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Plackerei über Bunker und durch den "Gulf of Weeze"

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erstellt am 05.Mai.2010 | 08:12 Uhr

Weeze | Der Strongman Run auf dem Gelände des Airports Niederrhein in Weeze ist stets ein Volksfest und eine Herausforderung für jeden Teilnehmer. Die Hindernisse verlangen den Akteuren alles ab. Die meisten der 27 Hindernisse auf der 18 Kilometer langen Strecke arten in Plackerei aus, doch über die Wassergräben freuten sich die meisten Läufer, denn das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite.

6955 Läufer, davon 900 Frauen, gingen an den Start. 6563 kamen ins Ziel. Im Zeitlimit von 3:30 Stunden haben es 221 Frauen und 3636 Männer geschafft. Eine von ihnen war die Schwerinerin Pia Birkefeld, die für uns ihre Erlebnisse schildert.

"Ich habe schon an mehreren Laufveranstaltungen teilgenommen, bis hin zum Halbmarathon. Hier wollte ich meine Grenzen testen.

Nach dem Startschuss ging es über diverse Bunker, immer wieder hoch und auf der anderen Seite runter. Dann kam ein sehr steiler Sandhügel, dann das erste Wasserloch. Anschließend lief ich durch Wald und ins Gelände. Ich sah von Weitem das ,Spider Web. Es waren zusammengeschnürte Strohballen davor aufgebaut. Ich zog mich an ihnen hoch, dann ging es über eine Plattform und an der anderen Seite war das Netz gespannt. Ich kletterte wie an einer Leiter herunter, lief über alte Autoreifen, um dann wieder das Netz hochzuklettern. Am Ende wartete ein Sprung auf Strohballen von ca. 2 m Höhe auf mich.

"Ein Becher Wasser für mich, einen für den Kopf"

Bei Kilometer sechs watete ich durch eine Erdgrube. Dann endlich - ein Verpflegungspunkt. Ich wusste aus Erfahrung, dass mein Körper Flüssigkeit und Kohlenhydrate braucht. Also ein Becher Wasser für mich und einen für meinen Kopf. Die halbe Banane schob ich mir während des Laufens in den Mund.

Weiter ging meine Strecke über eine Steilkurve mit 10 % Steigung. Dann kam ein, für mich, endloser Sandlauf mit Bergen bis zu 50 % Steigung. Endlich wieder Wasser, ,Gulf of Weeze wurde das Hindernis genannt. Ein Wasserteich, 30 m lang und bis 2,5 m tief. Man hätte das Wasserloch auch umlaufen können, aber das kam für mich nicht in Frage. Also Zähne zusammenbeißen und durch. Ich lief ins Wasser, es waren keine 3 m, dann war ich bis zur Brust im eiskalten Wasser. Es schnürte mir die Brust zu und ich versuchte, vorwärts zu kommen. Dann war ich plötzlich ganz weg - ich hatte mich so erschrocken, dass ich Wasser schluckte und unterging.

Ich sah die Männer mit ihrer Taucherausrüstung an den Seiten stehen, fasste meinen Mut zusammen und fing wieder an zu kämpfen. Mir blieb nichts anderes übrig, ich musste schwimmen. Ich fühlte, wie das eiskalte Wasser auf meiner Haut kribbelte wie kleine Nadeln, aber ich biss mich durch. Dann merkte ich Boden unter den Füßen und alles ging plötzlich sehr schnell - ich war aus dem Wasser und fing wieder an zu laufen. Meine Beine waren schwer, aber nicht kraftlos. Es dauerte keine 300 m, bis sich mein Körper wieder erholt hatte und mein Lächeln zurückkehrte. Es folgten sandige steile Berge und ein weiterer Wassergraben, der 30 m lang war, aber nicht so tief wie der Wasserteich. Dann kam ein 50 m langer künstlicher Kanal. Schnell wurde mir klar, warum hier so viele Zuschauer waren: Dieser Kanal hatte es in sich, er war lehmig, rutschig und sehr dreckig.

Wer jetzt noch nicht modderig aussah, der holte das hier nach. Also lief ich durch, in der Hoffnung, nicht irgendwo wegzurutschen und der Länge nach hinzufliegen. Ich schaffte es, natürlich mordsmäßig dreckig, aber egal. Es folgte ein Lehmhügel mit steilem An- und Abstieg, dann wieder ein Wasserloch. Und dann, ich konnte es kaum glauben, hatte ich meine erste Runde geschafft.

Am Verpflegungspunkt holte ich mir Flüssigkeit, Banane und ein Powergel. Weiter ging es in die nächste Runde, noch 8 km. Ich fühlte mich gut und hatte immer noch meinen Spaß, doch ich merkte auch, dass meine Kraft nachließ. Ich wollte es schaffen, durchkommen und am Ziel sagen: "Ich habe alles gegeben!"

Das letzte Hindernis war der steile Sandberg mit 50 % Steigung. Laufen konnte ich diesen nicht mehr. Ich fühlte meine Beine nicht mehr und meine Kraft war weg. Durch ein paar aufbauende Worte meines Freundes, der die ganze Zeit dicht hinter mir war, und seine Hand, die mich leicht schob, wurde ich noch einmal motiviert und schaffte mit letzter Kraft dieses Hindernis. Noch ca. 600 m bis zum Ziel.

Platt und total K.o, aber hammermäßig stolz

Es war ein schönes Gefühl, an den jubelnden Zuschauern vorbeizulaufen. Noch einmal alles geben, dann ist der große Fishermans Friend Strongman Run geschafft. Zieleinlauf war bei 2:41:16 Stunden. Ich war platt und total K.o, aber hammermäßig stolz. Ich hatte mir den 31. Platz erkämpft. Mir schwillt die Brust, wenn ich daran denke, denn schließlich werde ich bald 40.

PS: Für nächstes Jahr habe ich mich wieder angemeldet..."

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