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25. September 2017 | 06:32 Uhr

Suizidversuch : Rafati-Drama lähmt Bundesliga

vom

Gut zwei Jahre nach dem Freitod von Robert Enke ist der deutsche Fußball am Sonnabend mit dem Suizidversuch von Babak Rafati erneut erschüttert worden.

svz.de von
erstellt am 20.Nov.2011 | 07:21 Uhr

Köln | Bestürzung, Fassungslosigkeit, Betroffenheit - das Drama um den Schiedsrichter aus Hannover hat das Wochenende das Geschehen in der Fußball-Bundesliga überschattet. DFB-Präsident Theo Zwanziger suchte mit betretener Miene nach Erklärungen für das, was er in Köln vorgefunden hatte.

Mit aufgeschnittenen Pulsadern war Rafati im Kölner Hyatt-Hotel in der Badewanne seines Zimmers aufgefunden worden. Der 41-Jährige sollte eigentlich das Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Mainz 05 leiten. Als Rafati um 13.30 Uhr nicht zur Spielbesprechung erschienen war, hatten seine drei Assistenten gedankenschnell Alarm geschlagen - und so wohl sein Leben gerettet. "Sein Zustand ist stabil", sagte DFB-Sprecher Ralf Köttker gestern.

Inzwischen liegt Rafati auf der Intensivstation des Krankenhauses in Köln-Holweide. Am Samstagabend hatte er bereits erstmals wieder mit seinen Angehörigen gesprochen. In einem kurzen Telefonat soll er sich bei seinem Vater Djalal für seinen Suizidversuch entschuldigt haben. "Er sagte nur: Papa, verzeih mir, was ich getan habe. Ich habe ihm gesagt. Natürlich, du musst dich jetzt erst einmal erholen", berichtete Djalal Rafati.

Warum Rafati diesen Schritt gewählt hat, konnte sich der Vater nicht erklären. Er sei nach seiner Scheidung mit seiner Freundin seit einigen Jahren zusammen und glücklich gewesen. Auch von Depressionen oder Burn-out habe sein Sohn nie etwas erzählt. Wenn er das getan hätte, hätte er sofort reagiert, sagte Djalal Rafati.

Ob es die Drucksituation tatsächlich war, die Rafati zu diesem Schritt trieb, blieb unklar. Die Begegnung 1. FC Köln gegen Mainz 05 sollte Babak Rafatis 85. Bundesligaspiel werden. "Einer unserer Spitzen-Schiedsrichter", beschreibt DFB-Präsident Theo Zwanziger den Filialleiter einer Sparkasse in Hannover, der bereits im Alter von 16 Jahren Fußballspiele leitete. Rafati, der die Kindheit mit seinen iranischen Eltern in Teheran verbrachte, wollte eigentlich Profifußballer werden. Doch sein Talent reichte nicht aus.

Den Weg in den Profifußball schaffte er aber trotzdem. Seit Jahren ist er nun schon fester Bestandteil der deutschen Schiedsrichter-Gilde. Neben seinen 84 Erstliga-Spielen - das letzte pfiff er am 15. Oktober beim Spiel zwischen dem VfB Stuttgart und 1899 Hoffenheim (2:0) - kam Rafati auch 102 Mal in der zweiten Liga zum Einsatz. Höhepunkt seiner Karriere waren einige internationale Spiele. So brachte es der 41-Jährige, der 2008 den frei werdenden Platz von Markus Merk als FIFA-Schiedsrichter eingenommen hatte, auf zwei Länder- und zwei Europacupspiele.

Doch seine internationale Karriere währte nicht lange. Im September 2011 gab der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bekannt, dass er nicht mehr als FIFA-Referee gelistet wird. Gleiches galt für Peter Sippel, dafür rückten Marco Fritz und Felix Zwayer auf. Eine "alttersbedingte Umstrukturierung", begründete der DFB den Schritt.

Der Ruf Rafatis war in der Bundesliga nicht der beste. Dreimal wurde er in Umfragen der Bundesligaprofis durch das Fachmagazin "Kicker" zum schlechtesten Schiedsrichter im Oberhaus gewählt, im vergangenen Sommer belegte er in diesem unrühmlichen Ranking hinter Wolfgang Stark den zweiten Platz. In diversen Bundesligaforen stand er des Öfteren in der Kritik.

Bei der Polizei Köln dauerten am Sonntag die Ermittlungen noch an, wenngleich ein Polizeisprecher betonte, dass nichts auf ein Fremdverschulden deute und von einem Suizidvergehen ausgegangen wird. Anzeichen dafür, so sein Umfeld, habe es nicht gegeben. Umso mehr lobte Zwanziger die drei Assistenten Patrick Ittrich, Holger Henschel und Frank Willenborg für ihr schnelles Eingreifen. Ihnen komme das entscheidende Verdienst zu, dass Rafati noch lebe.

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