zur Navigation springen

Früherer Hansa-Torjäger Olaf Bodden : Keine Freude mehr am Leben

vom

Früher war Olaf Bodden der Schreck der Torhüter, ein Typ, vor dem man Angst haben muss. Hart mit sich und dem Gegenspieler. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Der ehemalige Hansa-Stürmer geht kaum noch aus dem Haus.

svz.de von
erstellt am 27.Dez.2011 | 10:04 Uhr

München | Früher war Olaf Bodden der Schreck der Torhüter, ein Typ, vor dem man Angst haben muss. Hart mit sich und dem Gegenspieler. Er war gefürchtet - heute ist davon nichts mehr zu sehen. Der ehemalige Stürmer von Borussia Mönchengladbach, FC Hansa Rostock und 1860 München (92 Bundesligaspiele/27 Tore) geht kaum noch aus dem Haus im Münchner Stadtteil Bogenhausen.

"Ich bin zu 0,0 Prozent belastbar"

"Ich bin 0,0 Prozent belastbar", sagt der 43-Jährige mit aschfahlem Gesicht: "Ich kann keine zehn Minuten spazieren, ohne dass mir hundeübel wird. Die Sonne muss ich meiden. Ich habe keine Freude mehr am Leben. Ich bin eingesperrt in meinem Körper und merke, wie der zugrunde geht."

Seit mehr als einem Jahrzehnt kämpft er gegen die Immunerkrankung CFIDS ("Chronisches Erschöpfungssyndrom"). Für Bodden, der schon mit 28 seine Karriere beenden musste, ein tagtäglicher Kampf: "Ich habe 365 Tage im Jahr eine Grippe. Ich fühle mich schlapp und liege mehr im Bett, als dass ich stehe - der Schlaf ist für mich schon lange nicht mehr erholsam."

Früher brachte Bodden bei 1,93 Metern 97 Kilo auf die Waage - heute 77. Folgen eines Virusinfektes im Herbst 2010. Bodden begibt sich in eine Spezialtherapie. Die kostet aber Geld, viel Geld. Und obwohl Bodden monatlich 600 Euro an eine Versicherung überweist, wartet er bis heute auf die Begleichung der Auslagen.

Olaf Bodden ist empört: "Die Krankenkasse weigert sich bis heute, nur einen Cent zu bezahlen. Inzwischen sitze ich auf 50 000 Euro Therapiekosten, die ich selbst vorgeschossen habe." Warum sich die Kasse weigert? "Die Versicherung sagt", so Bodden, "dass ich ein Fall für den Psychiater sei."

Leben von Ersparnissen der Profi-Laufbahn

Dabei ist CFIDS eine neuro-immunologische Erkrankung, das sei auch von der Weltgesundheitsorganisation so definiert, sagt Bodden: "Die Versicherung und die Ärztekammer verstoßen mit ihrer Haltung ganz klar gegen das Gesundheitsrecht. Wenn die Versicherung nicht zahlt, dann ziehe ich vors Münchner Landgericht." Noch kann er die horrenden Kosten stemmen - aber wie lange noch?

"Ich lebe von meinen Ersparnissen aus meiner Profikarriere", sagt er. Aber irgendwann seien auch die aufgebraucht. Sogar der FC Bayern wollte schon helfen, verrät Bodden: "Die Bayern haben mir vor Jahren angeboten, bei der Austragung eines Abschiedsspiels zu helfen. Das war großer Sport. Als 2000 bei den Löwen mein Vertrag ausgelaufen ist, habe ich nicht mal einen Blumenstrauß bekommen. Das ist der Unterschied."

Doch Bodden gibt sich kämpferisch - weil er fest davon überzeugt ist, irgendwann wieder gesund zu sein. Dass es plötzlich immer mehr Burn-out-Fälle in der Bundesliga gibt, versteht der einstige Profi nicht: "Wenn ein 20-Jähriger heute vier Bundesligaspiele macht, dann hat er schon seine erste Million sicher. Der Druck war doch in den achtziger Jahren viel größer als heute."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen