Für den Hansa-Spieler ist als Muslim derzeit Ramadan : Mo Lartey fastet aus Überzeugung

<strong>Einmal nach Mekka,</strong> das ist Mohammed Larteys Traum. Derzeit zieht der Muslim den Fastenmonat Ramadan 'voll durch'. <foto>Brandt</foto>
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Einmal nach Mekka, das ist Mohammed Larteys Traum. Derzeit zieht der Muslim den Fastenmonat Ramadan "voll durch". Brandt

Mekka ist die Geburtsstadt Mohammeds, des Propheten des Islam, und die heiligste Stadt der Muslime. Auch für Hansa-Profi Mohammed Lartey ist der heilige Ort das Maß aller Dinge, ein Besuch das Ziel seines Lebens.

svz.de von
30. Juli 2012, 05:45 Uhr

Rostock | Mekka ist die Geburtsstadt Mohammeds, des Propheten des Islam, und die heiligste Stadt der Muslime. Jedes Jahr gehen rund 2,5 Millionen Muslime auf den Haddsch (Pilgerfahrt) zu dem 90 km vom Roten Meer entfernten Wallfahrtsort.

Auch für Mohammed Lartey, Fußball-Profi des FC Hansa und praktizierender Muslim, ist der heilige Ort das Maß aller Dinge, ein Besuch das Ziel seines Lebens. "Wenn es mein Geldbeutel erlaubt und sportlich oder beruflich in den Plan passt, dann werde ich die Reise in Angriff nehmen. Es ist der größte Traum, den ich überhaupt habe. Das muss einfach gemacht werden", sagt der Mittelfeld-Offensivmann des Rostocker Drittligisten.

Verzicht auch auf Medikamente

Ein Muss ist für den Leistungssportler in diesen Tagen auch das Fasten. Denn zur Zeit ist Ramadan. Nach dem Koran dürfen Muslime in dieser Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang weder essen, trinken, rauchen noch Sex haben.

In diesem Jahr dauert der Ramadan vom 20. Juli bis 19. August und fällt somit in den europäischen Hochsommer. Der Fastenmonat selbst richte sich nach dem 354-tägigen Mondkalender, informiert "Mo", wie Kollegen und Fans den Deutsch-Ghanaer rufen.

Lartey geht konsequent und routiniert mit dem Thema Ramadan um, was in diesen Tagen so einfach nicht ist, denn der am Schambein verletzte Kicker muss über den Tag auch auf Infusionen und Medikamente verzichten. Vitamintabletten nimmt er z. B. erst in der Nacht. Kurz vor dem Wiederaufbruch seiner Leistenverletzung hatte Mohammed an einem Trainingstag mit zwei Einheiten fünf Kilo Gewicht verloren.

"Ich bin ein guter Muslim"

Als Zehnjähriger begann der aus Düsseldorf stammende Fußballer mit afrikanischen Wurzeln aktiv den Ramadan zu leben. Vater Ibrahim (64) trat mit 17 dem Islam bei. Mohammeds deutsche Mutter Carla hat sich aus Überzeugung vor 25 Jahren ebenfalls zu diesem Glauben bekannt. Seitdem nennt sie sich Aische, trägt stets ein Kopftuch. 2010 ging für sie schon in Erfüllung, wovon ihr Sohn noch träumt: Die Muslimin war in Mekka.

"Seinerzeit hat mir meine Mutter alles genau erzählt, die Abläufe, die Gebete", sagt Lartey. Sein großer Bruder Ismail ist ebenfalls Muslim, von den sechs Halbgeschwistern ist nur eine Schwester christlichen Glaubens.

"Mo" gibt zu, dass es als Kind und Jugendlicher schon problematisch war, Selbstdisziplin aufzubringen. "Da denkst du, jetzt willst du trinken, jetzt essen, und dann sagst du wieder, nein, du darfst es nicht."

Heute nennt sich der 25-Jährige einen "guten Muslim". Es ist ein Leben ohne Schweinefleisch, ohne Alkohol - ohne Ausnahmen.

"Fußball-Stars wie Franck Ribery, El Hadji Diouf oder Mesut Özil sagen auch von sich, gute Muslims zu sein. Aber sie, so habe ich gelesen, nehmen sich Ausnahmen als Leistungssportler", sagt Lartey und fügt hinzu: "Eigentlich ist es für uns Pflicht, zu fasten. Aber man kann auch aussetzen und nachholen oder spenden. Solche Ausnahmen verbinden sich in der Regel mit Krankheit oder Reisen. Ich selbst ziehe aber voll durch."

Essen gibt es zum Sonnenuntergang

Der Alltag stellt sich momentan für "Mo" aus der Sicht von Nichtmuslimen ungewöhnlich dar. Der Hansa-Mann kann nur bis zirka 3.15 Uhr Nahrung aufnehmen, dann erst wieder ab 21.20 Uhr: "Da zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang nur knapp sechs Stunden liegen, verzichte ich auf eine Morgen-Mahlzeit. Ich mache mir zum Sonnenuntergang Hühnchen mit Kuskus (Grundnahrungsmittel der nordafrikanischen Küche aus befeuchtetem und zu Kügelchen zerriebenem Grieß von Weizen, Gerste oder Hirse - d. Red.) oder Hühnerbrust mit Reis. Dann trinke ich drei bis vier Liter Wasser die Nacht. So komme ich auch schon ganz gut über den Tag", versichert Lartey. Er habe momentan tagsüber keinen Hunger, keinen Durst.

Mohammed ist nicht der erste Muslim bei Hansa. Durch die Ägypter Emara und Yasser war das Thema beim Club schon einmal aktuell. Wie damals um sie sorgt man sich beim FC Hansa heute um "Mo", der darauf hofft, bald wieder ins Training einsteigen zu können. Und dann geht auch langsam der Ramadan zu Ende. Das Ziel aber bleibt: Mekka!

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