"In London geht noch mehr"

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25. Juli 2012, 04:41 Uhr

Helsinki/Schwerin | Gestern Mittag wirkte Martina Strutz am Telefon putzmunter, kein Anzeichen einer durchfeierten Nacht. "Feiern in Helsinki, das hält sich bei den hiesigen Preisen in Grenzen", sagte die Vize-Weltmeisterin und nun auch frischgebackene EM-Zweite im Stabhochsprung. "Aber wir haben noch zusammengesessen. Im Kreis der üblichen Verdächtigen: Robert Harting, die Werfer, die alten Kämpen eben…"

Hätte der Schwerinerin vom SC Neubrandenburg jemand vor ihrem EM-Wettkampf am Samstag vorausgesagt, dass sie noch in Feierlaune kommen würde, sie hätte ihm wohl einen Vogel gezeigt. "Ich hatte nie den Eindruck, dass das mein Tag werden könnte", erinnert sie sich. "Mit dem Einspringen war ich unzufrieden und auch in den Wettkampf kam ich lange nicht richtig rein. Die Sprünge waren nicht schön. Und wenn ich im Fernsehen selbstbewusst rüberkam, muss ich sagen: Alles richtig gemacht. In mir sah es anders aus."

Als einzige Deutsche die Nerven behalten

Im Gegensatz zu Silke Spiegelburg (Leverkusen), mit ihrer Jahresbestleistung von 4,76 als EM-Favoritin gehandelt, und Lisa Ryzih (Ludwigshafen), die am Ende mit Rang vier (4,50) bzw. sieben (4,40) nicht zuletzt Opfer ihrer Nerven wurden, wusste "Strutzi" aber ihre Aufregung zu meistern. Nachdem ihr erster Versuch über 4,30 m noch an eine verunglückte Anlaufkontrolle erinnert hatte, kämpfte sie sich anschließend dank der jeweils auf Anhieb gemeisterten 4,40 und 4,50 immerhin schon auf Rang vier vor. Den undankbarsten Rang, wenn es denn dabei geblieben wäre.

Aber die Schwerinerin trotzte Wind und Regen im zweiten Versuch über 4,60 und hatte über 4,65 drei deutlich bessere Versuche - besonders der erste - als die Tschechin Jirina Ptacnikova, die aber die 4,60 auf Anhieb genommen und sich so den Titel gesichert hatte. Dritte wurde die Griechin Nikolia Kiriakopoulou. Sie hatte 4,60 im dritten Anlauf gemeistert, 4,65 ausgelassen, über 4,70 dann aber gar keine Chance.

"Bei dem Wetter war das ein Glücksspiel. Da war ich unsicher, auch weil die ersten Sprünge nicht besonders waren", bekannte Trainer Thomas Schuldt, am Samstag aufmerksamer Beobachter am Fernseher. "Aber dann wurde Strutzi immer besser. Stark!"

So paradox es klingt: Trainer und Athletin sind froh, dass der Wettkampf noch nicht optimal lief. "Wenn du bei den Bedingungen, mit Schnelligkeitsdefiziten und nicht so tollen Sprüngen Jahresbestleistung schaffst, dann weißt du, dass in London sogar noch mehr geht. Ein gutes Gefühl", sagte Martina Strutz.

In weiteren drei Konkurrenzen, am Samstag in Rottach-Egern, am 14. in London und am 20. in Monaco, will sie sich die Stabilität und Wettkampfhärte für Olympia holen. In der britischen Hauptstadt soll dann richtig gefeiert werden. Und wenn sie sich im olympischen Wettkampf einen guten Grund dafür holt, dann dürften selbst die Londoner Preise an dem Tag zweitrangig sein.

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