Hansa-Chaoten stürmen Spielfeld : "Neue Dimension der Fangewalt"

Der neue Höhepunkt der Fangewalt: Hansa-Chaoten stürmen während der 0:3-Niederlage im Pokalfinale gegen Neustrelitz auf den Platz und attackieren die eigenen Spieler - hier von links: Johan Plat und Ondrej Smetana. Foto: Andy Bünning
Der neue Höhepunkt der Fangewalt: Hansa-Chaoten stürmen während der 0:3-Niederlage im Pokalfinale gegen Neustrelitz auf den Platz und attackieren die eigenen Spieler - hier von links: Johan Plat und Ondrej Smetana. Foto: Andy Bünning

Beim Spiel Hansa Rostock gegen Neustrelitz stürmten einige Hansa-Chaoten das Spielfeld und attackierten die eigenen Spieler. Damit sorgten sie für einen neuen Höhepunkt in der Gewaltproblematik.

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30. Mai 2013, 08:27 Uhr

Rostock | Die Hansa-Kogge hat einen neuerlichen Tiefpunkt angesteuert. Sang- und klanglos unterlag der Rostocker Fußball-Drittligist am Mittwochabend im Finale um den Landespokal dem Regionalligisten TSG Neustrelitz vollkommen verdient mit 0:3. Neben einer sportlich erbärmlichen und blutleeren Vorstellung der Kicker sorgten erneut einige Hansa-Chaoten mit einem Platzsturm und Attacken gegen die eigenen Spieler nach dem dritten Gegentor für einen neuen Höhepunkt in der Gewaltproblematik. Insgesamt musste die Partie für sieben Minuten unterbrochen werden. "Dass Chaoten die eigenen Spieler angehen, ist eine neue Dimension der Fangewalt", sagte Rainer Milkoreit, Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbands.

Auch Hansas Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Abrokat redete am Tag danach Tacheles: "Mit dem Betreten des Spielfeldes ist eine Grenze überschritten worden. Wir verurteilen dieses Verhalten Einzelner auf das Schärfste. Bei aller Enttäuschung über den absolut inakzeptablen Auftritt unserer Mannschaft sollte jedem bewusst sein, dass man mit solch einem Verhalten unserem Verein und allen am Spiel beteiligten Personen schadet. Aber auch die unwürdige und charakterlose Vorstellung von Teilen unserer Profis hat dem FC Hansa einen großen Imageschaden zugefügt."

Landesverband ist verpflichtet, Vorfall dem DFB zu melden

Dem norddeutschen Traditionsverein drohen nach den neuerlichen Zwischenfällen wieder Sanktionen. "Der Landesverband ist verpflichtet, den Vorfall dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu melden. Das wird er machen, und dann wird man sehen, ob es Strafen gibt", sagte Milkoreit, gleichzeitig auch DFB-Vizepräsident.

Rostocks Vorstands-Boss Michael Dahlmann war um eine sachliche Analyse bemüht: "Wir müssen das Ganze erst einmal sacken lassen und in Ruhe auswerten. Wir verurteilen jegliche Form von Gewalt. So ein Verhalten kann nicht im Sinne des FC Hansa sein. Bei allem Verständnis für die Frustration und Wut über das maßlos enttäuschende Auftreten der Mannschaft ist es nicht zu tolerieren, dass diese in Gewalt und Bedrohung ausarten. Man sieht, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben", sagte der 35-Jährige, der jedoch die Anhänger nicht pauschal verurteilen wollte. "Ich habe mich ja selbst zwischen den Fans bewegt. Das war das Fehlverhalten Einzelner und nicht der Masse. Man muss die Täter identifizieren und bestrafen."

Auch Stürmer Johan Plat, der auf dem Feld unliebsamen "Kontakt" mit den Chaoten hatte, zeigte in gewissem Maße Verständnis für die Reaktion der Fans. "Ich kann verstehen, was sie fühlen, dass sie sauer sind. Das muss nächste Saison anders laufen."

Dann wird der FC Hansa erstmalig seit der Wende nicht im DFB-Pokal vertreten sein. Wegen der Nichtteilnahme werden dem finanziell klammen Club 2013/14 dringend benötigte Einnahmen, darunter allein 108 000 Euro Antrittsprämie, fehlen. Hansa-Sportvorstand Uwe Vester bezeichnete das Verpassen des DFB-Pokals als "Katastrophe. Wir wollen eine neue Mannschaft aufbauen. Diese hat jetzt leider nicht die Chance, sich im Pokal zu beweisen". Auch bei der Suche nach personellen Verstärkungen sei die Fan-Attacke auf die eigenen Spieler natürlich nicht förderlich: "Es trägt nicht dazu bei, das Image des Vereins aufzubessern."

Die Drittliga-Lizenz ist durch das Verpassen des DFB-Pokals nicht gefährdet, da das Finale erst nach dem Abgabetermin für die Unterlagen beim DFB stattfand und somit nicht berücksichtigt werden durfte. "Unsere finanzielle Existenz ist dadurch nicht gefährdet. Auch sportlich bin ich für die Zukunft positiv gestimmt. Das beweisen auch unsere Neuverpflichtungen. Ich bin sicher, dass dies der Tiefpunkt war", versuchte Michael Dahlmann trotzdem ein bisschen Optimismus zu verbreiten.

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