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Sportticker

21. August 2017 | 16:08 Uhr

Neustrelitz und Chelsea

vom

Berlin | Das Nachrichtenmagazin "Focus" und das ARD-Magazin "Fakt" haben in der Berichterstattung zum aktuellen Wett- und Manipulationsskandal im Fußball gestern den Namen TSG Neustrelitz wieder in den Blickpunkt gerückt. Demnach soll das schon seit längerem unter Manipulationsverdacht stehende Oberliga-Heimspiel der TSG gegen den BFC Dynamo vom 17. Mai 2009 (1:2) im Rahmen einer Kombiwette mit den Heimpartien des FC Chelsea (2:0 gegen Blackburn Rovers), von Galatasaray Istanbul (2:1 gegen Genclerbirligi Ankara) und Reggina Calcio (2:1 gegen Cagliari Calcio in Italiens Serie A) als ein so genanntes Bankspiel fungiert haben. Dabei musste das TSG-Spiel richtig getippt werden - bei den anderen durfte man einmal daneben liegen.

Für TSG-Wette offenbar 29 000 Euro kassiert

Laut "Focus" sollen in dieser Kombiwette der Berliner Ante Sapina - schon 2005 im Hoyzer-Skandal als Drahtzieher verurteilt - und sein Kumpan Marijo C., die über den Mittelsmann Dragan M. Einsätze von 1015 und 6000 Euro bei den privaten Wettanbietern Digibet und Happybet platziert hatten, insgesamt 29 000 Euro an Wettgewinnen kassiert haben.

Nicht neu an den neuen Neuigkeiten ist hingegen, dass dafür vom seit November 2009 inhaftierten Sapina drei Neustrelitzer Spieler mit jeweils 1000 Euro bestochen worden sein sollen. Das wurde bereits Anfang August publik. Um wen es sich dabei handeln soll, bleibt aber weiterhin unklar. Alle Neustrelitzer Spieler hatten im Januar 2010, als die TSG erstmals im Zusammenhang mit dem Wettskandal genannt worden war, an Eidesstatt erklärt, nichts mit Spiel-Manipulationen zu tun und nie auf TSG-Spiele gewettet zu haben.

Im August waren einzelne Spieler der TSG als Zeugen vom Verbandsgericht des NOFV zu dem einen Spiel befragt worden. Zudem waren die Ermittler in Neustrelitz vor Ort. "Da es keine neuen Beweise gibt, gilt für uns weiterhin die Unschuldsvermutung", hatte TSG-Geschäftsführer Andreas Kavelmann seinerzeit gesagt. "Wir müssen die Ermittlungsergebnisse abwarten, so lange können wir nichts machen."

Ohne Akten tappt der DFB im Dunkeln

Ebenso tappt der DFB weiter im Dunkeln. "Bis heute hat der DFB nicht die vollständigen Akten der Staatsanwaltschaft Bochum erhalten. Von daher können wir weder bestätigen noch dementieren, ob es Manipulationen in diesem Umfang gab", sagte DFB-Sprecher Ralf Köttker gestern. Laut "Fakt" hat sich die Zahl der allein in Deutschland unter Manipulationsverdacht stehenden Spiele von zunächst vermuteten 32 auf 54 erhöht. Betroffen sind Spiele von der 2. Liga bis zu den Junioren. In keinem anderen Land ist die Zahl der Spiele laut der Bochumer Staatsanwaltschaft derart hoch. Allein zwischen Mai 2008 und Dezember 2009 sollen mindestens 13 Zweitligaspiele manipuliert worden sein.

Die Bochumer Behörde bestätigte lediglich, dass drei Partien des VfL Osnabrück in der Anklageschrift festgehalten seien. In der Abstiegs-Saison 2008/09 sollen acht Punktspiele und ein Freundschaftsspiel von VfL-Spielern manipuliert worden sein. Ex-Spieler Marcel Schuon war kürzlich wegen Beteiligung an Manipulationen vom DFB bis Ende 2012 gesperrt worden.

In der "Fakt"-Liste tauchen zudem der SV Wehen Wiesbaden und Rot Weiss Ahlen sowie mit fünf Niederlagen der Ex-Regionalligist Bayern Alzenau auf. Ins Visier geriet dort der Torwart. "Er hat sofort gesagt, dass er damit nichts zu tun hat. Er hat sogar auf eigenen Wunsch beim DFB ausgesagt, nachdem die Staatsanwaltschaft bei ihm vorstellig wurde. Mehr als einen telefonischen Kontakt zu einem der Angeklagten hat es nicht gegeben", sagte Alzenau-Manager Alois Sambeth.

Betroffen sein soll auch das letzte Drittliga-Spiel von Fortuna Düsseldorf gegen Werder Bremen II am 23. Mai 2009. Dank des 1:0 war die Fortuna aufgestiegen.

Am 6. Oktober beginnt der erste Prozess

Am 6. Oktober soll der erste Prozess zum Wettskandal vor dem Landgericht Bochum beginnen. Beim DFB-Sportgericht sind 16 Verfahren anhängig. 15 gegen Spieler, eines gegen Schiri Cetin Sevinc, der bereits seit Dezember 2009 vom DFB gesperrt ist.

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erstellt am 13.Sep.2010 | 07:11 Uhr

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