Offener Brief an DFB-Chef Zwanziger

<strong>Spielen in Staub und Müll:</strong> Kinder aus dem Container-Ghetto Blikkiesdorp am Rande des Flughafens von Kapstadt.<foto>dpa</foto>
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Spielen in Staub und Müll: Kinder aus dem Container-Ghetto Blikkiesdorp am Rande des Flughafens von Kapstadt.dpa

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26. Juli 2010, 06:47 Uhr

Schwerin/Frankfurt/Main | Eine Sache treibt den Fußball-Fan Volkbert Keßler um: die vergessenen Kinder von Kapstadt. Für die Errichtung des 350 Millionen Euro teuren Green-Point-Stadiums von Kapstadt - gemäß einer Fifa-Forderung trotz Granit-Untergrunds mit Meerblick direkt am Fuße des Tafelberges gelegen - wurden Tausende bettelarme Farbige zwangsumgesiedelt in ein Containerdorf. Dort, am Rande des Flughafens von Kapstadt, leben in rund 1500 Blechhütten inzwischen mehr als 12 000 Menschen.

Darum hatte der Schweriner in dieser Zeitung am 9. Juli einen Spendenaufruf an DFB-Kapitän Philipp Lahm initiiert, in dem es u. a. hieß: "WM in Südafrika, das sind nicht nur Fußball, Spaß und Freude. Das sind ebenso bitterarme Menschen, die wegen dieses Ereignisses zwangsweise umgesiedelt wurden. Wie die Bewohner von Blikkiesdorp, einem Flüchtlingslager bei Kapstadt, der Stadt, in der Sie und Ihre Mannschaft den historischen 4:0-Sieg über Argentinien feierten. Diese Menschen - vor allem die Kinder - brauchen Hilfe. Auch unsere Hilfe.

Da ich weiß, dass Sie persönlich sich schon lange für benachteiligte Kinder einsetzen und deshalb sicher bin, auf offene Ohren zu treffen, möchte ich Sie aufrufen: Bitte machen Sie Ihren Einfluss als Kapitän der DFB-Elf geltend, dass über die Nationalmannschaft und die Offiziellen des Deutschen Fußball-Bundes mit einem Teil der WM-Prämien als Starthilfe ein Spendenkonto für die ,vergessenen Kinder von Kapstadt eingerichtet wird, auf das auch die Fans Spenden einzahlen können. Ich selbst möchte mit 1000 Euro vorangehen."

Diverse Leser fanden das Anliegen toll und wollten sich mit einbringen. Zugleich hat die Sportredaktion Keßlers Anliegen an den Deutschen FußballBund (DFB) in Frankfurt/Main weitergeleitet. "Die vergessenen Kinder dürfen nicht vergessen sein. Der DFB kann und darf aus seiner Verantwortung nicht entlassen werden", sagt Volkbert Keßler.

Während beim DFB das Anliegen laut Pressechef Harald Stenger erst einmal "aus Wiedervorlage" gelegt wurde, versuchte Herr Keßler ein Spendenkonto quasi als Überbrückung einzurichten. Doch die Sache erweist sich als komplizierter als gedacht. Seit dem Unicef-Spendenskandal vor einigen Jahren ist es sehr kompliziert und äußerst langwierig. Er wandte sich an "humedica", Unicef und "Ein Herz für Kinder". "Dort wurden mir die Schwierigkeiten für die Eröffnung eines speziellen Kontos aufgezeigt."

Doch der Schweriner, der sich seit Jahren humanitär engagiert und u.a. vor und nach der US-Invasion mit Solidaritätsgütern im Irak war und der mithalf, dass eine obdach- und brotlos gewordene Fischerfamilie in Sri Lanka nach dem verheerenden Tsunami von 2005 ein neues Haus und ein neues Boot bekam, will die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Darum schrieb Volkbert Keßler jetzt an DFB-Präsident Theo Zwanziger: "Meine Bitte an Sie, Herr Präsident, ist, dass Sie persönlich die Angelegenheiten wohlwollend prüfen und unterstützen. Ich bin sicher, dass der DFB in der Lage ist, einen Weg zu finden, wie eine solche befristete Spendenaktion an- und ablaufen könnte. Ich denke dabei an die Eröffnung eines Spendenkontos seitens des DFB, dessen Erlös an die Stadtverwaltung Kapstadt zur Verbesserung der Wohnungs- und Lebenssituation der vergessenen Kinder im Container-Ghetto Blikkiesdorp übergeben werden sollte."

Leser, die Näheres zu den vergessenen Kindern wissen wollen, können sich unter Telefon 0385 - 56 19 31 an ihn wenden. "Ich bleibe am Ball!", verspricht Keßler.

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