Volleyball: Golden-Set ist Geschichte : Sportliche Entscheidung statt Lotto

<strong>Jubel nach dem Golden Set </strong>- wie hier bei den SSC am Ostersonnabend beim DM-Halbfinale  in  Vilsbiburg - wird es in der Bundesliga nicht mehr geben. <foto>Foto: Nils Köpke</foto>
Jubel nach dem Golden Set - wie hier bei den SSC am Ostersonnabend beim DM-Halbfinale in Vilsbiburg - wird es in der Bundesliga nicht mehr geben. Foto: Nils Köpke

"Der Golden Set ist nicht meine Idee, ich habe das nicht gerne. Da kann alles passieren. Das ist ein Finale." Die Aussagen von Teun Buijs, Trainer des SSC, sind harmlos im Vergleich mit einigen Fan-Kommentaren.

svz.de von
07. Juni 2012, 11:21 Uhr

Schwerin | "Der Golden Set ist nicht meine Idee, ich habe das nicht gerne. Da kann alles passieren. Das ist ein Finale." Diese Aussagen von Teun Buijs, Trainer der Volleyballerinnen des Schweriner SC, getätigt in der Schlussphase der abgelaufenen Serie, gehören noch zu den harmloseren, wenn man sich in der vergangegen Saison Kommentare von Fans und Spielerinnen zu diesem Thema anhörte. Wenn in einer K.o.-Runde jede Mannschaft ein Spiel gewonnen hatte - egal, wie -, wurde gleich anschließend dieser ominöse Entscheidungssatz bis 15 gespielt. Der SSC hatte dabei zweimal Glück: Erst gewannen sie im Meisterschafts-Viertelfinale gegen den VfB Suhl im Golden Set nach vier abgewehrten Matchbällen mit 17:15, im Halbfinale am Ostersonnabend setzten sie sich in Vilsbiburg gar mit 15:7 durch. Dabei hätte es nach der älteren Europapokal-Arithmetik vor allem in Niederbayern gar nicht zu diesem Lotteriespiel kommen dürfen: Nach dem 3:0 im Hinspiel und dem 1:3 in Vilsbiburg wäre Schwerin klar in der Vorderhand gewesen.

Bis vor wenigen Jahren und im Männerbereich bis heute waren bzw. sind derlei Gedankspiele gar nicht erst nötig. Im Jahr 1995 holten Schwerins Damen ihren ersten gesamtdeutschen Meistertitel im Play-off-Finale gegen den USC Münster: Die Auftaktpartie ging seinerzeit verloren, anschließend holte der SSC zwei Siege in der Halle am Berg Fidel und triumphierte eine Woche später vor 5000 Zuschauern in der Sport- und Kongresshalle gar mit 3:0 - die Serie "Best of 5" war mit drei Schweriner Siegen entschieden. Noch heute schwärmen viele Fans davon, konnten sie doch seinerzeit gleich busseweise nach Münster reisen, da sie dort auf jeden Fall zwei Spiele sehen würden…

Und so kann es ab sofort wieder kommen. Denn in der kommenden Saison kehrt die Frauen-Bundesliga wieder zu diesem Modus zurück - und baut ihn sogar noch aus. Von den zwölf Frauen-Bundesligisten werden zehn in die K.o.-Runde einziehen - lediglich das unter dem Namen "VC Olympia Berlin" firmierende DVV-Nachwuchsteam und die punktschlechteste Frauenmannschaft scheiden aus. Die Plätze eins bis sechs bringen den direkten Einzug ins Viertelfinale, die übrigen vier Vertreter spielen nach dem Modus "Best of 3" die beiden letzten Teilnehmer in der Runde der letzten acht aus. Dort und im Halbfinale benötigt man ebenfalls zwei Siege zum Weiterkommen. Erst im Finale sind maximal fünf Spiele möglich: Wer dreimal gewinnt, ist deutscher Meister.

"Die Play-offs bei den Männern haben sich bewährt, das haben das Medieninteresse und die große Zuschauerresonanz gezeigt", erklärt Michael Evers, der Vorsitzende der Deutschen Volleyball-Liga (DVL) aus Schwerin die Entscheidung, Frauen und Männer zukünftig nach dem gleichen Modus spielen zu lassen. Vielen Sportlern und Fans bleibt die Hoffnung, dass das Lotteriespiel "Golden Set" zumindest national endgültig in den Geschichtsbüchern landet und dort von einer dicken Staubschicht bedeckt wird…

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