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Jürgen Brähmer verteidigt EM-Titel : Kurzarbeiter bereit für Königsthron

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Brähmer boxt weltmeisterlich: Mit einem schnellen und souveränen K.o.-Sieg gegen Tony Averlant hat Jürgen Brähmer die wohl letzte Hürde zu einem neuerlichen WM-Kampf weggeboxt.

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erstellt am 28.Apr.2013 | 07:10 Uhr

Hamburg | Schauspieler Ben Becker brachte es in der Nacht zum Sonntag auf den Punkt: "Wer gedacht hätte, die Zeit des Jürgen Brähmer sei vorbei, der wird sich nach diesem Kampf revidieren müssen." Aus gerade einmal fünfeinhalb Minuten Kampfzeit hatte sich der bekannte Mime seine These zusammengebastelt. Weit aus dem Fenster lehnen musste er sich dafür aber nicht. Denn was er und mit ihm 3200 Zuschauer in der Hamburger Alsterdorfer Sporthalle kurz zuvor bei der erfolgreichen EM-Titelverteidigung des Schweriner Halbschwergewichtlers gegen den Franzosen Tony Averlant zu sehen bekommen hatten, das erinnerte sehr an jene Zeit, als in Berichten über Jürgen Brähmer der Beiname "Jahrhunderttalent" quasi obligatorisch dazugehörte.

Keinen Pitbull, sondern einen Ästheten im Ring gesehen

Auch Trainer Karsten Röwer war begeistert. Und nicht etwa nur, weil er auf einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche - wohlgemerkt mit einem Augenzwinkern - den K.o. in der zweiten Runde schon vorausgesagt hatte. "Wir haben keinen Pitbull gesehen und auch keinen Boxer, der alle seine Kämpferqualitäten aus packen musste. Wir haben einen Ästheten im Ring gesehen", fasste der 50-jährige Coach den Kampf seines Schützlings zusammen. Der hatte das Gefecht nach einer überaus konzentrierten ersten Runde mit auch da schon so einigen klaren Aktionen schließlich im zweiten Durchgang durch einen linken Haken auf die Leber und die untere Rippe zu einem sehr frühzeitigen Ende gebracht. Der alte und neue Europameister selbst meinte nur lakonisch: "Das passiert im Kampf: Wenn du ihn sauber triffst, fällt er um - und das wars dann."

Das wars aber nur für Averlant, der vor gut einem Jahr gegen Brähmers Sauerland-Stallgefährten und vorherigen Gegner Eduard Gutknecht nur sehr umstritten verloren und sich für Samstag zweifellos viel vorgenommen hatte.

Für Brähmer hingegen soll es nach 42 Profikämpfen und dem 31. K.o. bei seinem 40. Sieg noch einmal so richtig losgehen. Am Wochenende hat der 34-Jährige die letzte Bedingung der World Boxing Organization (WBO) erfüllt, die auf ihrer Sitzung jüngst in Miami den Mecklenburger für den Fall der erfolgreichen EM-Titelverteidigung zum Pflichtherausforderer von Nathan Cleverly bestimmt hatte. Der Weltmeister aus Großbritannien hatte seinen Part bereits vor einer Woche erfüllt, indem er Robin Krasniqi vom Magdeburger SES-Stall nach Punkten bezwang.

Cleverly - da war doch mal was, werden sich jetzt Boxfans erinnern. Stimmt! Der Waliser hatte vor zwei Jahren Brähmer, der damals noch in Diensten der inzwischen insolventen Hamburger Universum Box Promotion stand, den WM-Gürtel abgenommen. Und das, obwohl beide seinerzeit gar nicht gegeneinander geboxt hatten. Brähmer hatte sich damals im letzten Sparring vor dem geplanten Aufeinandertreffen einen Cut an der Augenbraue geholt und musste den Kampf kurzfristig absagen. Da das aber bereits der dritte vom Schweriner verpasste Kampf in Folge war und der damalige Schützling von Trainer Michael Timm damit schon 13 Monate lang seinen Titel nicht verteidigt hatte, hatte die WBO auf gut deutsch gesagt die Faxen dicke. Sie erkannte Brähmer den WM-Gürtel ab und sprach ihn dem damaligen Pflichther ausforderer Cleverly zu.

WM-Kampf wohl gleich nach der Sommerpause

Wenn es zwischen den beiden Halbschwergewichtlern wohl gleich nach der Sommerpause Ende August/Anfang September erneut um den Platz auf dem Thron der WBO geht, sind die Rollen genau andersherum verteilt. Der Ausgang soll nach dem Willen des Sauerland stalls aber dem von 2011 gleichen: Der alte König soll gestürzt werden und der neue das Zepter übernehmen.

Dass es dazu kommt, daran hegt Kalle Sauerland keinen Zweifel. "Wir gehen sehr, sehr optimistisch in den Kampf. Cleverly muss Respekt zeigen", sagte der Promoter und hielt zugleich Trainer Röwer, der Brähmer mit dem Samstagskampf bei rund 80 Prozent von dessen eigentlichem Leistungspotenzial sah, entgegen: "Wenn das 80 Prozent waren, was werden wir dann wohl erst bei 100 Prozent zu sehen bekommen…?"

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