Muss es dieses Derby-Plakat sein?

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27. September 2012, 08:22 Uhr

Schwerin/Rostock | Mit den Plakaten zum Mecklenburg-Derby im Handball überschreitet der HC Empor Rostock in der letzten Zeit die Grenzen des guten Geschmacks. So lautete das Motto zum 79. Derby am 19. Mai dieses Jahres "Post-Boten haben hier keinen Zutritt". Im Hintergrund wachte ein zähnefletschender Kampfhund hinterm Gitter. Der HCE musste dieses Spiel im Kampf um den Klassenerhalt unbedingt gewinnen, während Post Schwerin bereits gerettet war. Rostock siegte 27:20 - und der einzige wirklich richtig Bediente auf Schweriner Seiten war der Trainer. Christian Prokop setzte denn auch am Montag danach statt des sonst üblichen Fußballspielchens ein scharfes Training an.

Jetzt zum Jubiläums-Derby am Sonntag um 16.30 Uhr in der Rostocker Stadthalle plakatiert der HCE mit dem Slogan: "80. Nordderby und ab geht die Post!" Wie der Zufall es leider wollte, geschah dies genau zum Zeitpunkt, als man in Schwerin den Gang zum Insolvenzgericht antreten musste. So bekommt das Ganze für Schwerins Kapitän Stephan Riediger "ein Geschmäckle". Und Schwerins Trainer Christian Prokop sagte zu den Werbeplakaten: "Diese sind oft niveaulos."

Nun kann man dem HC Empor im konkreten Fall keinen besonderen Vorwurf machen, es war einfach ein dummer Zufall. Allerdings täte nach den Geschehnissen beim Erzrivalen in der Landeshauptstadt jetzt durchaus etwas mehr Sensibilität Not. Auch gestern war auf der HCE-Homepage dieses Plakat zum 80. zu finden - weiterhin ohne einen Zusatz. Und der wäre angebracht, damit auch ja keiner es in den falschen Hals bekommt. Dass mit: "Und ab geht die Post" wirklich nicht die Insolvenz gemeint ist…

HCE-Geschäftsführer Norbert Henke hat es gegenüber dieser Zeitung in den vergangenen Tagen ausdrücklich betont, dass "man keineswegs schadenfroh sei, was in Schwerin geschehen ist. Im Gegenteil!" In der Tat beendet das Post-Desater nicht nur - auf ungewisse Zeit - die einmalige Derby-Tradition hierzulande, es ist zugleich ein Schlag ins Kontor für den Handball in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt. Und der ist sowieso nicht auf Rosen gebettet. Ist der Damen-Handball erstmals seit der Wende nur noch drittklassig, so bleibt bei den Herren mit Rostock auch lediglich noch eine Zweitliga-Mannschaft übrig. Nur zur Erinnerung: Es waren mal deren gar drei bis vier (Rostock, Schwerin, Stralsund und Usedom), wobei Schwerin und Stralsund nach der Jahrtausendwende jeweils zweimal für eine Saison gar im Oberhaus spielten.

Gar nicht gut angekommen bei Mannschaft und Trainer in Schwerin ist zudem Henkes Bemerkung: "Wenn’s gewünscht wird, übernehmen wir die Pizza." (Ausgabe vom 26. 9., S. 21) "Ich hätte erwartet, dass er in seiner Position sich eine solche Aussage aus Respekt verkneift. Wir haben noch eine gewisse Ehre und auch Geld im Portmonee, um die Pizza trotz der existenzbedrohenden Lage selbst kaufen zu können", so Prokop.

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