt, sollen die Sponsoren da sein. Und dann soll auch Jürgen Brähmer wieder boxen, schließlich will er möglichst noch in diesem Jahr wieder Weltmeister werden.

Doch erst einmal steht der Kampf in einer Woche an. Auch wenn sein spanischer Gegner Jose Maria Guerrero trotz 29 Siegen in 32 Kämpfen international ein recht unbeschriebenes Blatt ist, gibt der Schweriner in der Vorbereitung Gas. "Ich habe die gleichen beiden Sparringspartner wie vor dem Kampf gegen Nathan Cleverly", verrät er (der WM-Fight vom Mai 2011 war wegen eines Cuts an Brähmers Auge abgesagt worden). Nach anfänglichen Schwierigkeiten findet sich der 33-Jährige auch immer besser rein. "Die Bewegungen werden von Tag zu Tag geschmeidiger und schneller, die Schultern lockerer", resümiert er. Und dass die Athletik stimmt, ist schon allein daran zu erkennen, dass er das alles im Plauderton beim Laufen auf dem Band erzählt.

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