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Jürgen Bogs - Erfolgstrainer der DDR : Selten gestellte Frage: Wie gehts, Herr Bogs?

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In der DDR als Coach zehnfacher Meister mit BFC Dynamo geworden, heute Trainer vom Fußball-Oberligisten 1. FC Neubrandenburg 04: Jürgen Bogs hat einen familiären Schicksalsschlag und eine schwierige Zeit hinter sich.

svz.de von
erstellt am 15.Feb.2013 | 06:08 Uhr

Neubrandenburg | Wie geht es Ihnen? - Eine Frage, die Jürgen Bogs von den Medien selten (bis nie) gestellt bekommt, wenn er offiziell als neuer Trainer eines Fußball-Vereins präsentiert wird. Meist läuft es so ab: Ihm wird ein Mikro vorgehalten, und er soll Stellung beziehen zu seiner Vorwende-Vergangenheit als Coach des zehnfachen DDR-Meisters BFC Dynamo, der bekanntlich von Stasi-Chef Erich Mielke begünstigt und gehätschelt wurde. Nicht anders war das vor gut drei Monaten bei der Vorstellung in der Geschäftsstelle von Fußball-Oberligist 1. FC Neubrandenburg 04.

"Immer wieder diese Fragen zum BFC…"

Bogs: "Ich weiß von einem mir gut bekannten Rundfunkmann, dass die Journalisten den Auftrag haben, mir immer wieder diese Fragen zum BFC und so weiter zu stellen. Die müssen das." Und - auch um dem Gegenüber keinen Ärger zu bescheren - gibt er Auskunft: Freundlich, formelhaft, stoisch, ruhig.

Der Privat-Bogs interessiert kaum. Dabei hat Jürgen Bogs persönlich schwierige Jahre hinter sich, einen tiefen Einschnitt im familiären Leben. Dass er für eine lange Zeit komplett aus dem Fußball-Geschäft abgetaucht war, dafür gibt es auch tragische Gründe.

Also: Wie geht’s? - "Wieder besser, wieder gut", antwortet der 66-jährige Berliner. "Der Fußball hilft mir."

Der Schicksalstag liegt dreieinhalb Jahre zurück: Am 20. September 2009 verstarb seine Ehefrau Barbara nach einer quälenden Brustkrebs-Erkrankung. "Sie hatte zwei Chemotherapien hinter sich, 30 Bestrahlungen, doch es half alles nichts", erzählt Jürgen Bogs, der selbst schwere Bandscheiben-Probleme, Knie-Operationen und Arbeitslosigkeit zu überstehen hatte. "Es gab Wochen, da war ich jeden Tag, am Vormittag und am Nachmittag, bei meiner Frau im Krankenhaus." Dann wieder war sie daheim, in dem Haus, das sich das Ehepaar noch im Jahr 2000 in Alt-Marzahn gebaut hatte, um hier gemeinsam seinen Lebensabend zu genießen.

Jürgen Bogs pflegte seine Barbara, so gut er konnte. Er hat die letzten dramatischen Stunden wieder vor Augen: "Zwei Tage vor ihrem Tod durfte sie noch einmal nach Hause. Alles war vorbereitet. Sauerstoffgerät, Pflegebett, Rollator. Doch ihr Zustand verschlechterte sich rapide. Ich war gezwungen, das Unfallkrankenhaus anzurufen." Von dort wurde die sterbenskranke Frau nach Berlin-Buch verlegt, und es ging allmählich zu Ende. "Um 2 Uhr nachts ist meine Frau eingeschlafen", sagt Jürgen Bogs. Er war bei ihr. "Sie sah mich noch einmal an und dann war es aus."

Der Sohn, der mit seiner Familie im nahen Eggersdorf wohnt, hatte sich noch von seiner Mutter verabschieden können. "Unsere Tochter schaffte es aus Wien leider nicht mehr. Aber die Leute in der Klinik waren so freundlich, meine Frau bis zum Eintreffen meiner Tochter in dem Bett zu lassen."

Eine ganz traurige Zeit. Was tun? "Mir war klar, dass ich einfach nicht zu Hause sitzen konnte, da wäre mir die Decke auf den Kopf gefallen. 135 Quadratmeter, eigentlich viel zu groß für mich. Und ein Fernseh-Typ bin ich auch nicht", so Jürgen Bogs, der froh war, wenige Tage nach der Beisetzung einen Trainer-Job beim FC Schwedt zu bekommen. Von dort ging es über die Stationen Schönower SV und SV Zehdenick direkt zum 1. FC Neubrandenburg 04. "Auch wenn es bei laufender Saison kam - dieses Angebot konnte ich nicht ablehnen. Von der achten in die fünfte Liga, das ist für mich wie ein Sechser im Lotto gewesen", sagt der gebürtige Uckermärker.

Finanziell hat er es nicht nötig, noch Trainer zu sein. "2008 bin ich mit Abschlägen in Frührente gegangen. Das Haus ist mittlerweile abbezahlt", so Bogs, der schon immer ein leidenschaftlicher "Laubenpieper" gewesen ist und nun auch mit dem exquisiten Rasenteppich auf seinem Grundstück von den Nachbarn neidisch-respektvolle Blicke über den Gartenzaun erntet. "Einige meiner Bekannten sagen mir: ,Du bist ja bekloppt, statt schön zu Hause zu bleiben, tust du dir noch den Fußball-Stress mit der ganzen Fahrerei an. Aber für mich ist die Arbeit mit den jungen Leuten wie ein Jungbrunnen. Ich habe den Spaß daran nicht verloren", beteuert der erfahrene Trainer.

Bei dem Club in Neubrandenburg, wo er auch Fußball-Unterricht am Sportgymnasium gibt, sei er "längst angekommen. Die Mannschaft hat Potenzial, gehört in die Oberliga, und die Schulstunden erinnern mich an meine frühen Lehrerjahre nach dem Studium an der Leipziger DHfK".

Seine fußballfreien Zeiten scheinen ebenfalls nicht langweilig zu sein. "Letzte Weihnachten war ich in Wien bei meiner Tochter zu Besuch, die sich dort als Physiotherapeutin selbstständig gemacht hat." Bogs lächelt: "Silvester feierte ich dann bei einem meiner Brüder in Schwedt, da war fast die ganze Familie dabei." Die ist riesig. "Wir sind insgesamt zehn Geschwister und stammen alle aus dem Ort Biesendahlshof in der Uckermark. Und ich bin der Älteste."

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