Quali-"Streik" - Strutzi im Finale : Stabhoch-Ladies proben den Aufstand

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Martina Strutz hat bei der Situations-Comedy der Stabhochspringerinnen viel Spaß. Wolfgang Birkenstock

Mit einer unerwarteten Comedy-Einlage wurde gestern das Publikum bei der Leichtathletik-EM beglückt. Statt ihre geforderten Sprünge in der Qualifikation durchzuziehen, probten die Stabhochspringerinnen den Aufstand.

svz.de von
29. Juni 2012, 10:33 Uhr

Helsinki/Schwerin | Mit einer unerwarteten Comedy-Einlage wurde gestern jener Teil des Publikums bei der Leichtathletik-EM beglückt, der schon am Morgen den Weg in Helsinkis traditionsreiches Olympiastadion gefunden hatte. Statt ihre von den Offiziellen geforderten Sprünge über 4,45 m in der Qualifikation durchzuziehen, probten dort die Stabhochspringerinnen den Aufstand.

Sinnloses Kraftverpulvern für die elf 4,40-Springerinnen

Elf von ihnen - darunter das deutsche Trio Martina Strutz (Schwerin/Neubrandenburg), Silke Spiegelburg (Leverkusen) und Lisa Ryzih (Ludwigshafen) - hatten die 4,40 gemeistert. Jirina Ptacnikova hatte diese Höhe ausgelassen. Zuvor hatte die Tschechin die 4,35 ebenso im ersten Versuch genommen wie Monika Pyrek (Pol) und Stella-Iro Ledaki (Gre), die dann aber jeweils an 4,40 scheiterten. Somit wären 14 statt der üblichen zwölf Springerinnen morgen ab 18.15 Uhr MESZ (ZDF live) im Finale gewesen. Ein Fakt, mit dem die Athletinnen durchaus hätten leben können, nicht aber die Offiziellen. Die forderten: Weiter! Ein sinnloses Kraftverpulvern für die elf 4,40-Springerinnen, die in jedem Fall durch waren. Und so marschierte u. a. Silke Spiegelburg mit dem Stab in der Hand auf die Matte, Martina Strutz "ritt" unter dem Gejohle des Publikums auf ihrem Stab auf der Anlaufbahn zurück. Als einzige sprang Ptacnikova, überwand die 4,45, qualifizierte sich als Zwölfte fürs Finale und setzte so dem Gaudi ein Ende.

"Lustig war es allemal. Ich hoffe wir können die Stimmung mit ins Finale nehmen", sagte Vizeweltmeisterin Martina Strutz auf Leichtathletik.de. Die 30 Jahre alte deutsche Rekordhalterin (4,80) hat auch allen Grund zum Optimismus, nachdem sie mit drei blitzsauberen Sprüngen über 4,25; 4,35 und eben 4,40 ebenso problemlos das Finale erreichte wie Silke Spiegelburg. Nur Lisa Ryzih hatte bis zum dritten Sprung über 4,40 zittern müssen.

Verena Sailer enttäuscht: "Ich wollte, es ging nicht"

Europas "König der Athleten" kommt aus Deutschland - Sprint-"Königin" Verena Sailer dagegen ist entthront: Pascal Behrenbruch hat das erste deutsche EM-Gold eines Zehnkämpfers seit Joachim Kirst 1971 für die DDR ebenfalls in Helsinki gewonnen und feierte den Triumph schwer atmend und mit erhobenen Armen. Über 100 Meter ging Titelverteidigerin Sailer am gestrigen Abend als Sechste leer aus. Nach 11,28 Sekunden flitzte Iwet Lalowa aus Bulgarien über 100 Meter als Erste über die Ziellinie. "Das ist gründlich in die Hose gegangen", so Sailer.

Für das 89-köpfige Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) war Behrenbruchs Erfolg am kühlen zweiten Wettkampftag die zweite Medaille bei der Generalprobe für die Olympischen Spiele in London. Arne Gabius hatte am Tag zuvor Silber über 5000 Meter geholt.

Behrenbruch hatte nach der persönlichen Bestleistung von 5,00 Metern im Stabhochsprung erstmals die Führung vor dem Ukrainer Alexej Kasjanow übernommen und gab sie auch im Speerwerfen und abschließenden 1500-Meter-Lauf nicht mehr ab. Am Ende lag der 27-jährige Frankfurter, der sich mit dem DLV überworfen hat und bei Olympiasieger Erki Nool in Estland trainiert, mit 8558 Punkten vorn. Silber ging an Kasjanow (8321), Bronze an den Russen Ilja Schkurenjow (8219). Norman Müller (Halle/Saale) wurde Siebter. Die letzte Zehnkampf-Medaille für Deutschland bei einer EM hatte Christian Schenk 1994 mit Bronze geholt, den letzten internationalen Titel ebenfalls der Rostocker bei den Sommerspielen 1988 in Seoul.

Nach ihrem Coup 2010 und einer verletzungsbedingten Pause 2011 meldete sich Sailer zwar als deutsche Meisterin zurück. Bis an die europäische Spitze reichte es aber nicht. "Ich wollte hinten Gas geben, aber es ging nicht. Ich bin schon echt enttäuscht", meinte sie mit langem Gesicht. "Man hat sich denken können, dass ich eine Medaille machen wollte. Jetzt konzentrieren wir uns auf die Staffel. Mit uns Dreien ist da was drin." Tatjana Pinto (Münster) und Sailers Clubkollegin Anne Cibis (früher Möllinger) belegten im Finale die beiden letzten Plätze. Lalowa siegte vor der zeitgleichen Olessja Powh aus der Ukraine und Lina Grincikaite aus Litauen (11,32).

Im Weitsprung schlug die beste Deutsche die Hände über dem Kopf zusammen - und freute sich dann doch: Nur um einen Zentimeter verpasste Sosthene Moguenara eine Medaille, mit 6,66 Metern landete die 22-Jährige aus Wattenscheid auf dem vierten Platz hinter Margrethe Renström (Nor).

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