Stehplatz-Verbot nicht vom Tisch

<fettakgl>Bilder, die keiner mehr sehen will:</fettakgl> Beim  Relegationsrückspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC kam es im Mai zu heftigen Ausschreitungen.<foto>dpa</foto>
Bilder, die keiner mehr sehen will: Beim Relegationsrückspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC kam es im Mai zu heftigen Ausschreitungen.dpa

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17. Juli 2012, 08:20 Uhr

Berlin/Schwerin | Das Verbot von Stehplätzen in deutschen Fußballstadien und die Beteiligung der Vereine an den Kosten für Polizeieinsätze innerhalb der Arenen ist für Lorenz Caffier (CDU), Vorsitzender der Innenministerkonferenz, nicht vom Tisch. "Wir werden den Verlauf der kommenden Saison abwarten", sagte er gegenüber unserer Redaktion nach dem Sicherheitsgipfel des DFB "Für Fußball. Gegen Gewalt." Gestern trafen sich die Vertreter von 53 deutschen Proficlubs in Berlin, um mit Caffier und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich über Maßnahmen nach den Ausschreitungen der vergangenen Saison zu beraten. Als einziger Proficlub nahm Union Berlin nicht an dem Treffen teil und bezeichnete den Gipfel als "Akklamationsveranstaltung".

Auch wenn auf dem mit Spannung erwarteten Gipfel wenig Konkretes beschlossen wurde, lobte Innenminister Caffier die Vereine, die sich auf einen Verhaltenskodex einigten. "Damit sind nicht alle unsere Wünsche erfüllt, aber der Kodex ist ein deutliches Signal in die richtige Richtung", so der CDU-Politiker. In der Vereinbarung verurteilten die Vertreter der 53 Profivereine den Einsatz von Pyrotechnik sowie jede Form von Gewalt und erklärten ihren Willen, Verstöße gegen geltendes Recht zu sanktionieren. Darüber hinaus beschlossen die Vereinsvertreter, ihren Anteil an der Finanzierung von Fanprojekten zu erhöhen. Allerdings nicht in der von den Innenministern gewünschten Höhe von sechs Millionen Euro. "Wir waren dafür, dass ein Prozent aller Fernseheinnahmen für Fanprojekte eingezahlt werden", meinte Caffier.

Stadionverbote sollen zudem künftig bis zu zehn Jahre statt bisher drei Jahre betragen dürfen. Erst 2007 waren die Verbote von zuvor fünf auf drei Jahre reduziert worden. Andere Maßnahmen gegen Randale wie personalisierte Tickets oder flächendeckende Videoüberwachung blieben in der Schublade.

Die Innenministerkonferenz hatte Ende Mai einen Forderungskatalog zur Erhöhung der Sicherheit in Stadien aufgestellt, nachdem die Gewalt in den letzten Jahren stetig zunahm und einen traurigen Höhepunkt im Relegationsspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC erreichte. Caffier hatte als Vorsitzender der Innenministerkonferenz den DFB und die Vereine heftig kritisiert. "Der Deutsche Fußballbund nimmt Millionen Euro mit der Vermarktung von Fernsehrechten ein. Vor diesem Hintergrund vermisse ich beim DFB und seinen Vereinen mehr Engagement, mit baulichen und organisatorischen Veränderungen die Sicherheit in Stadien zu erhöhen", hatte er im Mai im Interview mit unserer Zeitung gesagt.

Die Ergebnisse des gestrigen Gipfels sollen am kommenden Montag bei einem Treffen der Innenminister und-senatoren der Länder beraten werden. "Dann haben DFB und DFL die Gelegenheit ihre heutigen Vorschläge vor der Innenministerkonferenz vorzustellen und zu begründen", so Minister Caffier.

Ligapräsident Reinhard Rauball kündigte gestern an: "Das ist die Auftaktveranstaltung, um Reformen einzuführen." Zur Winterpause sollen "weitere Beschlüsse" gefasst werden.

Ein Pilotprojekt hat Caffier für die Heimspiele des Drittligisten FC Hansa Rostock geplant. Am Eingang zum Stadion sollen noch in der kommenden Saison die Personalausweise der Besucher gescannt, und die Daten mit einer Stadionverbot-Datei verglichen werden. Damit erhofft sich der Innenminister eine schnellere Identifizierung von Gewalttätern.

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