Streichung des Ringens aus dem olympischen Programm : Mecklenburg-Vorpommern setzt sich zur Wehr

<strong>Uwe Bremer,</strong> Präsident des Ringerverbandes Mecklenburg-Vorpommern, mit seinem 19-jährigen Olympia-Kandidaten Alexander Grebensikov: 'Er ist schockiert.' <foto>Andy Bünning</foto>
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Uwe Bremer, Präsident des Ringerverbandes Mecklenburg-Vorpommern, mit seinem 19-jährigen Olympia-Kandidaten Alexander Grebensikov: "Er ist schockiert." Andy Bünning

Das IOC hat unlängst beschlossen, Ringen aus dem Programm für die Olympischen Spiele 2020 zu streichen. Wir sprachen zum Thema mit Uwe Bremer, Präsident des Ringerverbandes Mecklenburg-Vorpommern.

svz.de von
06. März 2013, 07:33 Uhr

Rostock | Die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat unlängst beschlossen, Ringen aus dem Programm für die Olympischen Spiele 2020 zu streichen. Allerdings muss dies noch von der IOC-Vollversammlung im September in Buenos Aires bestätigt werden. Der Beschluss der Exekutive hatte weltweit Proteste ausgelöst. Die Olympiasieger Walentin Jordanow (Bulgarien/1996 in Atlanta im Freistil/Fliegengewicht bis 52 kg) und Sagid Murtasalijew (Russland/2000 in Sydney im Freistil/Schwergewicht bis 97 kg) gaben sogar ihre Goldmedaillen an das IOC zurück. NNN-Mitarbeiter Andy Bünning sprach zum Thema mit Uwe Bremer, Präsident des Ringerverbandes Mecklenburg-Vorpommern.

Herr Bremer, wie war Ihre erste Reaktion auf das Vorhaben des IOC, das Ringen von der olympischen Bildfläche verschwinden zu lassen?

Ich dachte, die spinnen, die Römer. Meine Gedanken gingen gleich in die Richtung, was machen denn jetzt die großen Ringervölker wie Russland, Kasachstan und die Türkei? Da ist mit Sicherheit jetzt noch mehr der Trubel los. Es ist erschreckend, was da über eine solche Traditionssportart (gehört seit 1896, dem Beginn der Spiele der Neuzeit, zum olympischen Programm - d. Red.) entschieden wird.

Sie sind ja auch Vorsitzender des SAV Torgelow. Was wären die Konsequenzen für die Vereine und den Landesverband, sollte Ringen tatsächlich nicht mehr olympisch sein?

Für den SAV direkt würde es keine Konsequenzen geben, weil wir hier mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Allerdings wären die Talente betroffen, die mal das Ziel haben, auf die Sportschule zu gehen, um auf diesem Weg irgendwann Europa- oder Weltmeister beziehungsweise Olympiasieger zu werden. Und wenn dort, auf den Sportschulen, die Trainerstellen gestrichen sind - so wie in Frankfurt (Oder) als Olympiastützpunkt -, ist es schwer, die Kinder dafür zu begeistern. Dann fehlt eben ein Stück Motivation.

Für das 19-jährige Talent Alexander Grebensikov, mehrfacher Deutscher Meister und von 2009 bis 2011 für die Küstenringer MV in Rostock in der 2. Bundesliga am Start, brach sicherlich erst mal eine Welt zusammen?

Er ist schockiert. Alexander ist endlich mal einer von uns, der für Olympia in Frage käme. Im Juniorenbereich war er bisher der beste Mann in Deutschland. Alexander ist ein Kandidat für 2016. Er bekommt daher von uns die volle Unterstützung, damit er Training und Turniere machen kann, um an diesem Ziel zu arbeiten. Er hat aber auch noch das Alter, um 2020 bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Dafür wird den Talenten aber die Motivation genommen.

Der Deutsche Ringer-Bund kündigte Proteste an. Ist so etwas auch in Mecklenburg-Vorpommern geplant?

Erst mal schließen wir uns dem DRB an. Wir haben uns überlegt, für unser Land eine Kampagne "Mecklenburg-Vorpommern for Wrestling" zu starten. Wir möchten dazu an ehemalige und aktuelle Sportler, die an Olympischen Spielen teilnahmen, herantreten und auch die Landesregierung ansprechen. Wir brauchen diese Kontakte. Ich denke dabei an Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss, Diskuswerferin Franka Dietzsch und Kanute Andreas Dittmer, darüber hinaus an weitere namhafte Leute wie Ex-Fußball-Nationalspieler Stefan Beinlich oder den ehemaligen- Profi-Boxer Sebas-tian Sylvester und wie sie alle heißen. Das sind gestandene Sportsleute, die eigentlich alle aus diesem Land kommen oder hier gewirkt haben. Wir haben das dem DRB vorgestellt, und die finden das gut. Wir wollen uns gemeinsam dafür einsetzen, dass Ringen im Olympia-Programm bleibt.

Es gab auf die Ankündigung der IOC-Exekutive zahlreiche Reaktionen…

… wobei sogar viele, die sich gemeldet haben, eigentlich mit dem Ringen gar nicht viel zu tun haben, auch andere Sportarten wie zum Beispiel Judo. Die sagen sich zwar erst einmal ein bisschen, na, ein Glück, dass es nicht uns getroffen hat, aber auch, vielleicht sind wir das nächste Mal dran, gestrichen zu werden. Schade, dass es immer mehr nach dem Kommerz geht. Man muss wirklich überlegen, ob Olympia noch das ist, was es mal war.

Befürchten Sie, dass im September in Buenos Airos endgültig gegen Ringen entschieden wird?

Bis jetzt ist es immer so gewesen, dass das, was die Exekutive vorgeschlagen hat, bei der Vollversammlung auch meistens angenommen wird. Im Mai tagt in St. Petersburg die Exekutive und beschließt die Ersatzsportart, die für Ringen reinrutschen soll. In diese Richtung soll gearbeitet werden - dass nämlich die Ringer der Ersatz für die Ringer werden. Noch mal: Wenn man schaut, wie mit dieser Traditionssportart umgegangen wird, ist das nicht schön.

Wie hoch schätzen Sie die Chancen ein, dass Ringen olympisch bleibt?

Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man ja so gerne. Wir haben jetzt alle den Kampf aufgenommen. Wir müssen die Leute davon überzeugen, dass Ringen eine tolle Sportart ist. Ich kann die Gründe nicht nachvollziehen, warum wir nicht mehr bei Olympia dabei sein sollen. Bei den letzten Weltmeisterschaften in Istanbul und auch bei den Olympischen Spielen in London war die Halle jeden Tag ausverkauft. Man kann also nicht sagen, dass sich die Leute kaum für Ringen interessieren. Wir haben große Hoffnung, dass alles beim Alten bleibt.

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