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16. Dezember 2017 | 10:25 Uhr

"In Schwerin will ich glänzen"

vom

svz.de von
erstellt am 22.Aug.2013 | 07:10 Uhr

Güstrow | Jürgen Brähmer hat Spaß im Ring. "Das waren gleich fünf", verkündet der Halbschwergewichtseuropameister der Profiboxer (40 Siege/31 K.o. - 2 Niederlagen) nach einer Schlagserie auf die von Karsten Röwer gehaltenen Pratzen, die den Trainer ordentlich durchgerüttelt hat. "Fünf sind, wenn du mit rechts anfängst und der letzte auch mit rechts kommt. Das waren nur vier", hält der Coach dagegen und überrascht kurz da rauf seinen Schützling mit einem Wischer über dessen Kopf. "Oh, da hat aber eben einer nicht aufgepasst", ruft der 50-Jährige und schickt hinterher: "Da kann man mal sehen, wie schnell der Trainer noch ist."

Brähmer steckt das lächelnd weg. Noch bis Dienstag bereitet sich der 34-Jährige an der Güstrower Sportschule des LSB auf seinen Kampf am 24. August in Schwerin vor. Die dortige EM-Titelverteidigung gegen den drei Jahre jüngeren italienischen Meister Stefano Abatangelo (17 Siege/6 K.o. - 2 Niederlagen - 1 Remis) wird Brähmers dritter Kampf in diesem Jahr. Als er im Februar bei seinem Sauerland-Debüt seinem Stallgefährten Eduard Gutknecht den EM-Gürtel entriss, war ihm eine zehnmonatige Kampfpause noch deutlich anzumerken. Im April beim Zweitrunden-K.o. gegen Tony Averlant (Fra) wähnten ihn die Experten bereits wieder auf dem Weg zu alter Stärke. Und jetzt sieht sich der Ex-Weltmeister der WBO noch einen ganzen Schritt weiter. "Ich merke in jedem Training, wie ich mich weiter verbessere. Der Rost, der sich in den letzten Jahren auf die Bewegungsabläufe gesetzt hatte, ist weggeblasen. Und ich weiß, dass ich noch Potenzial nach oben habe. Das auszuschöpfen, ist mein Ziel."

Dass es für ihn derzeit so gut läuft, hat für den gebürtigen Stralsunder nicht zuletzt mit seinem vor einem Jahr erfolgten Wechsel von der inzwischen insolventen Hamburger Universum Box Promotion zum Sauerland-Stall zu tun. "Seither habe ich gewissermaßen Planungssicherheit. Das habe ich gebraucht, das tut mir gut. Dadurch habe ich den Kopf frei, kann mich voll auf das Boxen konzentrieren. Und nur dann kann es funktionieren."

Funktionieren soll es auch nächste Woche, schließlich will Jürgen Brähmer dem heimischen Publikum etwas bieten. "Natürlich will ich in Schwerin glänzen, das ist keine Frage. Aber das will man ja bei jedem Kampf."

So gesehen ist die Wahl von Abatangelo als EM-Herausforderer für Trainer Röwer nicht ganz unproblematisch. "Das ist ein kleiner, gedrungener Boxer, der ständig versucht, nach vorne zu gehen und dich pausenlos zu beschäftigen. Kurzum ein äußerst unbequemer Gegner, gegen den du eigentlich nur schlecht aussehen kannst", sagt der erfahrene Boxlehrer. "Aber solche Gegner brauchst du, wenn du dich weiterentwickeln willst. Anders herum: Wenn Jürgen Abatangelo nicht in den Griff kriegt, brauchen wir uns über eine WM-Chance nicht zu unterhalten."

Die spielt in den Köpfen zwar offiziell noch keine Rolle, fest gebucht aber ist sie. Ende des Jahres soll Brähmer als Pflichtherausforderer um den Weltmeistertitel der WBO boxen - sozusagen um seinen WM-Gürtel, denn den hatte er nach drei Kampfabsagen in Folge im Mai 2011 am grünen Tisch an Nathan Cleverly verloren. Ob der immer noch als Weltmeister amtierende Waliser im November/Dezember Brähmers Gegner sein wird, entscheidet sich übermorgen in Cardiff bei Cleverlys Titelverteidigung gegen den Russen Sergej Kowalew. Brähmer kennt alle beide. "Für mich gibt es in dem Kampf keinen Favoriten. Beide sind sie sehr stark."

Der Schweriner selbst kann den Kampf in aller Gemütsruhe abwarten. Denn auch bei einem Sieg Kowalews würden die Karten nicht neu gemischt. Da hat sich die WBO bereits festgelegt: Der Weltmeister muss als nächstes gegen Jürgen Brähmer boxen. Vorausgesetzt, dass der in Schwerin seine Hausaufgaben macht.

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