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"Für Durchschnitt zu werben, ist nicht mein Ding"

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erstellt am 22.Sep.2010 | 07:31 Uhr

Waren | Um in der Praxis auftreten zu können, sei es unabdingbar, theoretische Grundlagen zu besitzen, betonte Matthias Sammer, der DFB-Sportdirektor, bei einem Treffen mit über 80 Oldie-Fußballtrainern. Die hatten ihn zu ihrer nunmehr 12. Zusammenkunft, bei der es natürlich in erster Linie um den Fußball ging, nach Waren eingeladen.

Und er sei gern gekommen, schließlich habe er jetzt auch das Alter erreicht, in dem man darüber nachdenkt, wo man hergekommen ist, sagte Sammer. Seit 2006 ist er Sportdirektor beim größten Verband der Welt, dem Deutschen Fußballbund. Er führte kurz aus, wie seine ersten Schritte beim DFB waren: "Wir brauchen einen Sportdirektor, aber was er machen soll, wissen wir noch nicht", so habe es angefangen.

Sammers Ziel war es von Beginn an, nämlich ausgestattet nicht nur praktischen Erfahrungen auf dem Platz, sondern auch mit Theorie, konventionelle, strategisch ausgerichtete Nachwuchsarbeit zu machen. Und er will viel, doch kommt sein Ehrgeiz nicht immer gut an. "Zu ehrgeizig zu sein, ist in diesem Zusammenhang eine Auszeichnung", ist er überzeugt. Klare Ziele, gespickt mit jeder Menge Inhalt sind seine Vorstellungen von Nachwuchsarbeit, die U21 eingeschlossen.

Dass sein Weg vernünftig ist, zeigen die drei Titel, die die Nachwuchsmannschaften 2009, drei Jahre nach seinem Antritt als Sportdirektor, erkämpft haben. Sammer stellt eine Stagnation seit 2009 fest und kämpft dagegen, nicht immer erfolgreich. Doch verbiegen lasse er sich nicht. "Ich wäre froh, wenn irgendjemand mal etwas anderes sagen würde, als dass ich zu ehrgeizig und zu detailliert bin. Ich will Inhalte", sagte er.

Kein Manuskript, kein Zettel kann den Sportdirektor bei den Oldies in Waren aus der Ruhe bringen. Er will eine Botschaft los werden, für Verständnis und Akzeptanz seiner Strategien werben. Und es ist ihm wichtig, dass gerade diejenigen ihn verstehen, die ihn in jungen Jahren einst geprägt haben. Seine Aufgabe sehe er darin, der strategische Kopf des Verbandes zu sein. Persönliche Animositäten hätten in dieser Position nichts zu suchen, stellt er eindeutig klar. Er habe eine Aufgabe übernommen, und die wolle er nach bestem Wissen und Gewissen ausführen.

Und ganz klar formuliert er: "Wer die Bereitschaft, die Rahmenbedingungen zu akzeptieren, nicht zeigt, der ist aus meiner Sicht fehl am Platze", auch mit Blick auf die stetig schwelenden Querelen in Zusammenhang mit der U21-Mannschaft. "Ich traue Jogi Löw einiges zu, aber dass er aus einem Trabanten einen Rennwagen macht, das nicht", war der Kommentar von Sammer zu den Zuständigkeiten innerhalb des DFB.

Das Ziele im DFB natürlich auch das Gewinnen beinhalten müssen, ist für ihn selbstverständlich. Doch das so eindeutig auch zu formulieren, sei nicht gewollt. Daraus ergebe sich für ihn die logische Konsequenz, dass konditionell, technisch und taktisch gut ausgebildete Verlierer entwickelt werden sollen, denn nur so sei aus seiner Sicht zu verstehen, "warum gewinnen nicht Bestandteil des Leitbildes für den Nachwuchsfußball ist".

Ob er dann allerdings noch richtig auf seinem Platz ist, sei fraglich: "Für Durchschnitt zu werben, ist nicht mein Ding", sagt der Champions-League-Sieger mit Borussia Dortmund deutlich. Klare Strukturen und Hierarchien gehören ebenfalls dazu. Von dem Spruch, dass die Mannschaft der Star sei, halte er gar nichts. Vielmehr sei es der einzelne Spieler, der die Mannschaft prägt, führte er aus.

Die Oldie-Trainer lauschen gespannt den Ausführungen. Walter Toußaint, erfolgreicher Volleyball-Trainer, ist begeistert von Sammers Gedankengängen. Die von Sammer verfolgte Strategie ist aus seiner Sicht völlig richtig. "Nur so werden wir auch in Zukunft im Weltfußball eine wichtige Rolle spielen können", hieß es von verschiedenen Seiten.

Der Vertrag als Sportdirektor gehe noch bis 2013, immerhin ein Jahr länger als der von Löw. Doch an seinem Posten hänge er nicht, er könne sich durchaus vorstellen wieder als Trainer aktiv zu werden, stellt Matthias Sammer abschließend klar.

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