zur Navigation springen

Suche nach Patentrezepten geht weiter : Gewalttäter erziehen

vom

Der Fußball ringt im Kampf gegen die Gewalt um die richtigen Reaktionen. Schalke-Boss Clemens Tönnies forderte nach den Übergriffen von Kölner und Rostocker Rowdies ein hartes Durchgreifen und mehr Geisterspiele.

svz.de von
erstellt am 16.Mär.2012 | 12:03 Uhr

Berlin | Der Fußball ringt im Kampf gegen die Gewalt um die richtigen Erziehungsmethoden für die Krawallmacher. Schalke-Boss Clemens Tönnies forderte nach den jüngsten Übergriffen von Kölner und Rostocker Rowdies ein hartes Durchgreifen und mehr Geisterspiele. Der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Lefert wünscht sich mehr Zivilcourage. Zweitligist Dynamo Dresden will zusätzliches Geld in Fanprojekte investieren, Liga-Rivale Eintracht Frankfurt seine Problemfans moralisch disziplinieren. Das Fazit von Tönnies: "Wir brauchen einen Runden Tisch mit DFB, DFL und allen Clubs. Wenn wir uns jetzt nicht dagegen stellen, eskaliert es."

Der Aufsichtsratschef des FC Schalke 04 zeigte sich angesichts der nicht abreißenden Reihe von Ausschreitungen besorgt. "Man muss sich schämen, was zuletzt passiert ist. Dagegen muss man jetzt hart vorgehen. Solche Leute haben in einem Stadion nichts zu suchen", sagte Tönnies.

Für Entsetzen hatten zuletzt Übergriffe auf reisende Fans gesorgt. Am vergangenen Wochenende hatten vermummte Chaoten in Rostock Fans von Eintracht Frankfurt mit Steinen und Flaschen beworfen und danach mit dem Auto verfolgt. "Diese Vorfälle sind völlig inakzeptabel, solche Taten müssen geächtet werden - auch in Fanszenen", meinte DFB-Funktionär Große Lefert im Fachmagazin "Kicker". "Da ist auch Zivilcourage eines jeden Einzelnen gefordert."

Beschränkter Einfluss auf Reisewegen

Der Einfluss des Fußballs auf Reisewegen sei beschränkt, erklärte Große Lefert. "Hier sind Polizei und Justiz zuständig, die wir im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen", sagte er. Zuvor hatte bereits Liga-Präsident Reinhard Rauball mehr staatliche Unterstützung bei der Bewältigung des Gewaltproblems angemahnt.

Zur Verbesserung der Präventionsarbeit stellt Dynamo Dresden 30 000 Euro für Fanprojekte bereit. "Das Übel der Gewalt in deutschen Stadien" müsse "an der Wurzel bekämpft werden", sagte Dynamo-Präsident Andreas Ritter. Das Geld stammt aus den Einnahmen aus dem Spiel gegen den FC Ingolstadt am vergangenen Sonntag, von dem Zuschauer ausgeschlossen waren. Dynamo war wegen der schweren Ausschreitungen seiner Anhänger beim Pokalspiel in Dortmund zu dem Geisterspiel verurteilt worden. Der Club hatte zur Linderung des finanziellen Schadens sogenannte "Geistertickets" verkauft. Der Erlös: knapp 200 000 Euro.

Zu unkonventionellen Methoden greift die Frankfurter Eintracht. "Wir wollen versuchen, unsere Fans mit in die Verantwortung zu nehmen. Daher planen wir 50 000 Euro an die Deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS zu stiften und von diesem Betrag bis zum Saisonende jedes vom DFB ausgesprochene Bußgeld abzuziehen", sagte Vorstandsmitglied Klaus Lötzbeier.

Verhaltensregeln für Eintracht-Anhänger

"Unser Image ist nachhaltig negativ verrutscht, daher ist es unser Ziel, das Bild wieder zurechtzurücken. Niemand hier ist froh über den Titel vom ,deutschen Randalemeister", sagte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen. Eintracht-Anhänger hatten sich diesen Titel seit den zahlreichen Ausschreitungen in der Rückrunde der Vorsaison selbst gegeben. Danach hatte der Verein bereits einen "Katalog der Selbstverständlichkeiten" mit einer Liste von Verhaltensregeln für Eintracht-Anhänger aufgestellt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen