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20. September 2017 | 03:53 Uhr

Mit "Calli" an der Elbe zu neuen Ufern

vom

svz.de von
erstellt am 21.Okt.2010 | 06:47 Uhr

Dresden | Innerhalb von nur 55 Stunden waren in Dresden sämtliche Karten vergriffen: Das morgige Traditions-Derby zwischen der SG Dynamo Dresden und Hansa Rostock mobilisiert auch 20 Jahre nach der Wende noch die Massen. In der Elbestadt wird das neue Rudolf-Harbig-Stadion mit 29 000 Zuschauern ausverkauft sein.

Dabei sind die Glanzzeiten beider Vereine momentan vorbei und man sieht sich nun in der 3. Liga wieder. Während Dresden zu DDR-Zeiten das Maß aller Dinge war, rutschte der Verein nach der Wende schwer ab, Hansa hingegen erfreute sich weiterer Jahre in der ersten und zweiten Liga. Beim bisher letzten Aufeinandertreffen ging es für Hansa um nichts mehr (am Ende Zehnter, im Jahr darauf war man wieder erstklassig ) - für Dynamo wurde es hingegen zum Trauertag. Trotz des 3:1-Sieges der Dresdner im Rostocker Stadion am 14. Mai 2006 mussten die Sachsen den Gang in die Regionalliga antreten.

Trotz eines Trainer-Wechsels im Dezember 2005, als Erfolgscoach Christoph Franke nach zwei Aufstiegen und viereinhalb Jahren Amtszeit entlassen und der Österreicher Peter Pacult geholt wurde, konnte der Abstieg am letzten Spieltag nicht verhindert werden. Damit war Dynamo nach zwei Jahren in der 2. Liga wieder in der Realität des Amateurbereiches angelangt. Als Tabellenführer in die kommende Saison gestartet, folgte Pacult einem Ruf seines Heimatvereines Rapid Wien und ließ die SGD im Stich. Auch die darauf folgenden Trainer Norbert Meier, Eduard Geyer und Ruud Kaiser konnten die Mannschaft nicht auf Kurs zur zweiten Liga bringen.

Im Gegenteil: Mit Kaiser stand man vor einem Jahr auf dem letzten Tabellenplatz, bevor der Verein die Reißleine zog und Matthias Maucksch, zu dem Zeitpunkt Trainer der zweiten Mannschaft, zum Chef-Coach ernannte. Mit ihm gelang der Klassenerhalt und nach unglaublichen Turbulenzen im Umfeld will der Verein in der nächsten Saison den Aufstieg in Angriff nehmen.

Maucksch selbst spielte in der Saison 1991/92 zwei Mal mit den Schwarz-Gelben gegen die Hansa in der ersten Liga. "Ich weiß nur noch, dass Rostock wenigstens ein Gegner war, der versucht hat feinen Fußball gegen uns zu spielen. Alle anderen sind ja immer auf alles draufgegangen, was nur im Weg stand", erinnert sich der 41-Jährige.

Auch er ist froh, dass mittlerweile wieder Ruhe in den Verein eingekehrt ist, doch im Sommer sah die Welt im "Theater" Dresden noch ganz anders aus. Im Mai drohte ein größerer Sponsorenpool mit dem Ausstieg und Haupt- und Trikotsponsor Veolia machte sogar von einer Ausstiegsklausel aus dem bis zum 30. Juni 2010 laufenden Vertrag Gebrauch. Hintergrund waren die Turbulenzen im Aufsichtsrat, der auf Druck der Stadt erst nur teilweise, auf zusätzlichen Druck der Sponsoren einige Wochen später dann doch komplett zurücktrat. Jens Heinig, Geschäftsführer von Veolia Ost, kritisierte vor allem, dass der Vertrag vom damaligen Geschäftsführer Stefan Bohne nicht verlängert wurde und der Kontrakt von Trainer Maucksch, der bis dahin nur einen Amateurvertrag besaß, immer noch nicht umgewandelt war. "Diese Leute arbeiten unprofessionell, haben so viel Bockmist gebaut. Wenn sie nicht zum Rücktritt fähig sind, fühle ich mich verarscht und ziehe die Konsequenzen", sagte Heinig damals über den Aufsichtsrat. Geschäftsführer Bohne trat nach all den Problemen zurück, der Verein war zwischenzeitlich handlungsunfähig.

Als der Aufsichtsrat dann doch die Konsequenzen gezogen hatte, kehrte Heinig ins Boot zurück und dazu ein nur allzu bekanntes Schwergewicht des deutschen Fußballs: Reiner Calmund. "Ulf Kirsten hat mir mindestens 500 Mal in den Ohren gelegen, dass ich in Dresden helfen soll. Der Verein hat einen besonderen Mythos und die Leute hier sind positiv bekloppt", erklärt "Calli", der im Moment dafür wirbt, die erste Mannschaft in Form einer GmbH aus dem Verein herauszulösen. "Faktisch gibt es keine Argumente dagegen. Es ist die Chance, sich ein kleines bisschen zu entschulden und die Mannschaft nach klaren unternehmerischen, kaufmännischen und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu führen." Am 21. November wird auf der Mitgliederversammlung die Meinung der Fans entscheidend dafür sein, ob Calmund und der dann neu gewählte Aufsichtsrat - im Moment nur ein Not-Gremium - das Vorhaben in Angriff nehmen können.

Dynamo-Trainer Mauksch sieht Hansa als Favorit

Sportlich stehen die Schwarz-Gelben auf dem sechsten Tabellenrang so gut wie noch nie in der dritten Liga da, doch nach der 0:3-Schlappe in Erfurt ist die Stimmung mäßig. "Meine Spieler müssen vom Kopf her wieder klar auf Leistung eingestellt sein. Wir müssen mit Leidenschaft und Konzentration am Sonnabend auflaufen, um Hansa Paroli bieten zu können", sagt Maucksch, der bereits vor dem Erfurt-Spiel die Einstellung seiner Kicker öffentlich kritisiert hatte. Deswegen sieht Maucksch die Hansa im eigenen Rudolf-Harbig-Stadion, das am 15. September 2009 nach langem Um- und Neubau eröffnet wurde, als Favoriten. Entworfen wurde die Schüssel übrigens vom Rostocker Architekten Martin Beyer.

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