Mehr als nur eine reine Meisterschaft

<strong>Fachsimpeleien </strong>zwischen Minister, Cheforganisator und Landesverbandspräsidenten.
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Fachsimpeleien zwischen Minister, Cheforganisator und Landesverbandspräsidenten.

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09. Juli 2012, 06:15 Uhr

Sukow | Die 23. Landesmeisterschaften im Dressur- und Springreiten sind Geschichte. Für drei Tage im Jahr entwickelte sich die Gemeinde Sukow vor den Toren der Landeshauptstadt wieder zum Mekka der Pferdesportler, inzwischen zum 17. Mal in Folge. "Ringsum regnet es und wir müssen Wasser fahren", zeigte sich Cheforganisator Horst-Werner Jahn mit der Leistung des Wettergottes durchaus zufrieden. Im abschließenden Großen Preis von Lübzer Pils erwischte es die Reiter dann aber doch noch.

Ein Gewitter entlud sich über dem Platz und machte eine Zwangspause notwendig: "Ich denke das war ausschlaggebend, aber da kann man nichts machen", mochte Philipp Makowei seine Enttäuschung gar nicht verbergen. Der junge Gadebuscher lag mit Balouna Windana nach zwei Wertungsprüfungen auf Meisterschaftskurs. Selbst ein Abwurf war drin. Doch als dem Duo, das als erstes nach der Unterbrechung in den Parcours musste, zwei Fehler unterliefen, kostete das nicht nur den Titel, es rutschte als Vierter sogar ganz aus den Medaillenrängen.

Deutlich besser lief es für Paul Wiktor im Sattel von Levistus, der sich, weil auch André Plath (RFSV Insel Poel) und Chacco einmal patzten, durch eine Nuller-Runde an diesem Wochenende seine zweite Siegerschleife sicherte. Zuvor war er mit Coco Chanell schon Landesmeister bei den Jungen Reitern geworden. Dass er durch eine fehlerfreie Siegerrunde dann auch noch den Großen Preis abräumte, sorgte natürlich für helle Freude im Neu-Benthener Hause Schmidt. Heiko Schmidt selbst hatte diesmal nur Nachwuchspferd Chap gesattelt, das er auf Platz fünf ins Ziel brachte.

Überhaupt fiel auf, dass viele große Namen diesmal in Sukow fehlten. Titelverteidiger Thomas Kleis gehörte ebenso wie André Thieme zur deutschen Equipe, die im polnischen Sopot den Nationenpreis gewann, Holger Wulschner und Jörg Möller hatten sich für andere Turniere entschieden. Rolf Günther, Disziplintrainer Springen im MV-Landesverband, betrachtete das mit einem lachenden und einem weinenden Auge: "Natürlich ist es bedauerlich, dass sie hier fehlen, andererseits spricht das für das Niveau unserer Spitzenleute. Und die Landesmeisterschaften leiden nicht so sehr darunter. Es gibt hier genug gute Reiter, die auch einmal den Titel verdient haben."

Mit dieser Einschätzung stand Günther nicht alleine da. "Für unsere Profis ist diese Meisterschaft kein wirkliches Zugpferd. Die gucken nach den Preisgeldern, und das ist absolut nachvollziehbar. Wir haben aber leistungsstarke junge Leute, die nachrücken", betonte Parcourschef Franz Wego. Und um gerade auch den Nachwuchs, der noch nicht ganz so weit sei, zu motivieren, habe man in die diesjährige Ausschreibung neben einer Bestenermittlung für Handycapreiter auch drei Wertungsprüfungen für Springreiter bis 16 Jahre neu aufgenommen. Die Resonanz sei ausgesprochen positiv. In die gleiche Kerbe haute Horst-Werner Jahn: "Wir möchten unser Turnier noch weiter öffnen. Die Tatsache, dass wir in diesem Jahr so viele Nennungen hatten wie noch nie - darunter auch viele Auswärtige -, zeigt doch, dass das der richtige Weg ist."

Bei der großen Zustimmung von allen Seiten wollte Ronald Lüders vom RPZV Gestüt Kempke Hof, der mit Tacita ganz souverän seinen Titel im Dressurviereck verteidigte, doch auch einen kleinen Denkanstoß liefern: "Ganz ehrlich, das passt alleine rein optisch nicht zu einer Landesmeisterschaft. Nehmen Sie doch einmal die Blumen weg, dann sieht das aus wie ein Trainingsviereck."

Als bekennender "Pferde-Mensch" outete sich wieder einmal Landwirtschaftsminister Till Backhaus, der von der Bande aus gewissermaßen mitritt: "Natürlich ist das alles andere als ein Pflichttermin. Ich bin hier in den Anfangsjahren selbst aktiv gewesen, habe sogar einmal ein Sulky-Rennen im Rahmenprogramm gewonnen. Ich komme immer wieder gerne nach Sukow und freue mich schon auf die Ehrung der Landesmeister aus dem schönsten deutschen Bundesland."

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