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Zbik gegen Sturm: Das Box-Duell : "Gemocht haben wir uns noch nie"

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Herausforderer Sebastian Zbik hat vor dem Duell am Freitag gegen Weltmeister Felix Sturm nachgelegt. „Er ist mir unsympathisch“, so der Schweriner. Die Reaktion von Sturm folgte gestern bei der Pressekonferenz in Köln.

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erstellt am 11.Apr.2012 | 12:17 Uhr

Köln/Schwerin | Herausforderer Sebastian Zbik gegen Titelverteidiger Felix Sturm - mit dieser Paarung um den WBA-Weltmeistergürtel im Mittelgewicht bringt Sat.1 am Freitag (Übertragungsbeginn mit reichlich Vorgeplänkel und wohl noch mehr Werbung um 22.05 Uhr) nicht nur einen äußerst interessanten Profibox-Kampf auf den Sender, sondern zugleich eine Familien-Geschichte. Ein Drama geradezu, das nicht von ungefähr unter dem Motto "Bad Blood" (Böses Blut) läuft.

"Gemocht haben wir uns noch nie", sagt Zbik über seinen Gegner, mit dem er nach seinem Wechsel zu den Profis von 2004 bis 2009 gemeinsam für Universum Hamburg boxte. "Und ich mag ihn auch jetzt nicht. Er ist mir unsympathisch. Er ist ein respektloser Mensch mit einem abstoßenden Mundwerk."

Sturm legte gestern bei der Pressekonferenz in Köln nach. "Nach dem Kampf stehen sie da, wo sie jetzt sind - nämlich unten", landete der Leverkusener einen weiteren verbalen Seitenhieb auf Zbik und seinen einstigen seit dem ZDF-Ausstieg 2010 schwächelnden Arbeitgeber, von dem er in einer Schlammschlacht schied.

WM-Kampf seit Wochen medial zum Hass-Duell hochstilisiert

Dieser Kampf, medial zum Hass-Duell erklärt, erfreut sich eines dramaturgischen Kunstgriffes, auf den selbst Krimi-Altmeister Alfred Hitchcock stolz verwiesen hätte, wäre er ihm eingefallen. Denn bis auf die beiden Kämpfer haben alle Protagonisten die Rollen getauscht. Alles ist quasi völlig durcheinandergewürfelt.

So wird der gebürtige Bosnier Felix Sturm, der eigentlich Adnan Catic heißt, von Fritz Sdunek betreut. Die Schweriner Trainer-Legende hatte einst Sebastian Zbik zu den Profis geholt und bis zum gesundheitlich bedingten Kürzertreten vor rund zwei Jahren auch trainiert.

Auch Zbiks heutiges Trainerduo Artur Grigorian und Michael Timm, dem die Trainingsplanung obliegt, hatte Sdunek unter seinen Fittichen. Grigorian war unter Sdunek zum Profi-Weltmeister gereift und fast acht (!) Jahre lang geblieben.

Timm avancierte zu aktiven Schweriner Traktor-Zeiten als Sdunek-Schützling zum Amateur-Europameister im Halbmittelgewicht 1985. Später wurde er von Sdunek als Trainer zu Universum geholt und als Mentor anfangs unterstützt. Und um das Maß voll zu machen: Einer der ersten von jenem runden Dutzend, das wiederum Michael Timm zu Profi-Weltmeistern formte, war Felix Sturm.

Mit Sturms geräuschvollem Universum-Abgang kam es auch zum Bruch mit seinem Trainer. Die Art und Weise stinkt Timm heute noch. "Felix hätte mir sagen können, dass er weg wollte. Es wäre okay gewesen. Aber er hat nicht mal angerufen, ging nicht ans Telefon, als ich anrief. Am Ende ließ er sogar nur ausrichten, dass er nicht behelligt werden wollte. Zu mehr Rückgrat hat es nach all den Jahren nicht gereicht. Leider", erinnert sich Timm.

Sdunek: Zbik wird dem Tempo Tribut zollen müssen

Wohl noch nie wussten vor einem Profiduell zwei Boxer so viel voneinander wie Sturm und Zbik. Und wohl noch nie war die Konstellation so - seltsam.

Fritz Sdunek, von dem man weiß, dass seine Schützlinge immer auch seine "Kinder" sind, macht kein Hehl daraus, dass er sich Sebastian Zbik verbunden fühlt. "Das wird auch immer so bleiben", sagt er. Und was das verbale Beharken angeht, meint er: "Ach was, da ist auch viel Promotion dabei - hoffe ich jedenfalls." Er selbst freut sich auf den Kampf, "weil beide den Boxfans viel zu bieten haben. Das wird ein Kampf auf hohem technischen Niveau, mit hohem Tempo. Und ich glaube, dass Zbiker diesem Tempo Tribut zollen muss. Er hat fast ein Jahr lang nicht geboxt. Das ist ein klarer Nachteil."

Sturm hat allerdings in der Zwischenzeit auch nur einmal geboxt und beim Remis im Dezember gegen den Engländer Martin Murray nicht gerade Bäume ausgerissen. Dennoch warnt Michael Timm: "Felix hat zwar zuletzt nicht überzeugt, aber eines weiß ich ganz genau: Für solch einen Kampf kann er sich voll motivieren und alles aus sich herausholen. Das hat er immer gekonnt."

Dass er am Freitag als Notnagel herhalten soll, ist Sebastian Zbik sehr wohl bewusst. "Für Felix wird die Luft dünn, denn seine letzten Kämpfe waren Murks und er muss seinem TV-Sender endlich etwas bieten. Und da glaubt er, ich sei das kleinere Übel gegenüber dem Russen Gennadi Golowkin, gegen den er eigentlich seinen Titel verteidigen sollte. Er würde jedoch eher den Titel niederlegen, als Golowkin zu boxen", sagt Zbik, der seinen eigenen WM-Titel nach WBC-Version im Juni 2011 in Los Angeles äußerst umstritten gegen den Mexikaner Julio Cesar Chavez jr. verlor, alle anderen 30 Profikämpfe aber gewann. Und er kündigt an: "Felix soll sich in der Wahl seines Gegners verrechnet haben. Ich bin gut drauf und hochmotiviert. Nach unserem Kampf wird er nicht mehr Weltmeister sein."

Sturm, der 36 seiner 40 Kämpfe gewonnen hat, hält dagegen: "Wir haben mehr als genug getan. Ich habe vor einem Kampf noch nie so viele Sparringsrunden absolviert. Wenn ich 60 bis 70 Prozent aus dem Training mitnehme, dann wird das ein toller Abend für uns."

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