Volleyballerinnen des SSC blicken auf herausragende Saison zurück : "Muss in sein, zum Volleyball zu gehen"

Fiebert und leidet stets mit seinen SSC-Volleyballerinnen mit: Teamleitungsmitglied Michael Evers hier im Fanblock beim DVV-Pokalfinale im März 2012. Cornelia Kurth
Fiebert und leidet stets mit seinen SSC-Volleyballerinnen mit: Teamleitungsmitglied Michael Evers hier im Fanblock beim DVV-Pokalfinale im März 2012. Cornelia Kurth

Mit der Titelverteidigung in der Meisterschaft und im DVV-Pokal sowie dem Erreichen der Play-offs in der Champions League blicken die Volleyballerinnen des Schweriner SC auf eine überaus erfolgreiche Saison zurück.

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22. Mai 2013, 08:04 Uhr

Schwerin | Mit der Titelverteidigung in der Meisterschaft und im DVV-Pokal sowie dem Erreichen der Play-offs in der Champions League blicken die Volleyballerinnen des Schweriner SC auf eine überaus erfolgreiche Saison zurück. Die Teamleitung des deutschen Rekordmeisters (7 mal zu DDR-Zeiten, 10 mal nach der Wende) hatte es erneut geschafft, eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen, die sich zum Nonplusultra in der Bundesliga aufschwang.

Rückblick

Zur abgelaufenen Saison verließen gleich sieben Spielerinnen den Schweriner SC, neue Gesichter kamen. Mit Außenangreiferin Louisiane Penha de Souza Ziegler, Mittelblockerin Quinta Steenbergen und Diagonalangreiferin Lucia Hatinova holte der Traditionsvereins drei erfahrene Akteurinnen. "Wir konnten die Abgänge adäquat ersetzen. Die Neuzugänge passten auch menschlich zu uns. Wir hatten zudem das Glück, dass sich keine von den Stammspielerinnen verletzt hat", so Teamleitungsmitglied Michael Evers. Der starke Mann im Hintergrund beim SSC erfreut sich nicht nur an den sportlichen Erfolgen des Sportclubs. "Es gibt einiges, das in der abgelaufenen Saison gut gewesen ist." Und er listet auf: "Wir haben im Zuschauer-Zuspruch eine größere Breite erreicht als in den Vorjahren." Dass die Arena gegen die Top-Teams wie Dresden oder Vilsbiburg fast ausverkauft ist, versteht sich von selbst. Aber auch gegen die vermeintlich leichten Gegner wie Köpenick (1369), Stuttgart (1442) oder gar gegen den DVV-Nachwuchs VCO Berlin (999) hatten die Volleyball-Anhänger richtig Lust auf ihre SSC-Damen. Ein weiteres Plus: "Viele Sponsoren haben uns die Stange gehalten. Abgängen stehen auch wieder Zugänge gegenüber. Allerdings, und das möchte ich betonen, wir haben nicht bei den Handballern von Post gewildert", so Evers. Und aus den sportlichen Erfolgen heraus, "erhielten wir eine unglaublich hohe Medien-Präsenz wie zum Beispiel die Live-Spiele bei dvl-tv. Das hat unserer Sportart sehr gut getan. Doch die Präsenz im TV muss deutlich größer werden. Das müssen wir schaffen."

Den Pokalsieg und den Meistertitel sieht Michael Evers sehr stark verbunden mit dem bravourösen Auftritt in der Champions League. In der europäischen Königsklasse gewann der SSC alle seine vier Heimspiele und ging gar beim russischen und europäischen Top-Team Dinamo Kasan als Sieger vom Feld. "In der Champions League hat sich die Mannschaft die spielerische aber, auch mentale Stärke für die nationalen Wettbewerbe geholt."

