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Schweriner Tobias Wächter in Minsk am Start : Keirin-Ass gibt Debüt bei der WM

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Heute startet für die Bahnrad-Asse der internationale sportliche Höhepunkt des Jahres. Bis Sonntag kämpfen sie bei der Weltmeisterschaft in Minsk um Titel und Medaillen. Mit dabei ist der Schweriner Tobias Wächter.

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erstellt am 20.Feb.2013 | 12:27 Uhr

Schwerin | Heute startet für die Bahnrad-Asse der internationale sportliche Höhepunkt des Jahres. Bis Sonntag kämpfen sie bei der Weltmeisterschaft in Minsk um Titel und Medaillen. Mit dabei auch ein Schweriner vom Track Cycling Team Mecklenburg-Vorpommern. Und diesmal ist es nicht wie in den vergangenen 15 Jahren Stefan Nimke. Der Olympiasieger von 2004 konzentriert sich derzeit auf seine Ausbildung als Polizeimeister an der Verwaltungsfachschule in Güstrow. "Ab morgen ist WM und mich juckt das überhaupt nicht. Ich habe hier jetzt meine Aufgabe", sagte uns gestern Nachmittag der sechsmalige Weltmeister, der als Titelverteidiger über die 1000 Meter startberechtigt gewesen wäre.

In diesem Jahr vertritt der 24-jährige Tobias Wächter erstmals die Schweriner und MV-Farben bei den Welttitelkämpfen in der weißrussischen Hauptstadt. "Na klar, wird er aufgeregt sein, das ist seine erste WM", weiß Nimke. Und Tobi nimmt es noch mit Humor: "Jan van Eijden (ehemaliger deutscher Topsprinter - d. A.) hat mal gesagt: ,Eine WM ist ein Wettkampf wie jeder andere auch - nur dass alle schneller fahren’", so der Schützling von Trainer Ronald Grimm. Tobias sicherte sich seinen WM-Startplatz durch den Gewinn des EM-Titels im vergangenen Jahr im Keirin und tritt nun am Freitag in dieser Disziplin auf dem WM-Oval in die Pedale. Und ein wenig moralische Unterstützung bekommt er von seinem großen Vorbild Nimke. "Ich schreibe mich fast täglich mit Tobi. Aber Tipps im Keirin kann ich ihm nun wirklich nicht geben, besonders taktisch nicht. Bei mir war es so: Flucht nach vorn oder hinten verrecken", so der 34-jährige Schweriner.

Tobias Wächter und seine Kollegen vom Bund Deutscher Radfahrer sind schon seit vergangenen Donnerstag im verschneiten und frostigen (minus sieben Grad Celsius) Minsk. "Wir sind hier in einem super Hotel untergekommen. Das Essen ist sehr gut. Es gibt immer Buffet. Ich habe schon deutlich schlechter in Minsk gegessen", berichtete Tobias Wächter am Telefon unserer Redaktion. Er spricht da aus Erfahrung. Im Sommer 2009 war er bereits dort und sicherte sich seinerzeit bei der U23-EM Bronze im Sprint. "Ich kenne die Bahn, sie ist gut und schnell." So kalt es draußen ist, so kuschelig warm ist es in der Wettkampfhalle: "Da haben wir 28 bis 30 Grad. Das ist aber richtig gut, da kann man schön schnell fahren."

Und das muss der 24-Jährige auch. Sein Ziel: "Realistisch ist das Erreichen des Halbfinales. Ich muss erst mal die erste Runde überstehen. Das wird schwer genug, weil sich nur der Erste jeden Laufes weiter qualifiziert. Zwar gibt es dann noch Hoffnungsläufe, die sind aber auch nicht ohne." Stefan Nimke gibt dem 24-Jährigen einen guten Rat mit und weiß um die Qualitäten des zweifachen Europameisters des Vorjahres: "Er soll bloß nicht rumeiern, sondern auf seine Stärke vertrauen und seine Linie durchziehen. Tobi ist willensstark und ein Wettkampftyp. Er hält rein, wenn’s drauf ankommt." Und die namhafte Konkurrenz aus Frankreich, Großbritannien, Australien und natürlich aus dem eigenen Lager mit dem Olympia-Zweiten Maximilian Levy (Cottbus) ist gewaltig.

Für Teamsprinterinnen zahlt sich London-Coup nicht aus

Den Anfang bei den Welttitelkämpfen machen heute die Teamsprinterinnen. Von einer erneuten Goldfahrt wie in London oder bei der vergangenen WM in Melbourne wagen Miriam Welte (Kaiserslautern/Track Cycling Team MV) und Kristina Vogel (Erfurt) aber nicht zu träumen. "Wir haben lange nicht die Form von Olympia. Wenn wir es schaffen, im Teamsprint unter die besten fünf zu kommen, wäre das ein super Ergebnis", sagt Titelverteidigerin und Olympiasiegerin Miriam Welte. Erstmals seit London treten die beiden wieder gemeinsam an. Sie nahmen sich wegen ihrer Ausbildungen bei der Polizei eine Auszeit. Mit Erfolg: Vogel darf sich seit vergangenen Freitag Polizeimeisterin nennen, Welte hatte ihren Abschluss bei der Landespolizei im Januar gemeistert.

Längst ist nach dem Olympiasieg wieder der Alltag eingekehrt. Und finanziell hat sich der Coup von London nicht bezahlt gemacht. Von lukrativen Sponsoren konnte keine Rede sein. "Gemeldet hat sich gar niemand", sagt Welte. Von großen Werbeverträgen, wie sie etwa "Queen" Victoria Pendleton in Großbritannien seit Jahren abschließt, kann die Pfälzerin nur träumen. Bahnradsport sei nun einmal eine Randsportart und erschwerend kommen die nicht enden wollenden Dopingskandale bei den Straßenprofis hinzu. Das mache auch den Bahnrad-Assen das Leben schwer. "Wir werden alle über einen Kamm geschert. Dann heißt es: Radsport, das sind ja die, die dopen. Dabei sind wir auf der Bahn ein anderes Volk, haben mit der Straße eigentlich gar nichts zu tun", ergänzt Welte.

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