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Mecklenburger bei der Bahnrad-WM : Im Wechselbad der Gefühle

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Überraschendes WM-Gold durch Kristina Vogel und Miriam Welte, bittere Disqualifikation für die favorisierten Männer: Die deutschen Teamsprinter durchlebten bei der Bahnrad-WM eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

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erstellt am 04.Apr.2012 | 06:42 Uhr

Schwerin/Melbourne | Überraschendes WM-Gold durch Kristina Vogel und Miriam Welte, bittere Disqualifikation für die favorisierten Männer: Die deutschen Teamsprinter durchlebten gestern beim Auftakt der Bahnrad-WM im australischen Melbourne innerhalb weniger Minuten eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

"So einen Tag wie heute habe ich noch nie erlebt", sagte Bundestrainer Detlef Uibel, der zwischen Freude und Enttäuschung schwankte: "Die Mädels waren grandios, die Entscheidung bei den Männern ist dagegen richtig bitter." Zumindest für Vogel und Welte war die Welt rundum in Ordnung. "Weltmeister! Da ran hätte ich im Traum nicht gedacht. Wenn mir das vorher jemand gesagt hätte, hätte ich ihn für verrückt erklärt", sagte die erst 21 Jahre alte Erfurterin Vogel. "Wir wussten, dass wir gut in Form sind, aber Gold, das ist Wahnsinn", ergänzte Miriam Welte aus Kaiserslautern, die zugleich Mitglied beim Schweriner Track Cycling Team Mecklenburg-Vorpommern ist. Im Finale auf dem schnellen Holzoval stellte das deutsche Duo in 32,549 Sekunden den zweiten Weltrekord innerhalb einer Stunde auf und verwies Topfavorit und Titelverteidiger Australien (32,597) auf Platz zwei. Schon in der Qualifikation stellten die beiden Deutschen mit 32,630 eine neue Weltbestzeit auf. Die bisherige hielten die Australierinnen mit 32,754. Vor den Titelkämpfen hatten die beiden Außenseiter nur vorsichtig mit einer Medaille geliebäugelt. Platz fünf wäre schon ein Erfolg gewesen, mit etwas Glück träumten die beiden jungen Damen vom kleinen Finale um Bronze. Und dann hauten sie Doun Under eben den Weltrekord raus.

"Es ist schon bitter, mit leeren Händen nach Hause zu fahren"

Das hatten im Dezember die deutschen Männer mit René Enders (Erfurt), Maximilian Levy (Cottbus) und Stefan Nimke (Schwerin) bereits gemacht. So hatte sich das deutsche Trio natürlich in die Favoritenrolle für die WM katapultiert. Doch gestern kam alles ganz anders. Der Titelverteidiger wähnte sich nach der zweitbesten Qualifikationszeit mit 43,349 Sekunden hinter Frankreich (43,247) schon im Finalrennen um Gold, als ihnen eine halbe Stunde später die Kommissäre einen Strich durch die Rechnung machten: Wechselfehler. "Es ist schon bitter, mit leeren Händen nach Hause zu fahren", sagte Schlussmann Nimke. Levy, der nach Ansicht der Kommissäre den Fehler produzierte, wollte sich nicht konkret äußern. Was war passiert?

Fakt ist, dass es beim Teamsprint einen Wechselkorridor 15 Meter vor bis 15 Meter nach dem Zielstrich gibt. Zusätzlich gibt es im UCI-Reglement den Passus, dass jeder der drei Fahrer eine komplette Runde führen muss.

Stefan Nimke mailte aus Melbourne unserer Redaktion: "Ja, was dort heute los war, weiß ich auch nicht. Gleich vier Mannschaften sind nach hinten gesetzt. Das hab ich noch nie erlebt und dazu kommt, dass wir nicht mal wissen, warum nun genau. Angeblich sei Max zu früh schon etwas hoch gefahren und hat somit den Wechsel eingeleitet. So’n Quark. Wir fahren so wie heute schon lange und nie gab’s Probleme. Entweder haben wir die Regeln nicht richtig verstanden oder die haben sie neu interpretiert?! Auf alle Fälle war es hart für uns. Wir fahren trotz massiver Probleme auf Position zwei (Max hatte wohl großes Loch zu René) in das große Finale und somit wieder um Gold und dann so was… 15 Jahre bin ich bei der Elite dabei, aber so was... Manchmal hab ich den Eindruck, die UCI versteht ihre eigenen Regeln nicht immer. Positiv an dem Lauf war aus meiner Sicht, dass ich meine letzte Runde in persönlicher Bestzeit gefahren bin, also noch einen kleinen Tick schneller als beim Weltrekord in Cali. Somit sollte ich meine Position drei im Team bestätigt haben. Und auch 2004 haben wir im Teamsprint bei der WM nichts abbekommen, obwohl wir als Titelverteidiger an den Start gegangen sind damals. Und dann sind wir Olympiasieger geworden. Also nehm ich das Ganze als ein Zeichen ;-)".

Pikanterweise rückten nach der Disqualifikation der Deutschen die Ausralier bei ihrer Heim-WM in das Finale gegen Frankreich nach. Und die Aussies nutzten die Gunst der Stunde und sicherten sich mit dem knappsten Vorsprung, den es geben kann, den WM-Titel. Nur eine tausendstel Sekunde waren die Lokalmatadoren schneller als die Franzosen. Im kleinen Finale sicherte sich Neuseeland vor Japan Bronze. Die Asiaten waren auch nur in dieses Rennen aufgerückt, da Olympiasieger Großbritannien, der die viertschnellste Qualifiktionszeit hatte, das gleiche Schicksal wie die Deutschen ereilte.

Mit 14. Medaille beeindruckende WM-Bilanz aufpolieren

Stefan Nimke hat heute aber noch ein bisschen was vor. Heute startet der 34-Jährige als Titelverteidiger im 1000-m-Zeitfahren. Und da ist sein Anspruch wie immer "eine Medaille". Und die will er unbedingt noch nach Hause mitnehmen. Zum einen will er natürlich bei seinen letzten Welttitelkämpfen nicht leer ausgehen, zum anderen muss er noch seine beeindruckende WM-Bilanz aufpolieren. Bislang gewann Nimke fünf Mal Gold und acht mal Bronze - summa sumarum 13 Medaillen - bei Weltmeisterschaften. "Die 13. Medaille. Man sagt ja wohl die verflixte 13. Dann muss ich eben im nächsten Jahr die 14. holen", hatte Stefan Nimke im vergangenen Jahr nach seinem Gold-Coup im 1000-m-Zeitfahren gesagt, nachdem er im Teamsprint zuvor hinter den Franzosen Silber geholt hatte.

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