Nach der Insolvenz von Post Schwerin : Gibts eine Zukunft für den Handball?

Suchen nach Lösungen nach dem Insolvenz-Crash: Heiko Grunow (l.) und Geschäftsführer Friedrich Diestel.  Reinhard Klawitter
Suchen nach Lösungen nach dem Insolvenz-Crash: Heiko Grunow (l.) und Geschäftsführer Friedrich Diestel. Reinhard Klawitter

Wie geht es weiter beim Handball-Zweitligisten Post Schwerin nach der angemeldeten Insolvenz wegen "drohender Zahlungsunfähigkeit"? Mit Heiko Grunow, Präsident des Gesamtvereins Post Schwerin, sprach Roland Güttler.

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24. September 2012, 10:06 Uhr

Schwerin | Wie geht es weiter beim Handball-Zweitligisten Post Schwerin nach der angemeldeten Insolvenz wegen "drohender Zahlungsunfähigkeit"? Mit Heiko Grunow, Präsident des Gesamtvereins und als solcher einer der fünf Gesellschafter des insolventen Wirtschaftsträgers des Zweitligisten, der Post Schwerin Handball-Bundesliga GmbH & Co. KG, sprach Roland Güttler.

Herr Grunow, Sie haben den Insolvenz-Beschluss mitgefasst. Wie schwer fiel es Ihnen?

Grunow: Die Gedanken von Leuten, die meinen, das war gut, jetzt könne man einfach einen Cut machen und bei Null anfangen, kann ich nicht nachvollziehen. Eine Insolvenz ist nie was Gutes! Für mich ist es immer die denkbar schlechteste Alternative. Wir Gesellschafter haben zusammen mit Geschäftsführer Frie drich Diestel lange gerungen, bevor wir uns für den Gang zum Gericht entschieden.

Einige spekulieren, in der Schublade gab bzw. gibt es längst einen Plan B. Ist dem so?

Klares nein! Das wäre ja auch unverantwortlich. Wir hatten bis zuletzt die Hoffnung, nicht den Insolvenzantrag stellen zu müssen. Allerdings arbeiten wir jetzt intensiv daran, wie es weitergehen kann. Und dazu gehört neben dem Gutachten des Insolvenzverwalters erst einmal die kritische, schonungslose Aufarbeitung, was alles falsch gelaufen ist. Das gilt auch für die Arbeit der aktuellen Gesellschafter, als auch für den Umgang mit Sponsoren, den Fans etc.

42 Jahre war der Traditionsverein erst- bzw. zweitklassig und jetzt der Crash, der nicht wirklich aus heiterem Himmel kommt. Wie geht es weiter, ist Bundesliga-Handball in Schwerin überhaupt noch denkbar? Es gibt nicht wenige, die sagen, jetzt herrscht erst einmal verbrannte Erde…

Das sehe ich ganz und gar nicht so, darin bestärken mich auch die positiven Gespräche der vergangene Tage. Kleinere und auch größere Sponsoren, die teilweise eine fünfstellige Summe geben, haben mir gesagt: ,Wir bleiben dabei. Freilich können diese natürlich nicht die fehlenden Gelder ausgleichen, die zum Insolvenzantrag führten.

Ich bin erst sieben Monate im Amt, aber eines ist klar: In den vergangenen zehn Jahren wurde sich mehr mit Personen und der Vergangenheit als mit der Zukunft beschäftigt. Damit muss ein für alle Mal Schluss sein! Ich reiche jedem die Hand, der sagt, er wolle sich bedingungslos für den Handball einsetzen. Leute, die sagen, diese Nase gefalle mir nicht, die persönliche Interessen voranstellen - die leben nicht für den Handball. Wenn wir weiter in die Vergangenheit statt in die Zukunft schauen, dann haben wir wirklich verbrannte Erde!

Um es klar zu sagen: Der SV Post Schwerin ist unzweideutig mit der 2. Bundesliga verbunden. Es gibt eine HandballZukunft in Schwerin - und die kann nur Bundesliga-Handball lauten. Wenn Politik und Wirtschaft, die Stadt und Region sowie die Fans klar signalisieren: ,Wir stehen auf für den Handball!

Wie es weitergeht, dazu sind viele Fragen zu klären - auch in welcher Liga die Mannschaft künftig spielt. Der Weg wird garantiert nicht einfach. Und es wird keine Schnellschüsse geben.

HBL ermittelt wegen möglicher Falschangaben

Die Lizenzierungskommission der Handball-Bundesliga (HBL) behält sich Sanktionen und rechtliche Schritte gegen Post Schwerin vor. Im Verlauf des Monats August seien der HBL „Hinweise auf gravierende Verstöße gegen die Vorgaben der Lizenzierungsrichtlinien im Lizenzierungsverfahren 2012/13 bekannt geworden“. Daraus ergebe sich erheblicher Klärungsbedarf, ob die Erteilung der Lizenz für das Spieljahr 2012/13 aufgrund unrichtiger Angaben durch die damalige Geschäftsführung erfolgte. Daraufhin wurde unverzüglich eine erneute Überprüfung der vom SV Post Schwerin und seines wirtschaftlichen Trägers im Frühjahr 2012 eingereichten, durch Wirtschaftsprüfer testierten Lizenzunterlagen eingeleitet. Die abschließende Entscheidung über eine Sanktionierung des Klubs werde laut HBL „unabhängig vom weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens erfolgen“.

Die zuständige Lizenzierungskommission hat eine schriftliche Stellungnahme des SV Post Schwerin eingefordert. Sobald diese eingegangen und bewertet wurde, werde zeitnah eine Entscheidung gefällt. Bei Verstößen gegen die Lizenz-Vorgaben sind Geldstrafen bis zu 20 000 Euro, Aberkennung von bis zu acht Pluspunkten und auf Nachfrage laut Holger Kaiser (HBL) „auch der sofortige Lizenzentzug bei Falschangaben“ als mögliche Sanktionen vorgesehen.

Sollte es zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens kommen, stünde Post Schwerin als erster Absteiger der 2. Handball-Bundesliga fest. Selbiges hätte eine Ablehnung der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens mangels Masse zur Folge. Schwerin könnte in Liga drei weiterspielen, das gelte laut Holger Kaiser auch dann, „wenn der SVP die Saison nicht zu Ende spielt“. Zu vermeiden ist laut HBL der „vorgegebene Zwangsabstieg nur dann, wenn die Insolvenzgründe durch eine Sanierung beseitigt werden und das vorläufige Insolvenzverfahren vor dem 30. April 2013 beendet würde“.

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