Apropos Champions League. Zur Erinnerung: In der Saison 2011/2012 spielte der SSC in der europäsichen Königsklasse in der großen Sport- und Kongresshalle. Im Konzert der Großen machte man einen Verlust von rund 100 000 Euro. Der SSC konnte seinen Etat für die Spielzeit 2012/2013 um rund 150 000 Euro auf rund eine Million aufstocken. Ist die Champions League auch diesmal wieder ein Verlustgeschäft gewesen? "Anders als im Fußball müssen wir noch Geld mitbringen, um dort zu starten. Wir bekommen keine Prämien für irgendwelche Vorrundensiege oder gar das Erreichen der Play-offs. Wir haben noch nicht die Abschlussrechnung, aber wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr mit plus minus null rausgehen. Wir haben damit aber immer noch nicht das Minus aus dem Vorjahr abgebaut." Und der Umzug in die kleinere Arena? "Das war die absolut richtige Entscheidung. Die Zuschauer sind dicht dran am Spielfeld. Das ist eine tolle Atmosphäre. Das verstehe ich eben unter einer Arena. Ich denke, dass die Gegner davon beeindruckt waren, wie der russische Meister Kasan (3:2 für den SSC). Ich denke, dass unser Publikum viel zu unseren Siegen beigetragen hat."

Doch Evers sieht nicht alles nur positiv. "Wir konnten nicht so viele deutsche Nachwuchsspielerinnen im Team integrieren. Die müssen wir schneller an das Bundesliga-Niveau heranführen." Da ist in erster Linie Mittelblockerin Wiebke Offer zu erwähnen, die nun den SSC aufgrund ihrer Pläne für ein Studium verlässt.

Ausblick

Auch nach dieser Saison gehen wieder Leistungsträgerinnen wie Zuspielerin Denise Hanke, Außenangreiferin Anne Buijs und Lucia Hatinova. Und auch Trainer Teun Buijs zieht es weiter. Der Niederländer heuert beim polnischen Spitzenteam Trefl Sopot an. Mit dem 29-jährigen Schweriner Felix Koslowski steht sein Nachfolger bereits fest. Er unterschrieb einen Dreijahresvertrag. "Wir müssen ihm die Zeit geben. Wir verlangen von ihm nicht, dass er im ersten Jahr Meister wird. Wir wissen, da brennt nichts an." Jedoch macht Evers keinen Hehl daraus, dass der Sportclub wieder um den Meistertitel und den Pokalsieg mitspielen will. "Alles andere würde man uns ja auch nicht abnehmen." Er weiß aber auch, "noch mal so eine tolle Champions-League-Saison zu spielen, wird sehr schwer". Egal - der SSC ist der einzige MV-Verein, der im Konzert der Großen dabei ist.

In Sachen neuer Spielerinnen, "brauchen wir noch Zeit, um den Markt zu sondieren. Die Neuen müssen finanziell und menschlich zu uns passen." Und gerade was das Finanzielle betrifft, gibt es für den SSC einigen Nachholbedarf. "Wir haben Anfragen aus Deutschland und dem Ausland. Als deutscher Dou blegewinner und nach dem tollen Auftritt in der Champions League ist die Wahrnehmung von uns in Europa größer, als wir finanziell stemmen können. Wir müssen auf jeden Fall weitere Sponsoren aquirieren, um mit den europäischen Top-Clubs mithalten zu können."

Visionen

Da hat die Teamleitung um Evers jede Menge Visionen. "Uns fehlt ein ausgesprochener Hauptsponsor. Das Geld soll aber nicht ausschließlich in die Mannschaft gesteckt werden, sondern auch ins Umfeld. Wir müssen expandieren, wenn wir auf dem Markt bestehen wollen. Das gilt für die Sponsorenpflege genauso wie für die Vermarktung oder Werbung." Und dann soll das Drumherum bei Spielen in der Arena "attraktiver für den Zuschauer gemacht werden. Das Potenzial ist da. Das haben die 1200 Fans gezeigt, die zum Pokalfinale mitgereist sind. Ein Spiel sollte bei uns Event-Charakter haben. Es muss in Schwerin in sein, zum Volleyball zu gehen."

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